Um das Urheberrecht tobt ein erbitterter Kampf. An vorderster Front streitet die Gema mit der Google-Tochter Youtube. Am Freitag fällt in Hamburg ein Urteil mit Bedeutung für die gesamte Industrie. Von Lukas Heiny
Der Soundtrack der Empörung da draußen im Netz geht so: "Ihr sagt, wir sind kriminell, doch wir sind nur die User. Im Knast saugen wir weiter, Copyrights sind was für Loser." So rappt die Band Deichkind. Mehr als 1,6 Millionen Mal wurde ihr Video "Illegale Fans" auf Youtube angeklickt. Es ist eine Abrechnung mit jenen, die verzweifelt versuchen, die Urheberrechte auch im Internet durchzusetzen.
Als er das Lied das erste Mal gehört habe, sei er wütend geworden, sagt Harald Heker. "Das ist in höchstem Maße traurig, wir werden da in eine Ecke gestellt, in die wir nicht gehören." Heker ist Vorstandschef der Gema, der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte - und damit für viele der Böse in der schönen neuen Onlinewelt. Heker will Geld haben für die Musik im Internet, vor allem für die Clips auf Youtube. Das macht sehr viele sehr zornig.
Wenn er morgens den Laptop auf dem antiken Holzschreibtisch in seinem Büro hochfährt, hat er oft Hassmails im Postfach, persönlich an ihn gerichtet, ganz übel. "Fuck den Scheiß, ich hab Bock auf gute Vids auf Youtube. Und was ist! Alles gesperrt", pöbelt einer auf der Facebook-Seite "Fuck Gema". "Wegelagerer", "Parasit", tönt es Heker entgegen. Im Netz kursieren Videos der Hackergruppe Anonymous, Maskenträger werfen der Gema darin Geldgier und Zensur vor. "Wir beobachten mit Sorge eure überhöhten Forderungen gegenüber Youtube."
In Hekers Augen ist das eine verkehrte Welt. "Die Debatte ist in den letzten Jahren äußerst schiefgelaufen", sagt er. Heker, 54, ist Jurist. Er redet in scharfen Sätzen, doch selbst wenn seine Worte hart klingen, umspielt seine Mundwinkel ein feines Lächeln. "Youtube hat keinen Vertrag mit uns." Lächeln. "Das heißt: Die Musik, die dort eingestellt ist, wird illegal genutzt." Lächeln. "Youtube verdient sehr viel Geld durch die Nutzung unserer Musik, die ziehen ihr Geschäftsmodell rücksichtslos durch. Und wir werden beschimpft! Dabei setzen wir uns zum Schutz der Hilflosen ein." Lächeln. "Wir sind die Guten."
Der Kulturkampf um das Urheberrecht im Internet hat sich in den vergangenen Wochen zugespitzt. Die Piratenpartei und Zehntausende Demonstranten gegen das Acta-Abkommen warnten vor Zensur und einem "Ende des Internets, wie wir es kennen". Und auf der anderen Seite haben sich etliche Musiker und Künstler erhoben und gegen die Verlogenheit der Raubkopierer gewettert, allen voran der Sänger Sven Regener, der als Erster seine Wut auf Youtube rausließ: "Ein Geschäftsmodell, das darauf beruht, dass die, die den Inhalt liefern, nichts bekommen, das ist kein Geschäftsmodell, das ist Scheiße."
Nun schauen sie alle auf die Gema, eine der letzten Bastionen im Kampf ums Urheberrecht. Ihr Gefecht mit der Google-Tochter Youtube ist eines der wichtigsten. Seit Jahren kämpfen beide mit allen Tricks, es geht um sehr viel Geld, das die Gema aus den Milliardengewinnen des Konzerns an die Künstler verteilen möchte. Am Freitag fällt vor dem Landgericht in Hamburg ein Urteil in einem Musterverfahren, auf das ganz Europa wartet.
Übernommen aus ...
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