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24. April 2009, 21:21 Uhr

Erdgas schlägt Hybrid

Eine Revolution beim Eco-Ranking des ADAC. Ein Erdgas-Passat stößt den Toyota Prius mit Hybridantrieb vom Umweltthron. stern.de erklärt, was dieses Ergebnis für den Kampf um den Antrieb der Zukunft bedeutet.

ADAC-Umweltranking

Der ADAC vertraut nur den eigenen Messergebnissen© ADAC

Der VW Passat 1.4 TSI EcoFuel Trendline konnte als erstes Auto überhaupt fünf Sterne im ADAC EcoTest erreichen. Damit wurde der Dauerspitzenreiter Toyota Prius 1.5 auf den zweiten Rang verweisen. Der ADAC sieht im Passat das derzeit umweltverträglichste Auto in Europa. Der Wolfsburger entzückte die Tester bei der Schadstoffprüfung und beim realitätsnah gemessen Verbrauch.

Zukunft ist offen

Eine Aussage, welches System das größte Potenzial für die Zukunft hat, lässt sich aus dem Ergebnis nicht ableiten. Der Glaubenskrieg der Systeme wird durch eine Momentaufnahme nicht entschieden. Der Prius ist inzwischen in die Jahre gekommen und behauptet immer noch Platz zwei im Ranking. Der Test lenkt den Blick aber auf das Potenzial des Erdgasantriebes, der in den letzten Jahren im Schatten der revolutionären Elektrotechnik stand. Trotz unbestreitbarer Vorzüge ist der Erdgasantrieb immer das hässlichen Entlein geblieben. Für Schlagzeilen ist die Technik vermutlich einfach zu unspektakulär.

"Mit einem Verbrauch 4,9 Kilogramm Erdgas liegt der Passat beim CO2-Ausstoß deutlich vor dem besten gemessen Diesel in seiner Klasse. Unserer Meinung nach ist da bei Entwicklung der Erdgasmotoren noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht", betont ADAC-Sprecher Christian Buric. Der ADAC-Test bewertet Fahrzeuge nach ihrer Klasse. "Der Passat erreicht ein Top-Ergebnis in der Mittelklasse. Aber natürlich ist das ein eher großes Fahrzeug für Langstreckenfahrer. Wenn man nur auf die absolute Belastung der Umwelt schaut, haben kleinere Autos einen natürlichen Startvorteil", erläutert Buric die Logik des Tests. Tatsächlich kann man beim ADAC-Test ein Übergewicht der Mittelklasse bei den guten Ergebnissen feststellen. Den Bedürfnissen der Vielfahrer scheint der ADAC systematisch einen sehr hohen Stellenwert einzuräumen. Klein- und Kleinstwagen tauchen erst im Mittelfeld auf.

Eigene Systematik

Jedes Jahr wird eine Unzahl von Umweltrankings aufgestellt. Der ADAC-Test gehört zu den wenigen Rankings, für die jedes Fahrzeug eigens getestet wird. "Bei uns im Test sind Faktoren dabei, die der Gesetzgeber so nicht vorsieht. Wir schauen auch nicht einseitig nur auf den CO2-Ausstoß, sondern beziehen andere Schadstoffe mit ein", sagt Buric. "Und natürlich haben wir die Möglichkeiten intensiv selbst zu testen, das kann nicht jeder. So kommen wir zu eigenen Werten. Der ADAC ist nicht darauf angewiesen, die Daten der Hersteller zu übernehmen und auszuwerten."

In Zukunft, wenn auch reine Stromfahrzeuge auf dem Markt sein werden, wird sich der Test diesem Antrieb anpassen. "Sobald reine Stromautos am Markt sind, muss man die ganze Bilanz betrachten. Nur zu sagen, da kommt nichts aus dem Auspuff, dann ist alles prima, wird nicht reichen", so Buric. Denn eines ist jetzt schon bekannt. Wenn der Strom aus Kohlekraftwerken kommt, wird ein Stromfahrzeug "dreckiger" sein als ein Diesel. Ein Elektroauto wird nie sauberer sein als der Strom, den es verbraucht.

Wie auch der zweitplazierte Prius ist der VW Passat 1.4 TSI EcoFuel Trendline ein normales Serienfahrzeug. Im Vergleich zum Technologieträger von Toyota kann der Passat aber nicht nur auf eine ausgezeichnete Umweltbilanz verweisen, er ist obendrein auch noch sehr günstig im Unterhalt. "Unsere Kunden sind Leute, die sehr kostengünstig unterwegs sein wollen. Im Vergleich zum Benziner spart man 50 Prozent der Kosten, beim Diesel sind es noch 30 Prozent", sagt Peter Weisheit, Volkswagen Sprecher für Fahrzeugtechnologie. "Das Einsparvolumen ist auch für Firmenflotten interessant. Aber genau wie bei Einzelfahrern steht auch bei Flottenkunden der Umweltaspekt mehr und mehr im Vordergrund." Die Topplazierung beim ADAC werde helfen, das Thema Erdgas mehr in den Köpfen zu verankern. "Die Euphorie für den Stromantrieb mag zu verstehen sein. Aber Berichte, in denen steht, in 10 bis 15 Jahren fahren wir alle elektrisch, sind unrealistisch. Das stimmt einfach nicht."

Großes Potenzial durch Biogas

Tatsächlich hat der Passat noch gar nicht sein gesamtes Potenzial beim Test entfaltet. Der Motor läuft auch mit Biogas. Wer Bio tankt, bewegt den Wagen weitgehend CO2-neutral. Und auch wenn, wie es bereits geschieht, Biogas dem Erdgas beigefügt wird, verbessert sich die CO2-Bilanz des Wagens entsprechend. Reichweitenprobleme wie mit reinen Batterieantrieben kennt der Passat. Zur Not läuft der Motor mit Benzin.

In Zukunft wird es beim Thema umweltgerechter Mobilität spannend bleiben, schon weil sich in den nächsten Jahren die Zahl der alternativen Antriebsmodelle erhöht, die in Serie gehen. Für den ADAC sagt Buric: "Auch Sicht eines unabhängigen Testers ist nicht entschieden, ob die Zukunft bei Benzin, Diesel, Erdgas, Hybrid oder Strom liegen. Wir sagen klar, die Bemühungen müssen jetzt weiter gehen, sich in jeder Disziplin weiter zu verbessern."

Kra

 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
Eisenbaer (25.04.2009, 12:51 Uhr)
Motorbetriebenen Individualverkehr abschaffen
Am ökologischsten wäre es natürlich den ganzen Motor-gestützten Individualverkehr abzuschaffen und sich für diese Zwecke wieder auf Pferd und Wagen sowie Fahrräder zu besinnen. Will wer weiter reisen, dann soll er Bus und oder Bahn benutzen. Es gibt Leute, wie meine Eltern, die das bereits Zeit ihres Lebens getan haben und die den Individualverkehr so gut wie nie entbehrt haben. Und zur Not tut es dann auch mal ein Taxi oder eine Mietdroschke...

Es geht alles. Es muss nur der eigene Wille stark genug sein, um die eigenen Triebe kontrollieren zu können.
Eisenbaer (25.04.2009, 12:35 Uhr)
@Viper2024 - nicht zu Ende gedacht -
Der Produktionsprozess ist ja noch lange nicht zu Ende, wenn der Strom in einem Kohlekraftwerk erst einmal erzeugt wurde. Es bleiben aus der Verbrennung die Aschen, Filterrückstände und kontaminiertes Wasser zurück. Alles das muss entweder aufwändig gereinigt oder "entsorgt" werden. Und alles verschlingt Unsummen an Stoffen und Betriebsmitteln. Forschen Sie in dieser Richtung auch mal ein wenig nach und Sie werden große Augen machen, was Sie dabei alles finden werden!!!
mao17 (25.04.2009, 12:09 Uhr)
Methodisch sauberer Vergleich nötig
Die positive Bewertung der Erdgasautos kommt nur von den edlen Brennstoff, der eingesetzt wird. Der Verbrennungsmotor im Automobil hat aber große Nachteile gegenüber der zentralen Stromerzeugung. Moderne Gaskraftwerke, wie sie im Moment gebaut werden sind bis zu dreimal effizienter als ein Verbrennungsmotor, der häufig nicht im optimalen Betriebspunkt arbeiten muss. Zudem muss Erdgas aufwendig kompremiert werden, auch da zählt nicht nur, was der Motor emittiert. Wenn Vergleiche angestellt werden, muss man vor allem jetztige neue Technologie bei der Stromerzeugung (mit den gleichen Brennstoff) vergleichen mit neuen PKW, die auf den Markt kommen. Ein Vergleich mit dem deutschen Strommix ist nicht sinnvoll, denn er ändert sich ja stark, und man möchte ja eine Bewertung haben, die in 5 Jahren nicht überholt ist. Sonst ist der Elektroantrieb schlechter oder besser, wenn man üner die Grenze nach Östereich, Polen oder Niederlande fährt.

Blacky007 (25.04.2009, 10:30 Uhr)
@Viper
Elektroautos sind dann die Zukunft, wenn Strom dank Sonnenkraft und anderen alternativen Quellen erzeugt wird. Solange Strom jedoch mit Kohle- und Atomkraftwerken erzeugt wird, macht es eher nur mittelmäßig Sinn, a wir uns wenigstens von den Öllieferanten unabhängig machen, was allemal schon ein kleiner Vorteil wäre.
Viper2024 (25.04.2009, 08:01 Uhr)
Elektro st die Zukunft...
... und da können deutsche Automobilhersteller und Lobbyistenvertretungen, denn nichts anderes ist der ADAC, machen was sie wollen.
Natürlich muss bei einem reinen Elektrofahrzeug die Stromerzeugung und die Recylingfähigkeit der Batterie berücksichtigt werden, aber dann bitte auch die Benzinraffination und den Vertrieb und schon ist selbst Kohlestrom umweltfreundlicher.
Hinzu kommt, das die Hybridfahrzeugen der dritten Generation (Prius 3) und Honda Insight mit Sicherheit den ADAC Test gewonnen hätten, aber das konnte man den deutsche Herstellern ja nicht zumuten, weshalb alte Hybridfahrzeuge getestet wurden!!
p_hakel (25.04.2009, 07:22 Uhr)
Ich möchte
hier nichts schlechtreden, aber in den über 30 Jahren meiner Mitgliedschaft beim ADAC, kann ich mich nicht erinnern, das ein VW in einem ADAC Test schlecht abschnitt. Woran das wohl liegt???? grübel....
gmathol (25.04.2009, 01:03 Uhr)
Die Verbraeuche von Prius und Co. sind eh geschoent.
Das merken mittlerweile die meisten Bekannten die solche Fahrzeuge betreiben auch. Bewegt mein ein normales Fahrzeug aehnlich wie einen Hybriden, naemlich im Lahme-Enten Modus sind meistens aehnliche Verbraeuche zu erreichen und das ohne 2-4 Zentner Batterien mitzuschleppen.
Der Prius oder der Honda Civic Hybrid sind eh keine vollwertigen Fahrzeuge mit denen man mit 4 Personen laengere Strecken zurueck legen kann.
 
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