. .
Autokauf - Kaufberatung
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
17. Februar 2009, 11:19 Uhr

Wenn der Sorglosreifen platzt

Es gibt Reifen, die nach einer Panne problemlos weiterfahren, als sei nichts geschehen. Doch die Unkaputtbaren haben Tücken : Sie schütteln die Passagiere ordentlich durch und können nach unsachgemäßer Montage einfach platzen. Von Dirk Vincken

Runflat-Vorkämpfer BMW rüstet viele seiner Neufahrzeuge noch serienmäßig mit Runflats aus© Jens Schlueter/DDP

Reifenpanne, das war gestern. Heute fährt man entspannt weiter, trotz Plattfuß, mit Tempo 80 und bis zu 150 Kilometer weit. Kein Schleudern, kein Adrenalin, kein Unfall. Statt in den Graben nur zum nächsten Reifenhändler. Ein gutes Gefühl.

Runflats heißen diese Sorglos-Reifen, die nicht klein zu kriegen sind. Geht ihnen die Luft aus, lässt sie das kalt, sie lenken und bremsen fast wie gewohnt, auch ohne Druck. Und weil das so gut funktioniert und der Fahrer davon nichts mitbekommt, muss er sogar per - gesetzlich vorgeschriebenem - Warnsystem informiert werden, dass er gerade mit einem platten, besser gesagt: luftleeren Reifen unterwegs ist. Eine gute Erfindung. Der Trick: Dank steifer Flanken knickt ein Runflat bei Luftverlust nicht ein und springt nicht - wie bei Standardreifen üblich - mit Knall, Rauch und Gestank von der Felge. Kein Risiko, wild zu schleudern oder im Graben zu landen. Oder auf dem Dach. Dieses Vollkasko-Gefühl überlegener Sicherheit gab es das letzte Mal, als das geniale Anti-Schleuder-System namens ESP erfunden wurde. So etwas wünschen sich Autofahrer.

Weniger Gewicht, weniger Kosten

Autohersteller auch. Sie begrüßten die neue Technik mit offenen Armen. Denn ohne Reserverad und Wagenheber ließen sich prächtig Kosten und Gewicht sparen. Verlegenheitslösungen wie peinlich dünne Noträder oder widerlich klebrige Reifendichtmittel konnten endlich über Bord geworfen werden. Dazu das Sicherheitsplus sowie Extra-Kofferraum für den Kunden.

Und doch: Seit ihrer Einführung im Jahr 2000 haben sich die Sicherheits-Reifen nie richtig durchsetzen können, befinden sich inzwischen sogar auf dem Rückzug. Von den anfänglich euphorischen Prognosen namhafter Unternehmensberater wie Roland Berger oder J.D. Power, wonach spätestens 2013 achtzig Prozent aller Neufahrzeuge auf Runflats vom Band rollen sollten, ist heute keine Rede mehr. Aktuelle Studien gehen von nur noch einem Prozent im Jahr 2010 aus. Nur Runflat-Vorkämpfer BMW rüstet viele seiner Neufahrzeuge noch serienmäßig mit Runflats aus. Noch. Jetzt denken die Bayern nach anfänglicher Begeisterung über den schrittweisen Ausstieg nach. Andere Hersteller bieten die Notlauf-Profis ohnehin nur auf besonderen Wunsch oder gar nicht an. Warum diese Zurückhaltung, ja dieser Rückzug?

Gelobt sei, was hart macht

Was die Autohersteller nur ungern zugeben und in einschlägigen Internet-Autoforen für mächtig Wirbel sorgt: Runflats gelten als Hartmacher. Gerade wegen ihrer notlaufsicheren dicken Seitenwände rollen sie oft ab wie das berühmte Holzrad. Wie eine viel zu dicke Feder geben sie kaum nach, bringen fein abgestimmte Fahrwerke durcheinander und Insassen in Rage. Selbst Hartgesottene nennen das bestenfalls "sportlich". VW etwa bietet Runflats maximal in der Größe von 16 Zoll an, weil "nicht auszuschließen ist, dass 17- oder 18-Zoll-Räder in der Tat höhere Belastungen im Fahrwerk hervor rufen", so ein Pressesprecher. Zudem sind die Pannenmeister extrem teuer: Der Fahrer eines Fünfer-BMW muss je nach Dimension bis zu 2500 Euro zusätzlich hinlegen.

© Bridgestone

Risse bei der Montage

Doch der saftige Preis sowie die Komfortschwächen sind nicht der einzige Grund, dass die Runflats zu Hightech-Ladenhütern verkommen. Weit schlimmer: Das spätere Auf- und Abziehen der unflexiblen Security-Reifen beim Reifenhändler bereitet massive Probleme. Die Montage ist kompliziert und führt sehr oft zu inneren Beschädigungen, ganz besonders, wenn es kalt und der Gummi dadurch spröde ist. Schäden, die mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen und deshalb so kritisch sind.

Bernd Semmler vom Training-Center des Reifen-Giganten Michelin, bestätigt: "Runflat-Reifen haben verstärkte Flanken. Weil dort mehr Material eingesetzt wird, sind sie nicht sehr flexibel." "Bei unsachgemäßer Montage besteht die Gefahr, dass am Reifenwulst Schäden entstehen, die mit bloßem Auge nicht erkennbar sind", so Peter Drust vom ASA-Arbeitskreis Reifendienst und Achsmessgeräte. "Die Standard-Reifenmontage", fügt Ruprecht Müller, ADAC-Reifenexperte hinzu, "ist hier nicht wirklich geeignet."

Folge: Es kann Feuchtigkeit eindringen, der ungeschützte Stahlgürtel rostet, Material kann sich ablösen. Konsequenz dieser inneren Erosion: Reifenplatzer. Wann, das kann keiner vorhersagen. Der Wunderpneu wird so selbst zum Risikofall. Das wissen auch die Autohersteller und verabschieden sich leise von der Runflat-Technologie. Es klang auch einfach zu schön.

Von Dirk Vincken
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
innovationen-kloss (18.02.2009, 14:37 Uhr)
Unausgereifte Technik
Die großen Reifenfirmen haben die Möglichkeiten, die in dieser neuen Reifentechnik liegen, nie begriffen. Lösungen hierfür, wie auch Lösungen für neue, federnde Autoräder sind vorhanden. Als Fremdideen von außen wurden sie von den Firmen aber stets ignoriert.
STR_EDDS (18.02.2009, 13:28 Uhr)
Zwei Seiten
Da gibt bes wie immer zwei Seiten der Medaille. Ich hatte einen Roadster aus München mit M-Fahrwerk und Runflats (auf 19"). Ich mag sportliche Fahrwerke. Aber das - das war grenzwertig. Nach einem Monat wollte ich auf normale Reifen wechseln. Just zwei Abende vor dem Termin hat sich auf der Autobahn bei einer Nachtfahrt ein ca. 40 cm langes Armierband aus Stahl um den rechten Hinterreifen gewickelt und sich z. T. wieder verabschiedet. Dabei gab es einen 20cm langen Schnitt längs zur Lauffläche. Bei einem "normalen" Reifen hätte es mich bei ca. 140 und einem Platzer an der Hinterachse vermutlich ordentlich gewirbelt und in den Graben gesetzt. Der RF war unbeeindruckt. Und die ca. 15km zur Werkstatt konnte ich auch gemächlich mit 50 Sachen fahren. ich habe die RF drauf gelassen. Nur später den Reifentyp gewechselt. Die Technik macht hier auch in Sachen Komfort Fortschritte.
scorpion-c (17.02.2009, 19:56 Uhr)
Tweel anyone?
Wann kommt endlich das Tweel auf den Markt? Ist es denn so schwer das Ding serienfertig zu bekommen? Will man es vielleicht nicht fertig bekommen? Es wäre auf jedenfall ausfallsicher, kein Luftverlust mehr und die Aufstandsfläche ist größer.
Eisenbaer (17.02.2009, 13:58 Uhr)
@marst - Hmmm???-
So, jetzt habe ich mir den Artikel dreimal durchgelesen, aber ich finde ihn weder hämisch noch zynisch. Das einzige, was auffällt ist, dass der Artikel nur wenig Positives über diese Notlaufreifen zu berichten weiß.

Was ist also los? Sind Sie stolzer Besitzer von solchen Reifen und fühlen sich nun gekränkt, weil der Autor ihre Liebe nicht teilt???
marst (17.02.2009, 12:33 Uhr)
Unsachlicher Ton, Warum blos?
Unter dem auf zynische Art eine gutgemeinte Technologie zerreisenden Artikel geht die eigentlich wichtige Information etwas unter. Es ist schade, wenn man hier etwas über die anfällige Technik von Autoreifen im Ton eines der Lächerlichkeit preisgegebenen B-Promis lesen muss. Mäßige Fakten und viel Gelächter von einem Autor, der der Recherche lieber das Basteln an einem giftigen Artikel überordnet. Klar ist das eine erschreckende Sache mit RunFlat's, aber die Autobauer reagieren schon entsprechend, und das Festhalten an der Weiterentwicklung dieser Technik lohnt auf alle Fälle! Schade für einen deutschen Jounalist, in derart unsensiblem Ton über ein sachliches u den Fortschritt betreffendes Thema zu berichten!
Also ganz egal, was dieser Titel letztendlich mitteilen möchte, der unerlaubt zynische und hämische Ton ist auf dem Niveau der untersten Boulevardpresse.
Schade, Stern!
MEHR ZUM ARTIKEL
Männerschmuck "Meine Felgen sind teurer als Dein Auto"

Was Blahniks und Pradas für Frauen, sind Auto-Felgen für Männer: was früher einmal dazu diente, individuellen Bodenkontakt zu optimieren, hat sich zum begehrten Fashion Accessoire gemausert, das man - im Idealfall - am besten öfters mal wechselt. mehr...

Aufbau Schicht für Schicht

Als Carl Benz vor 120 Jahren auf seinem dreirädrigen "Motorwagen" über beschauliche Sträßchen tuckerte, reichten ihm hölzerne Speichenräder mit einer Gummiauflage. Wenn heute ein schwerer Mercedes S 500 mit 250 Sachen über die Autobahn jagt, muss es schon etwas mehr sein. mehr...

Tipps zum Umgang mit Reifen Der Reifen-Knigge

Dass es dem Reifen nicht gut tut, wenn man mit 30 Sachen über die Bordsteinkante brettert, leuchtet ein. Auch falsche Lagerung, unpassenden Luftdruck oder falsche Fahrwerkseinstellung wird der geplagte Pneu Ihnen übel nehmen. mehr...

 
Partnerangebot Kfz-Versicherungsvergleich

Versicherungsbeiträge erhöht? Nutzen Sie jetzt Ihr Sonderkündigungsrecht und sparen Sie bis zu 500€ im Jahr. mehr

 
 
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft