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VW vs. Porsche: Schwere Geschütze im Machtkampf

Offiziell machen VW und Porsche auf gut Wetter. Doch der Kampf um die Macht bei Europas größtem Autobauer gerät mehr und mehr zur Schlammschlacht. Zuletzt goss Wolfgang Porsche mit einem Interview nach Gutsherrenart Öl ins Feuer und bei VW-Chef Martin Winterkorn riss offenbar der Geduldsfaden.

Der einst so begeistert gefeierte Einstieg von Porsche bei Europas größtem Autobauer Volkswagen gerät mehr und mehr zur Schlammschlacht. Der Kampf um die Macht ist inzwischen soweit eskaliert, dass kaum noch jemand eine Prognose über den Ausgang des Dramas wagt. Es geht um die Kontrolle in einem künftigen Porsche-VW-Konzern, um die Mitbestimmung und um das VW-Gesetz. Die Fronten sind verhärtet. Vor allem Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hat sich mit allen angelegt. Und der Aufsichtsratschef des VW-Großaktionärs, Wolfgang Porsche, goss zuletzt noch kräftig Öl ins Feuer.

VW-Chef Martin Winterkorn, der sich lange zurückgehalten hatte, zeigte sich am Wochenende nun offen verärgert. Der Boss des größten deutschen Industrieunternehmens habe sogar indirekt mit Rücktritt gedroht, schreibt das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". VW-Konzernsprecher Andreas Meurer kommentiert dies allerdings nur mit dem Satz: "Prof. Dr. Winterkorn wird den Konzern weiter erfolgreich führen." Dass aber die jüngsten Äußerungen aus Stuttgart auch bei Winterkorn den Geduldsfaden haben reißen lassen, war an seiner Reaktion darauf deutlich erkennbar.

Nach Gutsherrenart hatte Porsche in einem Interview des "Manager-Magazins" die Geschäftsstrategie und insbesondere den Vertrieb bei VW abgekanzelt. Und die Arbeiter sollten statt zu demonstrieren und um die Mitbestimmung zu streiten "einfach an ihre Bänder gehen und arbeiten". Seine Hauptaufgabe sehe er in der Deeskalation, sagte Porsche - und tat genau das Gegenteil. Das brachte Winterkorn nun doch auf den Plan: "Wir schicken unsere Mitarbeiter nicht nur ans Band, sondern behandeln sie mit größter Wertschätzung, denn gutes Geld verdienen und soziale Verantwortung sind und bleiben Volkswagen- Tugenden", ließ er in der "Süddeutschen Zeitung" wissen.

Der Streit konzentriert sich vor allem auf die beteiligten Personen - Wolfgang Porsche, Wendelin Wiedeking, VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh, Martin Winterkorn und Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU). Alle beteuern, sie legten es keineswegs darauf an, ihn zu schüren, sondern wollten eine Lösung finden für die gemeinsame Zukunft. Und doch wird die Auseinandersetzung mit jeder Äußerung schärfer. Ein Kompromiss ist ohne Vermittlung von außen nur schwer vorstellbar - und eine künftige vertrauensvolle Zusammenarbeit auch.

Experte: Porsche gefährdet Wolfsburger Erfolg

Es geht ja nicht nur um Worte, sagt der Autoexperte der Nord/LB, Frank Schwope. Mit der Einmischung von Porsche in die VW-Geschäftspolitik gefährdeten die Stuttgarter auch den Erfolg der Wolfsburger Autobauer, die im Vergleich zu ihren Konkurrenten derzeit hervorragend dastünden - viel besser als Wiedeking und Porsche es immer beschrieben. "Winterkorn ist für das operative Geschäft verantwortlich und muss sich um die Märkte kümmern - stattdessen muss er nun Angreifer aus den eigenen Reihen abwehren", moniert Schwope. Dabei brauche Porsche VW viel mehr als umgekehrt.

Schwope hält auch die Kritik für nicht begründet, dass sich die VW-Konzernmarken untereinander zu viel Konkurrenz machten und Audi-Modelle bisherige Porsche-Käufer abwerben könnten - vor allem beim Sportwagen R8 und dem Geländewagen Q7. Er sehe vielmehr die Gefahr, dass Porsche die Erfolgsgeschichte von Audi untergraben könnte, sagte Schwope. "In den nächsten Monaten wird es bei VW keine Ruhe geben", meint er. Dazu gebe es dort zu viele Baustellen.

Mit Blick auf das von Porsche heftig bekämpfte VW-Gesetz hatte der Vorsitzende der VW-Führungskräfte-Vereinigung, Wolfgang Ritmeier, schon im Frühjahr in einem Leserbrief der Wochenzeitung "Die Zeit" festgestellt: Es gehe um die Frage, ob Vertrauen erwartet oder Vertrauen gewährt werde. VW-Betriebsratschef Osterloh sieht jedenfalls in den jüngsten Äußerungen aus Stuttgart keine vertrauensbildende Maßnahme. Und bedauert, "dass Porsche das Klima in den vergangenen Monaten so vergiftet hat."

Eva Tasche/DPA / DPA