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17. März 2008, 12:43 Uhr

Im Schneckentempo ins Abseits surfen

Breitbandinternet

Schnelles, günstiges Internet ist in Deutschland längst nicht überall eine Selbstverständlichkeit. Nicht nur bei den Zugängen, auch bei der Leistungsfähigkeit der Leitungen sehen Experten eine digitale Spaltung im Land: Teuer und langsam ist das Netz auf dem Land und im Osten, zum Schaden von Firmen und Schulkindern.

Bei der DSL-Versorgung bleiben einige Gebiete Deutschlands auf der Strecke© Dieter Braun

Wenn Andreas Dreßlers Tochter für ihre Schulaufgaben ins Internet muss, wird dem Familienvater aus dem brandenburgischen Jühnsdorf mulmig zumute. "Sie setzt sich an den PC, und der Gebührenzähler fängt an zu ticken", sagt Dreßler und rechnet nach. "Da sind leicht mal 200 bis 300 Euro im Monat weg." Dreßlers Haushalte gehört zu denen in Deutschland, die derzeit noch keinen Zugang zu schnellen DSL- und Breitbandverbindungen haben. Das Problem ist vor allem in ländlichen Gemeinden bekannt. Doch nach Ansicht von Experten steht der Republik demnächst eine neue Form der digitalen Spaltung bevor: Während in den Städten leistungsfähige Leitungen riesige Datenmengen übertragen, bleibt das platte Land bei der Quantität auf der Strecke.

Auch in ländlichen Regionen Bayerns wird es noch über Jahre hinweg Lücken bei der Versorgung mit schnellen Breitband-Internetverbindungen geben. Eine weitgehend flächendeckende Versorgung wird voraussichtlich Ende 2010 erreicht, wie aus einem Bericht von Wirtschaftsministerin Emilia Müller (CSU) hervorgeht, der in der vergangenen Woche bekannt wurde. Vor allem im ländlichen Raum gebe es noch "beachtliche un- oder unterversorgte Gebiete", heißt es darin.

Megabyte-Post? Fehlanzeige "Die digitale Kluft wird von der schieren Verfügbarkeit hin zu Leistungsfähigkeit wandern", sagt Telekom-Sprecher Mark Nierwetberg. Schon heute meldeten sich Kunden und forderten das bis zu Sechzehnfache der derzeitigen Standard-Übertragungsleistung. Dem Brandenburger Dreßler würde es derweil schon reichen, die Strecke zwischen ihm und seiner in München lebenden Schwester mit Hilfe einer Webcam überbrücken zu können. Doch das kostet Nerven und Geduld: Nicht nur dauert jeder Besuch im Netz bei ihm ziemlich lange, manche Seiten sind so aufwendig und die Datenmengen so groß, dass er sie gar nicht erst öffnen kann. Wenn Freunde ihm digitale Fotos von mehreren Megabytes Größe schicken, muss er ebenfalls passen.

"Die Internetseiten sind heute eben auf DSL ausgerichtet und entsprechend groß", sagt er. Für ihn als Privatmann seien die Nachteile noch halbwegs erträglich. "Für die Firmen in ländlichen Regionen sind sie zum Teil katastrophal." Dreßler engagiert sich deshalb in der Interessenvertretung www.kein-dsl.de, die einzelnen Bürgerinitiativen Hilfestellung beim Kampf um den DSL-Anschluss gibt.

Die Diskussion um die Nachteile für die wirtschaftliche Entwicklung in weniger dicht besiedelten Regionen läuft seit Jahren. Laut Bundesregierung sind derzeit 700 Gemeinden ohne Breitbandanschluss, in 97 Prozent aller Haushalte sei es jedoch verfügbar. Mit einem "Breitbandatlas" und Fördermitteln will die Regierung Investoren in abgelegenen Regionen unterstützen.

Telekom wehrt sich gegen Schuldzuweisungen Die Telekom pocht darauf, dass das aufwendige Verlegen der Leitungen für die schnellen Anschlüsse sich für Gemeinden mit ein paar hundert Einwohnern finanziell nicht lohnt. Gleichzeitig wehrt sie sich gegen die ständig aufflammende Kritik. "Wir sind zwar das größte, aber nicht das einzige Telekommunikationsunternehmen in Deutschland", sagt Nierwetberg. Auch die Wettbewerber ständen in der Pflicht, hätten sich aber in den vergangenen Jahren fast ausschließlich in den für den Umsatz risikoärmeren Städten umgetan.

Der "Breitbandatlas" des Bundeswirtschaftsministeriums zeigt, wie unterschiedlich die Versorgung mit schnellen Internetzugängen ist© stern.de-Infografik

Die Bundesregierung will die Lücken bei schnellen Internetzugängen auf dem Land bis zum Frühjahr 2009 gemeinsam mit Ländern, Kommunen und der Wirtschaft fast vollständig schließen. Das Problem könne "binnen zwölf Monaten" weitgehend gelöst werden, sagte der Parlamentarische Wirtschaftsstaatssekretär Hartmut Schauerte (CDU) Anfang März im Bundestag. Eine flächendeckende Versorgung werde aber wohl nicht möglich sein. "Es wird Ecken geben, extreme Lagen, wo wir (...) dieses Thema nicht lösen können."

Hoffen auf andere Technik Auf lange Sicht könnte sich für das Verfügbarkeits-Problem von selber eine Lösung einstellen: der technische Fortschritt. Noch in diesem Jahr will etwa die Telekom das Senden von Internet-Daten über Satellit ermöglichen. Wenn auch zunächst nur vergleichsweise kleine Mengen möglich sein werden, könnte das für manchen Internet- Verzweifelten auf dem Land die Rettung sein. Denn dann wären auch kleine Dörfer von den Leitungen unter der Erde unabhängig und könnten sich per Satellit ins Netz einwählen. Auch Dreßler setzt Hoffnung in die technischen Entwicklungen: "In den nächsten fünf bis sieben Jahren wird sich sicher einiges ändern."

Britta Gürke/DPA

DSL-Alternative: WiMax

Internet per Funkverbindung gibt es schon länger. Auf kurzen Strecken, zum Beispiel in Wohnungen oder Cafés oder Büros, können mit der WLan-Technik Computer drahtlos mit dem Netz verbunden werden. Die Übertragungsraten sind allerdings so gering, dass Breitbandverbindungen bisher nicht möglich waren. Höhere Datenübertragungsraten und längere überbrückbare Strecken sollen durch WiMax möglich werden. Das Netz wird gerade bundesweit aufgebaut. Die Anbieter konzentrieren sich dabei zunächst besonders auf Metropolen und den ländlichen Raum. Dabei versorgt eine Antenne einen Umkreis von 50 Kilometern mit einer Internetanbindung. Zur Nutzung von WiMax ist ein spezielles Empfangsgerät notwendig, gelegentlich muss eine Antenne am Haus montiert werden. Alle Nutzer in der Umgebung teilen sich die zur Verfügung stehende Bandbreite, das heißt: Je mehr intensive Nutzung, desto langsamer wird's für alle. Verfügbarkeit und Preise gilt es bei regionalen Anbietern zu prüfen.

DSL-Alternative: UMTS/HSDPA

Der UMTS-Standard oder dessen Weiterentwicklung HSDPA funktioniert über das Mobilfunknetz und ermöglicht Verbindungen mit mittlerer DSL-Geschwindigkeit (ca. 7,2 Mbit/s). Allerdings muss ein UMTS-Sendemast in der Nähe stehen. Für die UMTS/HSDPA-Technik gibt es mittlerweile von verschiedenen Anbietern Flatrates. Nachdem die UMTS-Anbieter ihre Technik zunächst nur in Ballungsgebieten installiert haben, versorgen sie nun zunehmend auch ländliche Gebiete.

DSL-Alternative: Satellit

Praktisch überall verfügbar ist Internet per Satellitenschüssel. Allerdings ist der nötige Aufwand recht groß und die Technik hatte bisher einige Schwächen: Die Verbindung zum Computer funktioniert zwar mit hoher Geschwindigkeit, für das Versenden von Daten wurde aber außerdem ein Modem oder eine ISDN-Verbindung benötigt. Diese musste zusätzlich bezahlt werden, so dass die Technik doppelt Kosten verursachte. Neue Technik ermöglicht es inzwischen mit einfacher DSL-Geschwindigkeit Daten über Satellit nicht nur zu empfangen, sondern auch zu senden. Das Angebot "Astra2connect" der Firma Filiago kostet zwischen 19,95 und 49 Euro pro Monat (je nach Geschwindigkeit), hinzu kommen Kosten für die Bereitstellung und Hardware.

DSL-Alternative: TV-Kabel

Wer sein Fernsehen über einen Kabelanschluss empfängt, kann vielleicht ein so genanntes Triple-Play-Angebot nutzen: TV, Telefon und Internet aus einer Steckdose. Die drei Anbieter in Deutschland heißen Kabel Deutschland, Kabel BW und ish. Ob das Angebot verfügbar ist, muss jeder direkt mit den Firmen klären.

san

KOMMENTARE (10 von 11)
 
Bauzeichner (19.03.2008, 07:48 Uhr)
@ploppp
Das ist ja das perverse. Ich wurde mit Werbeanrufen von T-Home quasi bombardiert. Die Mitarbeiter dort fingen immer im Mitleidigen Tonfall an, das ich ja noch mit ISDN surfen würde und man könne mir Call&Surf Comfort anbieten mit bis zu 6000kb/s.
Mein Einwand, das ich eh nur 768kb/s bekommen könne wurde meistens mit der Aussage gekontert, das sich das ja noch ändern würde. Die waren so dreist und haben nicht nur werktags, sondern auch am Wochenende und Feiertags zu den unmöglichsten Zeiten angerufen und einige waren der deutschen Sprache kaum mächtig. Insg. habe ich 18 Anrufe dieser Art bekommen und erst der allerletzte hat sich meiner Bitte, mich aus dem Verteiler zu nehmen, wohl ernsthaft angenommen. Was T-Home aber nicht davon abhielt, mich weiterhin mit eMail und Post auf DSL6000 und die Möglichkeiten damit hinzuweisen. Als meine Ausflüge ins Internet über ISDN zu teuer wurden, habe ich dann Call&Surf Comfort ISDN genommen, egal ob ich 384kb/s bekomme, denn die Flatrate halbierte meine monatliche Rechnung. Ach ja, das ich 384kb/s bekomme habe ich erst nach Vertragsabschluss erfahren, die Homepage zeigte immer 768kb/s an. Das hätte man erst beim einmessen speziell meiner Leitung gemerkt und wäre über das Kleingedruckte aber auch rechtlich abgesichert...
Naja, nun surfe ich immerhin mit der 6-fachen ISDN-Geschwindigkeit, für Multimedia reicht DSL"Light" aber nicht aus.
ploppp (18.03.2008, 22:39 Uhr)
Telekom? - Chaosclub
Wohne in einem Ortsteil mit knapp 1.000 Einwohnern. DSL ist dort nicht möglich. Die Telekom hat dies auch ganz offiziell Bürgern bestätigt, die für einen DSL-Anschluss Unterschriften gesammelt hatten. Dies hält die Telekom allerdings nicht ab, mir vor wenigen Tagen einen persönlichen Brief mit meiner Telekom-Kundennummer zu schicken, um mich für den Call & Surf Comfort-Tarif zu werben: DSL 6000 mit Flatrate und Festnetzflatrate. Die bieten mir also ein Produkt an, dass sie mir gar nicht anbieten können. Psychologische Kriegsführung? Ich glaube einfach nur Unfähigkeit in Potenz gepaart mit absoluter Dämlichkeit, oder aber: Typisch Telekom!
rvoelsch (18.03.2008, 11:13 Uhr)
@Dylan1941
UMTS/HSDPA ist auch nicht möglich bzw. unrentabel, da: Sendemasten auf dem Lande nur rar gesät sind und die Gier der Anbieter zu groß ist, die entsprechende Minutenpreise dafür verlangen. :p
Bauzeichner (18.03.2008, 10:48 Uhr)
Rückständig
Ich wohne auf dem platten Land. Anscheinend kann das halbe Dorf mit DSL2000 surfen und das andere halbe Dorf muss sich mit DSL "Light", also 384kb/s zufrieden geben, müssen aber DSL1000 bezahlen. Auf Anfrage gab die T-Home-Hotline an, das "Sie es in ihrem Leben nicht erleben würden, das sich das bei Ihnen ändern würde. Es sei denn, ich würde in Eigeninitiative 1000 Unterschriften sammeln und damit zur Telekom gehen."
Bis unser Kaff 1000 DSL-Interessierte hat, lebe ich wirklich nicht mehr... Tolle Aussichten.
BTW: DSL "Light" reicht nichtmal, um auf stern.de die Videos ruckelfrei im Briefmarkenformat zu sehen.
Dylan1941 (18.03.2008, 10:18 Uhr)
Über was wird sich eigentlich beklagt?
Die Leute wohnen auf dem Land, haben frische Luft,billige Mieten und Ihre Ruhe. Sie möchten aber gleichzeitig kurze Wege zur Arbeit,Vollversorgung mit allen Geschäften und sämtliche
angenehme Vorteile der Stadt nutzen.
Wenn ein Ausbau auf dem Land nicht sinnvoll ist und die meisten nach Effektivität und ökonomischen Richtlinien rufen dann kann man nicht alles haben. Vielleicht ließe sich soetwas auch mit einer on Air Übertragung durch UMTS/HSDPA nutzen?
Zumindestens letzteres ist der DSL Geschwindigkeit nicht nur nahe, sondern überflügelt in letzter Ausbaustufe die meisten Breitbandanschlüsse .
manndernichtdaist (18.03.2008, 08:07 Uhr)
@cklasseking
Telekom ist so eine Sache für sich. Beispiel?
Ich wohne in einer Doppelhaushälfte. Ich wollte DSL 6000, ging nicht, maximale Bandbreite 1000, Fastpath auch nicht möglich.
Ich als schlauer Mensch gebe dann unter der Verfügbarkeitsprüfung die Telefonnummer meines Nachbarn ein. Und siehe da, er bekommt zumindest DSL 2000! Das doppelte wie ich, obwohl im selben Haus? Interessant, T-Com! Ich sofort in einen T-Punkt und werde dort abgespeist unter: Das ist bestimmt ein Fehler in unserer Datenbank.
Der Fehler liegt eher im Gehirn....
hannes_schinder (18.03.2008, 07:55 Uhr)
Freies Internet für freie Bürger!
Gerade in wirtschaftlich und verkehrstechnisch schwächeren Gebieten könnte das Internet die Geschäfte beleben. Das Internet sollte ALLEN zuänglich sein, vieleicht wäre eine Einkommensgrenze sinnvoll, wer drüber liegt zahlt eben.
maggnz (18.03.2008, 06:12 Uhr)
DSL?!?
ich durfte vor 2 jahren die horrorerfahrung machen ein paar monate im tiefsten dunkeldeutschland (sorry)in sachsen-anhalt in einem 150 einwohner dorf zu "leben".
abgesehen davon das die lebensmittelversorgung so aussah das 2x am tach der eiermann vorbeikam,gab es auch natürlich auch kein dsl,was sehr schlecht ist wenn man übers internet für seinen lebensunterhalt sorgen muß.es wird sich zumindest dort auch in den näxten 10 jahren nichts ändern,weil der ort wie soviele andere dort,abgeschieden von der normalen zivilisation,ausgestorben sein wird...
cklasseking01 (17.03.2008, 23:20 Uhr)
Telekom
Wie in dem Artikel muß ich die Telekom auch mal verteidigen und den schwarzen Peter auch anderen Festnetzanbietern hinschieben.
Solche Orte wären normalerweise ein gefundes Fressen für einen DSL-Anbieter, wenn er der einzige ist, der eingutes Angebot in solche Gemeinden legt. Aber das macht eben keiner, da die Wirtschaftlichkeit fehlt.
Eine interessante Alternative wird gerade noch in meinem Raum erprobt: Internet per Stromleitung. Denn die liegen tatsächlich schon überall, ist dann nur eine Frage der Zwischenverstärker, ob es sich auch in ländlichen Gebieten lohnt.
gmathol (17.03.2008, 22:34 Uhr)
2/3 der US Bevoelkerung surfen noch Dialup mit 37Kbit/s
In der Tat in Deutschland gibt es noch viel zu tun. Leider hat sich die Phlanax der konservativen Parteien von Rot, Gruen und Schwarz dafuer entschieden das notwendige Geld in Afghanistan zu verbrennen.
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