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19. November 2008, 09:11 Uhr

Pininfarina vor Pleite

Zuerst stirbt der Chef, jetzt bricht das Geschäft ein. "Die letzten drei Monate waren nicht leicht", resümiert Paolo Pininfarina, der Bruder des verstorbenen Chefs Andrea Pininfarina, die derzeitige Situation des italienischen Designkonzerns treffend.

Der verstorbene Andrea Pininfarina vor dem Ferrari P4/5. Sein Konzern entwarf das Design des schnellen Sportflitzers© AFP

Das Schicksal feuert eine Breitseite auf Pininfarina ab: Erst stirbt der Chef, dann bricht das Geschäft ein. Bis Jahresende werden die Banken über die Zukunft von Italiens Designer-Institution für Sportwagen entscheiden.

Am Ende trübt er dann doch die Stimmung. Paolo Pininfarina empfängt die Turiner Gesellschaft in der Firmenzentrale. Er plaudert über die Idee, Designerobjekte auszustellen, die Behinderten das Leben erleichtern. Und dann sagt er doch einen Satz, der viel über den aktuellen Zustand der Firma Pininfarina verrät. "Sie können sich vorstellen, die letzten drei Monate waren nicht leicht." Pininfarina gilt als Institution in der italienischen Autolandschaft. Die Designerschmiede hat die schönsten Ferrari entworfen. Doch Pininfarina steckt in einer seiner schwersten Krisen. Im August starb der Chef Andrea Pininfarina bei einem Verkehrsunfall. Nun ist es die Aufgabe seines Bruders Paolo, Fehler zu korrigieren und Alternativen zum bloßen Auftragsbau von Autos zu finden.

In ganz Europa kämpfen die Fremdfertiger von Autos mit Problemen. Die Osnabrücker Firma Karmann kündigt im September an, sich vom Kerngeschäft zu trennen. Der französische Auftragsfertiger Heuliez wird vom indischen Autobauer Argentum übernommen und versucht sich jetzt an Elektroautos. Der finnische Rivale Valmet vereinbart vergangene Woche zwar den Bau eines Geländewagens von Fisker, leidet aber unter dem bereits angekündigten Rückzug von Porsche. Magna Steyr stellt auf Kurzarbeit um.

Havas-Vorsitzender Vincent Bollore mit Paolo Pininfarina (r.) neben dem gemeinsamen Elektro-Konzept-Auto© Jaecky Naegelen/ Reuters

Fünf Jahre ist es her, dass Andrea Pininfarina in der Fremdfertigung von Autos ein gutes Geschäft witterte. Angefeuert von neuen Aufträgen von Fiat, Mitsubishi, Ford und Volvo baut er die Produktionskapazitäten auf jährlich 60.000 Autos aus. Die Firma verschuldet sich mit 650 Mio. Euro. Eine Fehlinvestition. Schon bald kämpft Pininfarina mit Überkapazitäten, da Bestellungen sinken und Folgeaufträge fehlen. Woran das liegt, zeichnet sich wenige Kilometer von Pininfarina entfernt in der Fiat-Zentrale im Turiner Stadtteil Lingotto ab. Aufgrund ausgefeilter Technik können die Autokonzerne nun auch sehr kleine Serien über ihre Fließbänder laufen lassen, heißt es dort. So achten Manager wie Fiat-Chef Sergio Marchionne darauf, dass sie eigene Fabriken auslasten, bevor sie Aufträge an Fremde vergeben.

Von Andre Tauber
 
 
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