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Münchener Flughafenanbindung: Lieber S-Bahn als Transrapid

Während sich die Untersuchung des Transrapid-Unfalls verzögert, wird die Kritik an der Magnetschwebebahn lauter. Münchens Oberbürgermeister etwa würde lieber eine S-Bahn zwischen Flughafen und Hauptbahnhof verkehren sehen.

Offenbar wird sich die genaue Klärung des Transrapid-Unfalls von Lathen noch hinziehen, denn allein die Rekonstruktion des genauen Unfallhergangs werde nach Angaben der Staatsanwaltschaft Osnabrück noch dauern. Die Mitschnitte des Funkverkehrs könnten aus technischen Gründen noch nicht vollständig ausgewertet werden. Es müsse das Risiko ausgeschaltet werden, dass Teile der Aufzeichnungen auf Spezial-Tonbändern beim Abhören zerstört würden, heißt es.

Wenige Tage nach dem Unglück, bei dem 23 Menschen ums Leben gekommen sind, wird über die Sicherheitskonzepte der Testanlage und der Münchener Strecke diskutiert. Teilweise kommt es dabei zu heftiger Kritik an der emsländischen Transrapid-Teststrecke. So bezeichnete der Gießener Verkehrswissenschaftler Professor Gerd Aberle das Konzept als "antiquiert".

Diese "Nachlässigkeit" könne für das gesamte Verkehrssystem Transrapid tödlich sein. Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler führten falsche Anweisungen der Zug-Leitstelle zu der Katastrophe. Konkrete Hinweise auf technische Ursachen des Unglücks gebe es bislang nicht.

Auch für Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD), dessen Stadt eine Transrapidtrasse von Flughafen zum Hauptbahnhof plant, sind die Sicherheitsprobleme noch längst nicht gelöst. Besonders die Streckenführung in einem drei Kilometer langen Tunnel werfe viele Fragen auf, sagte Ude der "Frankfurter Rundschau". "Wir haben hier nach den Rettungsmöglichkeiten, nach dem Bergungskonzept gefragt, aber keine befriedigenden Antworten bekommen."

Als Alternative zum Transrapid schlägt Ude eine Express-S-Bahn vor. Diese koste weniger als 500 Millionen Euro, während die Schwebebahn auf 1,85 Milliarden veranschlagt wird. Zudem verbessere die Express-S-Bahn die Verkehrssituation der Region deutlich mehr. Politiker von CDU und CSU sind gegen einen Verzicht auf die geplante Transrapid-Trasse in München.

"Chinesen könnten sagen, dass sie aussteigen"

Auch ein völliges Aus für die Magnetschwebebahn wird mittlerweile nicht mehr ausgeschlossen: "Für die Chinesen könnte der Unfall im Emsland einen Vorwand liefern zu sagen, wir steigen aus und bauen das mit unserer eigenen Technologie", sagte ein Bankenanalyst der Nachrichtenagentur Reuters, der namentlich nicht genannt werden wollte.

Die Diskussion um den Transrapid ist so alt wie die Technik selbst, aber erst wenige Tage vor der Katastrophe im Emsland hatte einer der Betreiberfirmen, ThyssenKrupp, mit dem Verkauf der Technologie nach China gedroht, sollte es binnen 18 Monaten keine endgültige Entscheidung über den Bau der Strecke in München geben. "Wir haben zu entscheiden, ob wir in Deutschland die Bücher für diese Technologie zumachen", hatte Konzernvorstand Olaf Berlien gesagt.

"Das Geschäft ist ein Verlustbringer"

Eine Trennung vom Prestigeobjekt Transrapid wäre für ThyssenKrupp und Siemens nach Einschätzung von Experten finanziell leicht zu verschmerzen. "Das Geschäft ist ein Verlustbringer. Es spielt weder bei ThyssenKrupp noch bei Siemens eine große Rolle", sagte Heino Ruland vom Brokerhaus Steubing. "Die Entwicklungskosten sind längst alle abgeschrieben."

Betriebswirtschaftlich wäre der Transrapid nur interessant gewesen, wenn sich die Technik in größeren Stückzahlen verkauft hätte, sagt Analyst Manfred Bucher von der BayernLB. Er verweist darauf, dass zwischendurch ein Verkauf in die USA geplant gewesen sei, der aber scheiterte. In Deutschland wurden ein ums andere Mal Streckenpläne zu den Akten gelegt, die Hoffnungen ruhen nun auf dem Bau einer Trasse in Bayern.

Reuters/DPA/AP / AP / DPA / Reuters