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Warum wir endlich Dashcams brauchen

Raser, Drängler und Rotlichtsünder freuen sich. Der Staat verbannt Dashcams von deutschen Straßen. Damit dient er nicht dem Datenschutz, sondern schafft nur einen Schutzraum für Verkehrsrowdies. 

Ein Kommentar von Gernot Kramper

Dashcam im Auto

Dashcams sind Teufelszeug, sagt der Gesetzgeber. Bei anderen Kameras ist er nicht so streng

Der deutsche Gesetzgeber ist für Absurditäten gut, eine der wirrsten Entscheidungen ist das strikte Dashcam-Verbot auf deutschen Straßen. Das ist nicht nur ein Täter-Schutzgesetz, sondern vor allem vollkommen willkürlich.

Kurze Erinnerung: Eine Dashcam ist eine kleine Kamera ,die im Auto installiert wird, und den Weg nach vorn (häufig auch nach hinten) aufzeichnet. Die Aufnahmen werden in einer Endlosschleife auf einem internen Speicher gebannt. Ist er voll, werden die alten Aufnahmen gelöscht, damit Platz für neue geschaffen wird.

Absurde Begründungen für das Dashcam-Verbot

Das verstößt gegen den deutschen Datenschutz – sagt der Gesetzgeber. Bei Betrieb drohen empfindliche Strafen. Durchgesetzt wird das strikte Verbot allerdings nicht – Trucker aus dem Ausland werden in Deutschland jedenfalls nicht reihenweise von der Polizei rausgewunken.   

Das Problem mit den Kameras: Personen am Straßenrand werden ohne Einwilligung gefilmt. Im Prinzip könnte  man die Daten von der Endlosschleife auf eine Festpatte retten und irgendwie weiterverarbeiten. Bei der Kamera im Auto ist der Gesetzgeber extrem pingelig, sonst sieht man die Verletzung des Rechts am eigenen Bild keineswegs so streng. Die Benutzung einer Action-Cam wie der beliebten GoPro ist nämlich keineswegs verboten, obwohl auch am Surfstrand oder auf der Skipiste Unbeteiligte abgelichtet werden. Vollkommen absurd: So eine Helmkamera darf man als Rad- oder Motoradfahrer durchaus im Straßenverkehr benutzen.


Bei Polizisten wird der Einsatz von Body Cams erprobt. An Bedenken, dass auch hier ein Unbeteiligter im Hintergrund durch das Bild laufen könnte, wird das Projekt nicht scheitern. Die Staatskameras zur Verkehrsüberwachung scheren sich auch wenig um die Fotorechte von Fußgängern.

Gute und schlechte Kameras

Noch absurder wird es, wenn man sieht, welche Vehikel ständig Kameras benutzen. Ohne Beobachtungskamera könnte zum Beispiel keine Drohne abheben. Und selbst in Autos sind Kameras eingebaut. Ob Parkassistenten. Rückfahrtkamera, Autobahnassistent oder Notbremssysteme – immer wird die Straße mit einer Kamera abgefilmt. Die Daten werden zwischengespeichert und wieder gelöscht. Kein Problem für den Staat, denn die guten Kameras kommen ja direkt von BMW, Mercedes und Co.

Die verstiegene Begründung: Die Dashcam dient der Überwachung – also  verboten. Die anderen Kameras dienen der Fahrzeugnavigation (Abstandsassistent oder Drohne) oder der Freude am Sport (Action Cam) – also erlaubt. Das verstehe, wer will.

Wozu  brauchen wird Dashcams?

Das Datenmaterial aus den umstrittenen Kameras hilft, Unfälle aufzuklären. Sie werden wird nicht jede Zweifelsfrage lösen, aber häufig wird sich der Hergang  mit dem Bildmaterial schnell und eindeutig aufklären lassen – ganz ohne teure Gutachten. Was soll daran schlecht sein, dass sich Unfallverursacher und rücksichtslose Fahrer nicht mehr so leicht rausreden können und später ihre Kamikaze-Manöver in ein Versagen anderer umdeuten? Grundsätzlich werden Auto-Kameras den Verkehr disziplinieren. Sicherlich wird auch in Zukunft kaum jemand seinen Speicher abends auslesen, um andere Fahrer anzuzeigen. Aber Sportpiloten, die gern in der Kurve überholen, ihre Mitmenschen schneiden oder auf der Autobahn mit Lichthupe hinten anklopfen, müssen immer damit rechnen, dass ihr illegales Manöver inklusive Passbild und Zulassungsnummer beweiskräftig gebannt wurde.

Warten auf den St. Nimmerleinstag

Real schützt der Gesetzgeber mit dem Verbot keine Radfahrer und Passanten am Straßenrand, sondern exakt die Fahrer, die Radfahren und Fußgängern das Leben zur Hölle machen. Auch beim Verkehrsgerichtstag in Goslar wurden die Kameras diskutiert. Aber auch hier setzten sich die Bedenkenträger durch. Die Experte fordern, statt der Kamera, die man sofort einsetzen kann, den ganzen Wagen in eine Art Beobachtungscomputer umzubauen, damit Gutachter mit den Daten aus dem internen Speicher, besser Unfälle aufklären können. Eine absurde Idee, wegen der Lebensdauer der Autos würde es Jahrzehnte dauern, bis diese Wunderwagen in großen Stückzahlen auf der Straße wären. Und natürlich wäre diese Technik nicht für 200 Euro zu haben – eine Dashcam aber schon.

 PS: Um Missverständnisse zu vermeiden. Auch wenn der Betrieb von Dashcams erlaubt wäre, wäre es natürlich immer noch verboten, entsprechende Filmchen bei Youtube hochzuladen. 

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