Finanzkrise US-Regierung belastet die Märkte


Mit ihrer Ankündigung, das 700 Milliarden Dollar schwere Rettungspaket für die Finanzindustrie neu auszurichten, hat die US-Regierung die Kurse an den Börsen in Asien und den USA auf Talfahrt geschickt. Nach einer leichten Schwäche zu Handelsbeginn trotz der Dax jedoch dem negativen Trend.

Trotz negativer Vorgaben aus New York und Tokio hat der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag nach anfänglicher Schwäche zugelegt. Am Morgen gewann der Deutsche Aktienindex (Dax) ein Prozent auf 4668 Punkte dazu. Zuvor waren nach deutlichen Verlusten an der Wall Street auch die asiatischen Börsen auf Talfahrt gegangen. Auslöser der fallenden Kurse war eine Ankündigung von US-Finanzminister Henry Paulson, das 700-Milliarden-Dollar-Hilfspaket neu auszurichten. In Japan fiel am Morgen der Nikkei-Index, der um 5,5 Prozent auf 8214 Zähler einbrach, in Hongkong der Hang-Seng-Index zunächst sogar um 6,6 Prozent auf fast 13.000 Punkte abgestürzt. Diese Kursstürze resultierten auf die Talfahrt des Aktienmarkts in New York, die am dritten Tag in Folge anhielt. Schlechte Unternehmensnachrichten und die geplante Neuausrichtung des US-Rettungspakets für die Finanzmärkte drückten den Dow-Jones-Index um 4,7 Prozent auf 8282 Punkte, das war der niedrigste Stand seit dem Fünf-Jahres-Tief vom 27. Oktober. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gab sogar um 5,2 Prozent auf 1500 Punkte nach.

Dax trotzt dem Trend

Nachdem es zunächst so ausgesehen hatte, dass die negativen Vorgaben auch den Dax belasten würde, erholte sich der Index am Morgen deutlich. Neben dem Dax, der einen Prozentpunkt gewann, stiegen auch der Mdax um 1,9 Prozent auf 5445 Zähler und der TecDax um 2,4 Prozent auf 505 Punkte. Händler wollten dennoch nicht verhehlen, dass ernüchternde konjunkturelle Nachrichten die Stimmung trübten.

US-Finanzminister Henry Paulson hatte mit der Ankündigung, das 700 Milliarden Dollar schwere Rettungspaket für die Finanzmärkte neu ausrichten zu wollen, die insgesamt negative Entwicklung an den Weltbörsen ausgelöst: Die Regierung wolle die Märkte für die Kreditvergabe unterstützen, die dringend auf Hilfe angewiesen seien, sagte Paulson am Mittwoch in Washington. Dagegen solle der Plan aufgegeben werden, faule Kredite aufzukaufen. "Der Markt, der für Kredite und Wachstum von entscheidender Bedeutung ist, ist praktisch zum Erliegen gekommen", sagte Paulson. Die Regierung habe beschlossen, dass der Einsatz von Milliarden Dollar zum Aufkauf fauler Kredite von Finanzinstitutionen derzeit "nicht der effektivste Weg" sei, den Rettungsplan umzusetzen. Dieses Vorhaben hatte bisher im Mittelpunkt des Plans gestanden.

Der Minister erklärte, das Geld solle stattdessen auch eingesetzt werden, um Zwangsversteigerungen von Wohnimmobilien zu verhindern. Die US-Regierung hat für den Kauf von Bank-Aktien bereits 250 Milliarden Dollar zugesagt. So sollen die Finanzinstitute die notwendigen Mittel erhalten, um wieder eine normale Kreditvergabe aufnehmen zu können. Weitere 40 Milliarden Dollar sollen an den strauchelnden Versicherungsriesen AIG fließen. Damit bleiben 60 Milliarden der bisher vom Kongress genehmigten 350 Milliarden Dollar übrig, um faule Kredite aufzukaufen und Immobilienbesitzer zu unterstützen.

Vorsichtig äußerte sich Paulson zum Vorhaben der Demokraten, auch die Autoindustrie an dem Rettungspaket zu beteiligen. Die Autoindustrie sei von großer Bedeutung für die amerikanische Wirtschaft, erklärte der Minister. Der Rettungsplan sei jedoch nicht entworfen worden, um die Autokonzerne zu unterstützen. Der Kongress könne jedoch versuchen, den Zugang der Konzerne zu einem 25 Milliarden Dollar schweren Programm vom September zu erleichtern, mit dem die Entwicklung verbrauchsarmer Fahrzeuge unterstützt werden soll.

AP/Reuters/dpa AP Reuters

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