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3. September 2009, 15:46 Uhr

Der Riese bewegt sich

Kampfpreise auf dem Navi-Markt

Navi-Hersteller müssen sich warm anziehen: Für 50 Euro (plus Mehrwertsteuer) gibt es zum N97 ein Auto-Set sowie zwei Jahre lang Karten-Updates inklusive. Das ist ein Kampfpreis. Wer braucht da noch ein Autonavi für 150 Euro?

Und die Navigation mit Ovi Maps soll künftig noch besser werden: Navteq-Boss Larry Kaplan zeigt einen Vorgeschmack auf die Navigation durch Sehenswürdigkeiten (großen Kirchen) oder Orientierungspunkten im Straßenbild (Tankstelle). Künftig könnte das Navi-Handy dem Fahrer einflüstern: Biegen Sie in die erste Straße nach der Aral-Tankstelle auf der rechten Seite ab. Die Navteq-Kamerawagen nehmen offenbar viel mehr Daten auf als die berüchtigten Google-Street View-Kameraautos: Neben der GPS-Vermessung selbst von Hausfassaden werden auch 3D-Modelle errechnet. Und per Video werden Panoramaaufnahmen gemacht. Navteq und Nokia scheinen hier einen deutlichen Vorsprung gegenüber Google zu haben.

Nokia, Handy, Telekom, Nokia World 09

Mit dem Booklet 3G greift Nokia im Netbook-Markt an© Marijan Murat/DPA

Einen selbstbewussten Gastauftritt absolvierte Telekom-Chef René Obermann bei der Nokia World in Stuttgart. Zum einen gab er den Nokia-Entwicklern Hausaufgaben auf: "Rund 59 Prozent der Kunden beschweren sich über zu viele Funktionen." Die Geräte müssen also einfacher zu bedienen sein. Dann übte er Selbstkritik: "Datenskandale, wie es sie auch bei der Telekom gegeben hat, sind nicht hilfreich. Denn die Kunden müssen uns ihre Daten in der Wolke anvertrauen."

Das wolkige Wort "Wolke" oder "Datenwolke" werden wir noch öfter hören in den nächsten Jahren. Es steht für die Datenspeicher von Google, Facebook oder Flickr, wo unsere intimsten Informationen lagern. Und die sollten dort natürlich so sicher sein wie in Fort Knox. Sind sie aber oft nicht, oder wir kommen nicht ständig an sie ran, wie es vor wenigen Tagen der mehrstündige Google-Mail-Ausfall deutlich machte.

Dass Nokia und Telekom zunehmend auch zu Konkurrenten werden, machte Obermann klar, als er den neuen My-Community-Dienst ankündigte. Dort können Telekom-Kunden ihre Adressen und Daten speichern. Genau das, was Nokia mit seinen Ovi-Diensten macht.

Ambitionen in Übersee

Aber vielleicht kommen sich die beiden Konzerne dabei nicht so sehr in die Quere, denn Nokia ist hierbei besonders in den "Wachstumsmärkten" wie Indien oder Afrika aktiv - mit großem Ehrgeiz:
- "Ovi-Mail" soll zum kostenlosen E-Mail-System für die nächste Milliarde Nutzer werden, die den ersten Internet-Zugang per Handy nutzt.
- "Nokia Life Tools" in Indien gibt Bauern lebenswichtige Informationen über Erntezeiten und Preise aufs Handy.
- Und "Nokia Money" wendet sich an die Millionen von Menschen, die ein einfaches Prepaid-Handy nutzen, aber kein Konto haben. Sie können dann per Handy einfache Bankgeschäfte erledigen.

Simple Handys als Computerersatz für Menschen in armen Ländern und erschwingliche, immer schickere Smart Phones mit praktischen Diensten in wohlhabenden Ländern wie Deutschland - der Gigant Nokia scheint auf dem richtigen Weg zu sein.

Von Dirk Liedtke, Stuttgart
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