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Kolumne "Was die Welt bewegt": Obamas Mann für Berlin

Nun steht es heute auch in der "Washington Post", was seit Wochen in der Gerüchteküche waberte: Philip Murphy, 52, soll offenbar neuer Botschafter der USA in Berlin werden. Der Ex-Goldman-Manager und Finanzchef der US-Demokraten könnte endlich die Reihe der "stummen" Diplomaten in Berlin ablösen - großzügen Parteispenden sei Dank.

Von Katja Gloger

Philip ... wer? Noch ist es nicht hundertprozentig sicher, dass Philip Murphy neuer US-Botschafter in Berlin wird. Aber sollte Präsident Barack Obama ihn tatsächlich ernennen, könnte der Mann sich als Glücksfall für die deutsch-amerikanischen Beziehungen erweisen. Denn mit ihm wird eine seltene Kombination in die Botschaft am Pariser Platz einziehen: Zum einen verkörpert Philip Murphy Kapitalismus pur. 23 Jahre lang arbeitete Murphy in leitender Position bei der Investment Bank Goldman Sachs, er ist einer von der "Goldman-Mafia", so wie die einstigen Finanzminister Robert Rubin und Henry Paulson. Der studierte Betriebswirtschaftler mit Abschlüssen an den Elite-Universitäten Harvard und Wharton leitete fünf Jahre lang das Deutschland-Geschäft von Goldman.

Der Mann kennt sich also aus in Deutschland. Er ist gut vernetzt, gehört zum internationalen Lenkungsausschuss der Atlantik-Brücke. Und er spricht deutsch. In den vergangenen acht Jahren litten Diplomaten und Journalisten und Politiker unter nahezu sprachlosen US-Botschaftern. Erinnert sich noch jemand an Daniel Coats? Der bat jeden Morgen zur Bibelstunde.

Schluss mit stummen Diplomaten

Erinnert sich noch jemand an William Robert Timken? Der Industrielle und Großspender Bushs pflegte transatlantische Beziehungen auf seine Weise: So ließ er den amerikanischen Adler, das Wappentier, gleich zweimal aus Meissner Porzellan anfertigen. Ein Exemplar steht in der Eingangshalle der US-Botschaft. Den zweiten nahm er mit zurück nach Ohio. Die Diplomaten-Show schmiss unterdes jemand anders: der Russe Wladimir Kotenew mit den legendären Wodka-Parties in seiner goldbelegt-stalinistischen Botschaft Unter den Linden.

Jetzt könnte der Russe ernsthafte Konkurrenz bekommen. Murphy gilt als begnadeter Kommunikator, ein Mann, der sich mal eben die ganze Welt zum Freund machen kann. "Outgoing" heißt das in Amerika, strahlend, sportlich, braungebrannt, fester Händedruck. Smart, interessiert. Und außerdem sitzt er im Vorstand des US-Fussballverbandes.

Diplomatenposten als Belohnung

Vor allem aber ist Philip Murphy ein Muster-Demokrat. 1996 verliess er Goldman Sachs, offenbar hatte er genug Geld verdient. 2006 wurde er zum Vorsitzenden des Finanzausschusses der Demokratischen Partei gewählt, den er drei Jahre lang leitete. Er verpasste der Partei eine Strukturreform, machte sie im traditionell konservativen Süden stark. Vor allem aber schaffte er Geld ran, Millionen-Spenden der "Fat Cats" für den Wahlkampf, für Hillary und Obama. Und das tat er offenbar so erfolgreich, dass er in die engere Wahl zum Botschafter kam. Er selbst spendete in den vergangenen zehn Jahren knapp eine Million Dollar für die Demokratische Partei. So viel Engagement will belohnt werden.

Murphy kann hervorragend mit Außenministerin Hillary (die an der Personalie maßgeblich beteiligt gewesen sein soll) und mit deren Gatten Bill, er kann auch gut mit Barack Obama. Ursprünglich einer der "Freunde Hillarys", war er einer der letzten Super-Delegierten, die sich im Vorwahlkampf auf Obamas Seite schlugen. Schon seine Weihnachtskarte, die er an Tausende seiner besten Freunde in aller Welt verschickte, zeigte, wunderbar politisch korrekt, eine glückliche Familie: Gattin Tammy, vier quietschgesunde Kinder, drei Jungs, ein Mädchen. Und wer spielt mit ihnen? Barack Obama.