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11. August 2009, 10:51 Uhr

Nokia verliert Vertrauen zu Symbian

Der finnische Handy-Riese Nokia verwirft mit Symbian ausgerechnet jenes Betriebssystem, das er mehr als ein Jahrzehnt lang unterstützt hat. Das Problem: Symbian kann nicht mit Apple und Blackberry-Hersteller RIM mithalten. Von Thomas Wendel

Nokia, Symbian, Google, Android, Windows Mobile

Nokias Flaggschiff N97 läuft noch mit Symbian© Nokia

Nach FTD-Informationen wird Nokia künftig viele seiner leistungsfähigsten Handys mit Maemo ausstatten - einer lizenzkostenfreien Software, deren Entwicklung von den Finnen seit Jahren für die Nutzung in Nokias Taschencomputerreihe, die Internet Tablets, vorangetrieben wurde. Mit dem Nischendasein von Maemo soll bald Schluss sein: Schon in den nächsten Wochen kommt voraussichtlich das erste Maemo-Smartphone Nokias auf den Markt. "Symbian ist viel zu schwerfällig, um mit modernen Betriebssystemen mithalten zu können", hieß es aus dem Umfeld des finnischen Konzerns. "Wir müssen reagieren." Offiziell wollte sich Nokia dazu nicht äußern. "Wir kommentieren keine Spekulationen", sagte eine Sprecherin.

Erst im vergangenen Jahr hatten die Finnen die in Großbritannien ansässige Symbian Ltd. komplett übernommen. Rund 264 Mio. Euro gab Nokia dafür aus. Im April brachte der Handyhersteller die komplette Software in eine neu gegründete Stiftung ein, die Symbian ähnlich wie Linux-PC-Betriebssysteme mithilfe Tausender freiwilliger Entwickler fortführen soll.

Gerade im Bereich der Oberklassehandys hat sich dieses Engagement für Nokia jedoch nicht ausgezahlt: Der Marktanteil bei den sogenannten Smartphones sank laut dem Marktforscher Gartner auf zuletzt nur noch 49,3 Prozent. Auf Nokias Kosten zulegen konnten hingegen vor allem Apple mit dem iPhone sowie der kanadische Blackberry-Hersteller RIM, die zusammen inzwischen bereits jedes dritte Smartphone weltweit verkaufen.

Alt und langsam

Als Grund dafür gilt der überalterte Code von Symbian. Die Software fußt auf dem Epoc-Betriebssystem des früheren Taschencomputerbauers Psion aus den 90er-Jahren. Mit insgesamt 20 Millionen Zeilen Programmcode hat Symbian fast die Mächtigkeit des Microsoft-PC-Betriebssystems Windows XP. In die komplexe Struktur lassen sich, sagen Experten, neue zentrale Funktionen nur mit riesigem Aufwand einpassen. Das erklärt, warum Nokia lange der modernen Touchscreen-Bedienungsoberfläche des iPhone nichts entgegenzusetzen hatte. Erst diesen Sommer konnten die Finnen mit dem neuen Topmodell N97 diesen Nachteil teilweise wettmachen - nach langwierigen Anpassungen der Symbian-Software.

Zusätzlich unter Druck stehen Nokia und Symbian durch Google. Der US-Suchmaschinenbetreiber hat mit Android und Chrome OS zwei moderne interagierende Betriebssysteme für Handys sowie Computer geschaffen, die von Herstellern kostenlos genutzt werden dürfen. Erste Android-Geräte, wie die vom taiwanischen Hersteller HTC gefertigten Internethandys G1 und G2, haben sich als Verkaufsschlager erwiesen.

Große Pläne mit Maemo

Dass Nokia mit dem Eigengewächs Maemo Größeres vorhat, deutete sich bereits Ende Juni an. Da verabredeten die Finnen eine Chipentwicklungs-partnerschaft mit dem weltgrößten Computer-prozessorhersteller Intel. Bestandteil der Vereinbarung war auch eine Zusammenarbeit bei den Mobilgeräte-Betriebssystemen Maemo sowie dem von Intel propagierten Linux-Abkömmling Moblin. Anfang Juli wurde schließlich der für Maemo zuständige Nokia-Manager Quim Gil auf einem Entwicklertreffen auf Gran Canaria deutlicher: Man sei dabei, Maemo zu einer "Mainstream-Plattform" für Handys zu machen, sagte Gil vor den angereisten Softwareexperten.

"Nokia hat erkannt, dass sie mit Symbian ein Problem haben", sagte Analyst Tony Cripps vom britischen Beratungsunternehmen Ovum. So habe das von Google unterstützte Android "mehr Entwicklungspotenzial". Auch Nikolaus Mohr vom Beratungsunternehmen Accenture erkennt in einer teilweisen Abkehr von Symbian einen richtigen Schritt: "Langfristig werden die Betriebssysteme für Handys, Netbooks und Computern verschmelzen." Dafür müsse Nokia nun schnell die Voraussetzungen schaffen.

Bei der Symbian-Stiftung in London sieht man sich hingegen nicht in Gefahr. Selbst falls Nokia vermehrt Smartphones mit Maemo ausliefern sollte, werde die Zahl der Symbian-Handys weltweit steigen, sagte Manager David Wood der FTD. Nokia werde auch künftig die große Mehrheit seiner Handys mit Symbian ausliefern. Zudem rechne er damit, dass andere Symbian-Nutzer wie Sony Ericsson schon im Jahr 2012 "mehr als die Hälfte" des Entwicklungaufwands für die Software tragen würden, so Wood. Derzeit schultert Nokia mehr als 90 Prozent der Entwicklungsleistungen.

Von Thomas Wendel
 
 
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