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Griechenland vor Euro-Sondergipfel Wirtschaftsweise raten zu Schuldenerlass


Vor dem Sondergipfel zur Eurokrise haben die Wirtschaftsweisen ein Ende des "Prinzips Hoffnung" gefordert. Griechenland müsse die Hälfte der Schulden erlassen werden.

Kurz vor dem Eurogipfel zur Schuldenkrise am Donnerstag haben die fünf deutschen Wirtschaftsweisen einen Schuldenschnitt für Griechenland in Höhe von 50 Prozent gefordert. Bei einem derartigen Schritt würde der Schuldenstand auf 106 von derzeit 160 Prozent des Bruttoinlandsproduktes sinken, erläuterten die Mitglieder des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in einem gemeinsamen Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Um die Stabilität des Umschuldungsprozesses zu gewährleisten, solle der Schuldenschnitt mit einem Tauschangebot kombiniert werden: Banken könnten griechische Anleihen in Papiere des Euro-Rettungsfonds EFSF tauschen, führten die Wirtschaftsweisen demnach aus. Der Zeitung zufolge verlangen sie zudem von der Bundesregierung einen Alternativplan zur Lösung der europäischen Schuldenkrise. Nach Ansicht der Sachverständigen reiche es nicht aus, darauf zu hoffen, dass Griechenland, Irland und Portugal in absehbarer Zeit die von der Gemeinschaft erhaltenen Finanzhilfen zurückzahlen werden. Die Wirtschaftsweisen warnen in ihrem Beitrag zudem vor den Gefahren einer uneingeschränkten gemeinsamen Haftung im Euro-Raum für Staatsschulden sowie eines Auseinanderbrechens der Währungsunion.

Beteiligung Privater weiter ungeklärt

Die Staats- und Regierungschefs der Eurozone treffen sich am Donnerstag, um über die Schuldenkrise zu beraten. Noch immer ist nicht geklärt, wie private Gläubiger wie Banken oder Fonds an Hilfen für Griechenland beteiligt werden sollen, ohne dass die Ratingagenturen einen Zahlungsausfall feststellen. Im Gespräch ist unter anderem eine Bankensteuer. Wie aus EU-Diplomatenkreisen verlautet, wächst die Unterstützung für eine solche Lösung angeblich. Damit solle vermieden werden, dass Ratingagenturen einen kompletten oder teilweisen Zahlungsausfall Griechenlands ausrufen. Allerdings gilt solch ein Modell nicht als kurzfristig umsetzbar.

Um den Gipfel vorzubereiten, treffen sich an diesem Mittwoch Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy. Bei einem Abendessen wollen die beiden Regierungschefs eine gemeinsame Strategie besprechen und am Donnerstag zusammen nach Brüssel reisen. Vor dem Gipfel jagen sich zudem Telefonkonferenzen und Beratungen. Merkel telefonierte auch mit US-Präsident Barack Obama, um eine mögliche Lösung der Euro-Krise zu besprechen.

Merkels kalte Dusch für die Märkte

Von dem Krisengipfel werden Beschlüsse zu einem zweiten Hilfspaket für das pleitebedrohte Athen erhofft, aber auch eindeutige Signale zur Lösung der eskalierenden Euro-Schuldenkrise. Merkel hatte zuvor betont, dass das Problem kaum durch einen "spektakulären Schritt" zu lösen sei. Es bedürfe vielmehr eines "kontrollierten und beherrschbaren Prozesses", sagte Merkel bei der Pressekonferenz mit dem russischen Präsidenten Dmitri Medwedew am Dienstag in Hannover. Vom Euro-Gipfel sei kein "abschließender großer Schritt" zu erwarten.

An den Märkten wirkten die Äußerungen Merkels wie eine kalte Dusche; heftige Kursreaktionen blieben aber aus. Der Internationale Währungsfonds (IWF) forderte die Euro-Staaten in der Schuldenkrise erneut zu einem stärkeren Zusammenhalt auf. Sonst bestünde Gefahr, dass die Defizitprobleme von Ländern wie Griechenland in einem großen Maße mit schweren Folgen auf die Gemeinschaft überschwappten.

dho/Reuters/AFP Reuters

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