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Mögliche Griechenland-Pleite Berlin lässt Bankenrettung durchrechnen


Brauchen die deutschen Banken bald wieder frisches Geld? Die Bundesregierung lässt die Folgen einer Griechenlandpleite durchspielen. Deutsche Institute könnten in Bedrängnis kommen.
Von C. Kade, P. Ehrlich und A. Kühnlenz

In der Griechenland-Krise stellt sich die Bundesregierung inzwischen auch auf die Möglichkeit einer groß angelegten Bankenrettung ein. "Wenn Internationaler Währungsfonds, Europäische Zentralbank und EU die nächste Hilfstranche für Griechenland nicht freigeben, brauchen viele Großbanken sofort Geld", hieß es in der Spitze der schwarz-gelben Koalition.

Nach einer Insolvenz des Landes drohe eine Ansteckung anderer Staaten wie Italien. Ein starker Kursverfall bei deren Staatsanleihen würde auch deutsche Banken in Bedrängnis bringen, es könnten Milliardenabschreibungen nötig werden. "Das müssen wir dann mit dem umgebauten Rettungsfonds EFSF auffangen."

In Regierungskreisen hieß es, daher sei es "extrem wichtig", dass der Rettungsfonds rechtzeitig seine erweiterten Möglichkeiten erhalte. Die EFSF soll künftig auch bei der Unterstützung strauchelnder Banken helfen können. Dies müssen aber noch die Parlamente absegnen.

Troika startet Prüfung Anfang nächster Woche

In Deutschland steht das Bundestagsvotum am 29. September an. Probleme gibt es mit politischen Widerständen in der Slowakei und seit Mittwoch auch in Österreich. Die Neuregelung kann aber auch in Kraft treten, wenn die Parlamente beider Staaten noch nicht zugestimmt haben. Nötig ist die Zustimmung der Länder, die für 90 Prozent der Garantien des Rettungsfonds haften.

Die sogenannte Troika aus IWF, EZB und EU richtet ihren Zeitplan bereits so aus, dass eine Bankenrettung möglich wäre. Sie wird frühestens Anfang kommender Woche damit beginnen, die jüngsten Sparbemühungen in Griechenland zu überprüfen. Ihr Votum über die Freigabe der anstehenden 8-Milliarden-Euro-Tranche wird sie nach Angaben von Währungskommissar Olli Rehn erst Ende September abgeben. Bis dahin soll die EFSF ihre neuen Befugnisse erhalten haben.

Die Überlegungen in Berlin und der Zeitplan der Troika zeigen, wie offen inzwischen eine mögliche Insolvenz des Landes mit Verbleib in der Euro-Zone ins Spiel gebracht wird. Nun setzen die Beteiligten offenbar alles daran, das Risiko für den Bankensektor einzudämmen. Auch den griechischen Instituten könne im Fall der Staatspleite geholfen werden, hieß es.

Telefonkonferenz mit Papandreou

In mehreren EU-Regierungen hieß es, das vorrangige Ziel sei weiterhin, sich mit Griechenland zu einigen und keinen Zahlungsausfall zu riskieren, wie er ab Mitte Oktober drohen könnte. Nötig sei aber ein weiterer Sparbeitrag der Griechen.

Die griechische Regierung hatte am Wochenende bereits die kurzfristige Einführung einer Wohnraumsteuer beschlossen. Dies reicht der Troika aber noch nicht. Dienstagabend machten Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy in einer Telefonkonferenz mit dem griechischen Premier Giorgos Papandreou Druck. Ein Regierungssprecher in Athen sagte nach dem Gespräch, das Land werde allen Verpflichtungen nachkommen. Merkel und Sarkozy erklärten, die Zukunft der Griechen sei in der Euro-Zone.

Laut Bundesbank hielten deutsche Banken Ende Juni nur noch 8,6 Milliarden Euro an griechischen Bonds. Das waren 4,8 Milliarden Euro weniger als Ende April 2010 und 2,4 Milliarden Euro weniger als Ende vergangenen Jahres. Grund sind Verkäufe und dass Athen auslaufende Anleihen zurückgezahlt hat.

FTD

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