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VW-Skandal: Die Protagonisten der Affäre

Zweieinhalb Jahre nach Bekanntwerden der VW-Affäre beginnt am Donnerstag der Prozess gegen Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert und Ex-VW-Manager Klaus-Joachim Gebauer. Hier lesen Sie, was ihnen und weiteren Schlüsselfiguren vorgeworfen wird.

Der Prozess, der am Donnerstag in Braunschweig beginnt, ist bereits das dritte Verfahren in der VW-Affäre und eine Art neuer Showdown nach dem Verfahren gegen Arbeitsdirektor Peter Hartz zu Jahresbeginn. Denn Volkert und Gebauer gelten als Keimzellen für das ausgetüftelte System der Begünstigungen, dass sich bei VW seit Mitte der 90er Jahre entwickelt hatte.

Der Kreis weiterer Verdächtiger reicht vom Ex-Bundestagsabgeordneten bis zur Ex-Geliebten. Ein Überblick:

Klaus Volkert

Im Fall von Ex-Betriebsratschef ermitteln die Behörden wegen Anstiftung zur Untreue. Es besteht ein dringender Tatverdacht in mehr als 30 Fällen. Der frühere VW-Betriebsratschef saß wegen Verdunkelungsgefahr zeitweise in Untersuchungshaft, weil er versucht haben soll, Klaus-Joachim Gebauer zu einer Falschaussage zu drängen. Der Schaden, den Volkert bei Volkswagen durch Anstiftung zur Untreue verursacht haben soll, summiert sich in der Anklage auf knapp 2,7 Millionen Euro. Volkert soll demnach Hartz zu fast 2 Mio. Euro unrechtmäßiger Sonderbonuszahlungen angestiftet haben. Volkert drohen bis zu fünf Jahre Haft.

Klaus-Joachim Gebauer

Dem früheren Ex-Personalmanager Gebauer werden in seiner Funktion als Bindeglied zwischen Betriebsrat und Management Untreue und Betrug vorgeworfen. Gebauer hatte erklärt, er habe für Betriebsräte auf VW-Kosten Besuche in Nobelhotels und in Nachtclubs organisiert. Außerdem soll Gebauer an Tarnfirmen im Ausland beteiligt gewesen sein, um sich auf VW-Kosten zu bereichern. Er zeigte sich frühzeitig geständig und will nach Angaben seines Verteidigers umfassend aussagen. Die ersten beiden Prozesstage sind daher für die Verlesung der Anklageschrift und die Aussagen der Angeklagten reserviert.

Peter Hartz

Die Braunschweiger Wirtschaftsstrafkammer, vor der sich nun Gebauer und Volkert verantworten müssen, verhängte im Januar eine zweijährige Bewährungsstrafe und 576.000 Euro Geldstrafe gegen den früheren VW-Personalvorstand. Hartz hatte in einem nur zweitägigen Prozess gegen Zusicherung der Bewährung ein Geständnis abgelegt. Er bestätigte, Volkert gegen Sonderboni von fast 2 Mio. Euro "gekauft" zu haben.

Hartz' Deal mit der Justiz war umstritten. Nach seinem Geständnis hatte die Staatsanwaltschaft darauf verzichtet, weitere Zeugen oder Sachverständige zu laden. Auch Prostituierte sollen nicht aussagen. Verdachtsmomente etwa um eine für Callgirl-Besuche genutzte und von VW bezahlte Wohnung und andere Vorwürfe aus diesem Komplex seien "aus Gründen der Prozessökonomie" fallen gelassen worden, hatten die Behörden berichtet.

Helmuth Schuster

Der ehemalige Personalchef von Skoda soll zusammen mit Gebauer Tarnfirmen aufgebaut haben, um sich auf Konzernkosten zu bereichern. Die Behörden ermitteln derzeit noch wegen Untreue und Betrugs. Medienberichte, Schuster habe mittels Tarnfirmen VW-Gelder beiseite geschafft, hatten im Juli 2005 die VW-Affäre ausgelöst.

Hans-Jürgen Uhl

Der Ex-SPD-Bundestagsabgeordnete wurde im Juni 2007 vom Amtsgericht Wolfsburg zu einer Geldstrafe von 39.200 Euro verurteilt. Er hatte als VW-Betriebsrat Dienste von Prostituierten in Anspruch genommen. Im Streit mit Medien hatte Uhl dies mehrfach unter Eid abgestritten. Kurz vor dem Urteil trat Uhl aus der SPD aus, um einem Parteiausschluss zuvor zu kommen.

Günter Lenz

Der frühere Betriebsratschef des VW-Nutzfahrzeugewerkes in Hannover und SPD-Abgeordnete im niedersächsischen Landtag wurde vom Amtsgericht Wolfsburg im August 2007 zu einer Geldstrafe von 11.250 Euro verurteilt. Ebenso wie Uhl hatte Lenz auf VW-Kosten die Dienste von Prostituierten in Anspruch genommen. Er war zuvor von allen seinen Ämtern zurückgetreten.

Bernd Sudholt

Dem ehemaligen zweiten Vorsitzenden des VW-Betriebsrates und späteren Geschäftsführer des Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg wird Beihilfe zur Untreue in vier Fällen vorgeworfen. Der 61-Jährige soll in den Jahren 2001 bis 2003 bei Reisen vier Mal auf Kosten von VW Leistungen von Prostituierten in Anspruch genommen haben.

Adriana Barros

Die frühere brasilianische Geliebte von Volkert hat nach Erkenntnissen der Ermittler auf Volkerts Wunsch und Hartz' Anweisung in den Jahren 2000 bis 2004 knapp 400.000 Euro erhalten. Ein angeblich mündlich geschlossener Agenturvertrag mit Barros sei vorgespiegelt gewesen, um die nur aus der persönlichen Bindung zu Volkert erklärbaren Geldflüsse mit dem Schein der Legalität zu versehen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Beihilfe zur Untreue.

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