FINANZSPRITZE 400-Millionen von Bund und Land retten Mobilcom


Die drohende Insolvenz des Mobilfunk- Anbieters MobilCom ist mit einer Finanzspritze des Staates von bis zu 400 Millionen Euro abgewendet worden.

Die drohende Insolvenz des Mobilfunk- Anbieters MobilCom ist mit einer Finanzspritze des Staates von bis zu 400 Millionen Euro abgewendet worden. Eine erste Rate der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) von 50 Millionen Euro werde bereits am Montag zur Verfügung gestellt, sagte Bundeswirtschaftsminister Werner Müller nach einer mehrstündigen Krisensitzung am Sonntagabend in Berlin. Der größte Teil der rund 5500 Arbeitsplätze scheint damit gesichert.

320 Millionen vom Bund

Zugleich betonte der Minister ausdrücklich die Finanzierungsverpflichtungen des französischen Telekom-Konzerns France Télécom, der MobilCom vergangene Woche mit seinem Rückzug vor das Aus gestellt hatte. Die KfW werde insgesamt bis zu 320 Millionen Euro bereitstellen. Weitere Hilfen kämen von der Landesbank Schleswig-Holsten, sagte Müller.

Schmid-Aktien an Treuhandfonds

MobilCom sei ein im Kern gesundes Unternehmen mit einem Liquiditätsengpass, sagte Müller zur Begründung für die Hilfen. Deshalb sei eine Insolvenz nicht zu verantworten gewesen. Der umstrittene MobilCom-Mehrheitsaktionär Gerhard Schmid will als weiteren Teil der Lösung seine Aktien an einen Treuhandfonds übergeben. Firmengründer Schmid ist eine Reizfigur für die Franzosen, die als Hauptschuldigen für die Krise bei MobilCom bezeichnen.

MobilCom-Vorstandschef Thorsten Grenz sagte, man sei an einer einvernehmlichen Lösung mit den Franzosen interessiert,. Er halte aber die eigene Rechtsposition »für stark«.

Mit UMTS in die Zukunft

Mit der Finanzspritze solle der Liquiditätsengpass überwunden und eine Restrukturierung auf den Weg gebracht werden, sagte Müller. An der UMTS-Zukunft werde festgehalten. Die Kredite für den Erwerb der acht Milliarden Euro teuren Lizenz des Multimedia-Standards UMTS und den Netzaufbau gelten als Hauptursache für die finanziellen Probleme bei MobilCom.

An dem Krisengespräch bei Müller nahmen neben Schmid und Grenz Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Rohwer sowie Vertreter des Kanzleramtes und des Finanz- und Justizministeriums teil.

Jetzt wird geklagt

Die France Télécom gibt von MobilCom angedrohten Klagen wenig Chancen. »Wir sind juristisch in einer sehr soliden Position«, bekräftigte France-Télécom-Vorstand Jean-François Pontal laut der französischen Zeitung »Le Figaro« vom Samstag. MobilCom hatte erklärt, es würden Klagen auf Schadenersatz geprüft. Schmid wirft den Franzosen Vertragsbruch vor und kündigte bereits eine Milliardenklage gegen den französischen Konzern an, der an MobilCom 28,5 Prozent hält.


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