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17. November 2009, 19:53 Uhr

Bombastisch, brutal, erfolgreich

Das Actionspiel "Call of Duty: Modern Warfare 2" löste bereits vor Veröffentlichung wegen einer besonders brutalen Episode kontroverse Diskussionen aus. Dann folgte der erfolgreichste Verkaufsstart der Gamesgeschichte. Aber ist das Spiel eigentlich gut?

Call of Duty, Modern Warfare, CoD, Modern Warfare 2

"Modern Warfare 2" ist inszeniert wie ein Kriegsfilm aus Hollywood

"Call of Duty: Modern Warfare" ist das weltweit meistverkaufte Action-Game aller Zeiten und erfreut sich online - zwei Jahre nach seiner Veröffentlichung - nach wie vor größter Beliebtheit. Keine kleine Hürde, die die von großem Marketing-Bohei begleitete Fortsetzung nehmen muss. Der Konsolenversion gelingt dieser Sprung perfekt. PC-Spieler müssen hingegen Abstriche machen. Kommerziell ist "CoD: Modern Warfare 2" allerdings in jedem Fall ein Überflieger: Mit mindestens 4,7 Millionen verkauften Spielen innerhalb von 24 Stunden allein in Nordamerika und Großbritannien ist der Taktik-Shooter der erfolgreichste Produktstart der Videospielgeschichte.

Obwohl fünf Jahre später angesiedelt, schließt die Story des Games nahtlos an die Hintergrundgeschichte des Vorgängers an: Russische Ultranationalisten wollen mit allen Mitteln dafür sorgen, dass ihr Land wieder eine führende Rolle spielt. Dabei schrecken sie nicht einmal vor einer direkten Konfrontation mit den USA zurück.

Wer den ersten Teil dieses Action-Thrillers nicht gespielt hat, erfährt während der Introsequenz die wichtigsten Fakten. Und bereits hier zeigt sich, dass "Modern Warfare 2" großes Kino sein will. Die Credits laufen durch, die Kameraführung erinnert an aktuelle Action-Streifen, und die Hintergrundmusik stammt von Hans Zimmer. Ja, von jenem Hans Zimmer, der bereits so ziemlich jede wichtige Auszeichnung gewonnen und die Musik zu Hollywood-Blockbustern wie "The Dark Knight", "Gladiator" und "Fluch der Karibik" komponiert hat. Offenbar blieb dann kein Geld mehr für talentierte Autoren und eine vernünftige Dokumentation übrig. Die Story ist unglaubwürdig bis hanebüchen, das Handbuch informiert auf sage und schreibe vier Seiten über das Spiel. Auch das ist rekordverdächtig ... schwach.

Grafisch bietet "Modern Warfare 2" cineastisch inszenierte Action-Kost, die dem Vorgänger in nichts nachsteht, ihn aber des Öfteren zitiert. Verfolgungsjagden auf Schneemobilen, rasante Fluchten und beklemmende Schleicheinsätze sind zu meistern - wobei kaum Unterschiede zwischen den PS3- und Xbox-360-Versionen und der PC-Variante festzustellen sind.

PC-Version braucht Internetverbindung

Apropos PC: "CoD: MW2" setzt auf die Online-Plattform "Steam". Das bedeutet, dass eine Internetverbindung zwingend vorhanden sein muss, um das Game installieren und spielen zu können.

Bevor sich volljährige Spieler in die Trainingsmission stürzen, die zum Pflichtprogramm aller aktuellen "CoD"-Titel gehört und den empfohlenen Schwierigkeitsgrad bestimmen soll, muss er noch angeben, ob er eine nicht näher bezeichnete Mission spielen oder sie lieber auslassen will. Hierbei handelt es sich um das bereits kontrovers diskutierte Flughafen-Level, in dem man in die Rolle eines verdeckten Ermittlers schlüpfen und Abscheuliches tun muss, um seine Tarnung als Terrorist aufrechtzuerhalten. In der deutschen Version des Spiels ist diese Mission allerdings entschärft: Das Schießen auf Zivilisten wird mit einem sofortigen "Game Over" sanktioniert. (Mehr über die Kontroverse lesen Sie im Artikel "Computerspieler als Terroristen".)

Wer sich gegen diesen Einsatz entscheidet, reduziert die ohnehin nicht besonders üppige Spieldauer. In den einfacheren Schwierigkeitsgraden ist das Ende in rund sechs Stunden erreicht. Allerdings gehört "CoD: MW2" zu denjenigen Titeln, die ihren vollen Reiz erst dann entfalten, wenn sich der Spieler für einen der höheren Schwierigkeitsgrade entscheidet. Das Gameplay lässt sich mit einem Wort beschreiben: Action! Angefangen beim ersten Einsatz, der den Spieler nach Afghanistan führt, über Missionen in Russland und Rio de Janeiro bis hin zu Kämpfen auf US-amerikanischen Boden - "Modern Warfare 2" gönnt dem Spieler kaum eine Atempause.

Ausgefeilter Multiplayer-Modus

Den sechs bis zehn Stunden Solo-Unterhaltung steht ein Multiplayer-Modus für bis zu 18 Spieler gegenüber, der Fans der Reihe die nächsten Jahre begeistern dürfte. In verschiedenen Spielvarianten, darunter "Deathmatch", "Herrschaft" und "Sprengkommando", geht's online so richtig zur Sache. Wie schon im Vorgänger sorgt ein ausgefeiltes Punktesystem dafür, dass mit zunehmender Spielzeit die Auswahl der zur Verfügung stehenden Waffen, Ausrüstungsgegenstände und Extras immer größer wird.

Brandneu ist die Variante "Spec-Ops". Alleine oder - im Idealfall - mit einem zweiten Spieler müssen insgesamt 25 abwechslungsreiche Mini-Missionen erledigt werden. Die Ziele variieren von Level zu Level. Mal muss eine bestimmte Anzahl Gegner erledigt werden, mal steht das Entschärfen von Bomben auf dem Programm.

Harte Kritik an der PC-Version

Noch ein Wort zur PC-Version: Da es für "Call of Duty: Modern Warfare 2" keinen sogenannte Dedicated-Server-Funktion mehr gibt, können die Spieler keine eigenen Server mehr betreiben. Vielmehr wird man einfach auf einen Server geleitet, auf dem noch ein Platz frei ist. Die Nachteile spüren vor allem Clans. Wer gemeinsam mit seinen Freunden in die Multiplayer-Schlacht ziehen will, kann sie über seine Steam-Freundesliste einladen - doch das ist kein Vergleich zu einem Dedicated Server, der sich auf vielfältige Art und Weise an die eigenen Vorlieben anpassen und um neue Maps erweitern lässt. Dementsprechend groß ist die Kritik, die Entwickler und Publisher derzeit einstecken müssen.

Call of Duty: Modern Warfare 2
Hersteller/Vertrieb Infinity Ward/Activision Blizzard
Genre Action
Plattform PC, PS3, Xbox 360
Preis 55 bis 65 Euro
Altersbeschränkung ab 18 Jahren
Artur Hoffmann/Teleschau
 
 
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