Lautloses US-Erfolgsmodell

29. November 2012, 14:41 Uhr

Der VW Jetta kommt nun auch als Hybridfahrzeug auf den US-Markt. Er ist damit das leiseste Auto, das die Wolfsburger je in dieser Klasse angeboten haben.

Er ist das Erfolgsmodell in den USA. Noch vor dem Passat und weit vor dem Golf rangiert der Volkswagen Jetta auf Platz eins der VW-Verkaufscharts im fernen Westen. Da wundert es nicht, dass nun auch ein Hybridantrieb her muss. In den USA versuchen nun die Wolfsburger den Anfang. Für knapp 25.000 Dollar, sprich 19.400 Euro, in der absoluten Basisversion ohne viel Schnickschnack liegt er fast auf dem Preisniveau des in Kalifornien sehr beliebten Toyota Prius. In Deutschland dürften für einen anfänglich wahrscheinlich nur in einer wesentlich edleren Ausstattung erhältlichen Jetta Hybrid knapp 10.000 Euro mehr fällig werden. Die Schuld trägt die geringe Stückzahl.

Schade eigentlich, denn die Fahrt in dem bis zu 210 Kilometer pro Stunde schnellen Hybriden macht richtig Spaß. Vor allem, weil mit dem Vorurteil, dass Teilelektrisch zu fahren eher was für ältere Semester ist, völlig aufgeräumt wird. Und dass, ohne über Porsche oder BMW ähnliche PS-Zahlen zu verfügen. Allerdings weist der mit einem 110 kW / 150 PS starken TSI-Turbobenziner und einem kleinen E-Motor mit 20 kW / 27 PS ausgestatte Jetta auch nicht gerade wenig Leistung auf. Bei Bedarf, also einem ordentlichen Gasfußeinsatz gehorchen dem Fahrer sogar 125 kW / 170 PS.

Im Stadtverkehr wird natürlich weniger die sogenannte Boostfunktion abgerufen, sondern vielmehr der reine Elektroantrieb bevorzugt. Auf Geheiß des Piloten in Form eines einfachen Knopfdrucks wird der Elektromotor sogar zu 100 Prozent zur Arbeit verdammt. Soll heißen, im E-Mode können rund zwei Kilometer bis Tempo 70 lautlos zurückgelegt werden. Der Spritverbrauch liegt bei insgesamt 5,2 Litern auf 100 Kilometern. Vorausgesetzt, der Vierzylindermotor wird nicht ständig für den knapp neun Sekunden andauernden Sprint aus dem Stand bis zur 100 Kilometer pro Stunde-Grenze genutzt. Auf Strecken mit Geschwindigkeiten von bis zu 135 Kilometer pro Stunde schaltet sich beim vom Gas gehen durch eine Trennkupplung der Turbomotor vom Antriebsstrang ab, um die Schleppmomentverluste zu eliminieren. Dadurch rollt der Jetta länger und verbraucht noch weniger Benzin.

Besonders pfiffig und auch sinnvoll ist eine digitale Anzeige zwischen dem Drehzahlmesser und dem Tachometer, die von VW liebevoll Powermeter genannt wurde. Auf ihr wird anhand eines Balkens signalisiert, wie viel Gas der Fahrer gibt und noch geben darf, bis sich der als recht dominant zu bezeichnende Verbrennungsmotor wieder hinzuschaltet. Stark gewöhnungsbedürftig ist hingegen das Bremsen. Rekuperiert der Jetta beim bloßen vom Gas gehen eher gemächlich, findet bei der kleinsten Bremspedalberührung eine wesentlich härtere Bremsung statt als gewünscht. Dafür wird die aus 60 Einzelzellen mit je fünf Amperestunden bestehende Lithium-Ionen-Batterie im Nu wieder aufgeladen.

Für die stets richtige aber vor allem unauffällige Gangwahl des etwas unter 1,5 Tonnen schweren Jetta Hybrid sorgt das ausgezeichnet arbeitende Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Ob im Sport- oder im Normalmodus gefahren wird, das DSG leitet stets das bis zu 250 Newtonmeter starke Drehmoment an die Vorderachse weiter. Dass die Fahrt im leisesten Auto, das VW je in dieser Klasse angeboten hat, überhaupt so geräuscharm verlaufen kann, dafür sind neben dem elektrischen Antrieb Neuerung im Bereich der Geräuschdämmung verantwortlich. Dazu zählen eine Akustik-Frontscheibe und stärkere Seitenscheiben. Bleibt nun nur noch zu hoffen, dass ihn die zu erwartende US-Erfolgswelle auch nach Deutschland schwappt.

VW Jetta Hybrid
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