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Früchte für Deutschland Studie prangert Menschenrechtsverletzungen auf Orangen-Farmen in Südafrika an

Studie offenbart Zustände auf Zitrus- und Orangenfarmen in Südafrika.
47,5 Tonnen Orangen produziert ein Landarbeiter durchschnittlich pro Jahr. Die Studie "Bittere Orangen" offenbart nun die Hintergründe des Zitrus-Anbaus in Südafrika.
© wundervisuals / Getty Images
Fehlender Zugang zu Trinkwasser oder akute Pestizidvergiftungen – eine Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung prangert Menschenrechtsverletzungen beim Anbau von Zitrusfrüchten für den deutschen Markt an.

Orangen, Mandarinen und Zitronen wandern beim Gang durch den Supermarkt bei zahlreichen Verbrauchern regelmäßig in den Einkaufskorb. Die Deutschen lieben Zitrusfrüchte jeglicher Art. Ganz vorne mit dabei: Die Orange. Im Jahr 2020 wurden Orangen im Wert von insgesamt rund 443,25 Millionen Euro nach Deutschland importiert.

80.398 Tonnen Zitrusfrüchte wurden im Jahr 2020 aus Südafrika nach Deutschland importiert

Vor allem zwischen den Monaten Juni und Oktober kommen die beliebten Zitrusfrüchte aus Südafrika. Mit einem Exportvolumen von 80.400 Tonnen im Jahr 2020 ist Südafrika nach Spanien der zweitwichtigste Lieferant von Zitrusfrüchten für den deutschen Markt.

Manch ein Verbraucher mag hierbei vielleicht an idyllische Orangenplantagen denken, auf denen schöne Orangenbäume ordentlich in Reihe stehen, während die Früchte mit der Sonne um die Wette strahlen. Doch eine deutsch-südafrikanische Studie trübt dieses Bild.

Fehlender Zugang zu Trinkwasser und akute Pestizidvergiftungen

In der Studie "Bittere Orangen" der Rosa-Luxemburg-Stiftung und der südafrikanischen Organisation Khanyisa werden die Schattenseiten des Zitrus-Anbaus in der Provinz Ostkap in Südafrika ausgeleuchtet und den Verantwortlichen von Autorenseite Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Fehlender Zugang zu Trinkwasser, akute Pestizidvergiftungen, die Schikane von Gewerkschaftsvertretern und nicht ausgestellte Arbeitsverträge sind Beispiele dafür, wie es tagtäglich auf den Plantagen zugehen soll. Auf drei der fünf untersuchten Farmen berichten die Arbeiter laut Studie von Einschüchterungen und der aktiven Bekämpfung der gewerkschaftlichen Organisierung. Auf einer der Farmen wurde der Gewerkschaftsvertreter unter den Beschäftigten den Angaben zufolge grundlos entlassen.

Eine der fünf überprüften Zitrusfarmen sei sogar mit einem elektrisch geladenen Tor verschlossen, heißt es – die Arbeiter können demnach das Gelände nicht selbstständig verlassen. Die Farmen produzieren für Packhäuser, die wiederum deutsche Supermarktkonzerne beliefern.

Ungleiche Verteilung der Marktmacht innerhalb der Lieferkette

Die Marktmacht sei innerhalb der Lieferkette extrem ungleich verteilt. Das zeige sich unter anderem in problematischen Handelspraktiken der Supermarktkonzerne, welche die Zulieferer stetig unter Druck setzen würden. Ware werde kurzfristig geordert, oft nur auf Kommission gekauft, Preise stetig nachverhandelt, oft keine schriftlichen Verträge geschlossen. 

1,99 Euro kostet ein Kilo Orangen in Deutschland. Festangestellte Arbeiter bekommen mit 0,06 Euro einen Anteil von drei Prozent. Saisonarbeiter erhalten einen weit geringeren Anteil.

Auch die Preismargen entlang der Lieferkette weisen demnach eine ungleiche Verteilung auf: Ein Kilogramm Orangen kostet im Supermarkt in Deutschland etwa zwei Euro. Ganze 60 Cent verbleiben dabei auf der Ebene des deutschen Einzelhandels, während die Bruttomarge des südafrikanischen Produzenten mit 45 Cent bei weniger als einem Viertel des Endpreises liegt. Fest angestellte, ganzjährig beschäftigte südafrikanische Landarbeiter bekommen den Autoren zufolge gerade einmal einen Anteil von sechs Cent der zwei Euro – Saisonarbeiter erhalten dazu einen weitaus geringeren Anteil.

Lieferkettengesetz auf dem Prüfstand

Die Studien-Ergebnisse könnten das neue Lieferkettengesetz dem Autor der Studie Benjamin Luig zufolge erstmals auf die Probe stellen.

Auf Basis des Lieferkettengesetzes sollen Unternehmen dazu verpflichtet werden, die Einhaltung grundlegender Arbeitsrechte in den Lieferketten durchzusetzen. Das umfasst vor allem einen angemessenen Arbeitsschutz, die Achtung der Koalitionsfreiheit der Arbeiter sowie den Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die Vorgabe schriftlicher Lieferverträge mit einer Fixierung des Preises im Vorhinein soll die Transparenz der Lieferketten und die Arbeitsbedingungen im Herkunftsland nachhaltig verbessern zu können.

Mittels Kontrollen von Unternehmensberichten, der Überprüfung von Beschwerden der Verordnung von Bußgeldern soll eine externe Behörde zudem die Einhaltung des Gesetzes überprüfen. 

Lisa Jaspers erklärt das Lieferkettengesetz

Sehen Sie im Video: Vor Beschluss des Lieferkettengesetzes kämpft Lisa Jaspers mit der Petition #fairbylaw für die Einführung des Gesetzes. Dem stern hat sie erklärt, was es mit dem umstrittenen Gesetz auf sich hat. 

Quellen: "rosalux"


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