. .

Ratgeber Ernährung

Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
Ratgeber Ernährung

Schön füllig - oder zu dick?

Expertenrat

Professor Hans Hauner, Ernährungsmediziner von der Technischen Universität München, antwortet
Woran erkenne ich, ob mein Übergewicht schädlich ist? Übergewicht schadet sicher nicht jedem Menschen, erhöht aber grundsätzlich das Risiko für eine Vielzahl von Krankheiten. Das Spektrum reicht von Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Krankheiten über Krebskrankheiten bis hin Krankheiten der Gelenke. Da man dieses Risiko im Einzelfall nicht vorhersagen kann, sollte man bei Übergewichtigen immer wieder nach möglichen Komplikationen fahnden. Wichtig ist auch die Verteilung der zusätzlichen Kilos. Diese sind am Bauch viel schädlicher als an den Hüften oder Oberschenkeln, weil die Fettzellen dort einen aktiveren Stoffwechsel haben als im Unterhautfettgewebe. Deshalb sind Männer eigentlich stärker als Frauen von solchen Komplikationen bedroht.

Gibt der Body-Mass-Index (BMI) einen zuverlässigen Hinweis? Der BMI ist ein gutes Maß der Fettmasse, sagt aber nicht so viel über das Gesundheitsrisiko aus. Für letzteres ist eher das Fettverteilungsmuster aussagefähig, das über den Taillenumfang gemessen werden kann. Ein Taillenumfang über 88 cm bei der Frau und über 102 cm beim Mann zeigt bereits ein deutlich erhöhtes Risiko für die genannten Folgeschäden an. Aber auch bei einem BMI über 30 geht dieses Risiko kräftig in die Höhe, so dass wir ab diesem Wert eine Gewichtsabnahme empfehlen.

Wie erkenne ich, dass ich bereits Folgeprobleme habe? Es gibt viele Hinweise, ein guter ist die Kurzatmigkeit. Die Symptome sind aber oft untypisch und werden meist nicht mit dem Übergewicht in Zusammenhang gebracht oder gerne auch einfach ignoriert. Wer es genau wissen will, sollte daher zu seinem Hausarzt gehen und sich dort untersuchen lassen.

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für Medikamente oder Operationen, die Übergewicht senken können, oft nicht. Warum? Die Krankenkassen haben Angst vor den Kosten, da sehr viele Menschen für diese Behandlungen in Frage kämen und dann das System zusammenbrechen könnte. Adipositas ist in Deutschland nicht als Krankheit anerkannt.

Eine Änderung dieser Situation - die im Grunde längst überfällig ist - würde zu einem Rechtsanspruch auf Behandlung führen. Das würde für die Kassen sicher teuer. So aber muss übergewichtiger Patient erst warten, bis er die Folgeschäden erleidet, bevor er eine Chance bekommt, dass auch sein Übergewicht behandelt werden darf. Das ist ethisch nicht vertretbar.

Nach meiner Ansicht wäre es aber auch ein wirtschaftliches Gebot, mehr in die Vorbeugung von Übergewicht zu investieren. Dies zahlt sich leider nicht kurzfristig aus - Krankenkassen denken und entscheiden nur kurzfristig - und ist daher für die Verantwortlichen nicht populär. Aber alle Gesundheitsökonomen, die sich mit diesem Thema beschäftigen, sehen bei rechtzeitiger Prävention beziehungsweise Intervention ein erhebliches Sparpotenzial: im Hinblick auf die vermeidbaren Folgekosten für die Behandlung von Typ-2-Diabetes, von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die viele anderen Krankheiten. Die Krankenkassen sparen am falschen Ende.

Kann denn verhindert werden, dass immer mehr Menschen immer dicker werden? Im Grunde müsste man die Rahmenbedingungen ändern, sonst haben wir keine Chance. Unsere Gesellschaft verführt zum Überessen und zum Schlaffsein. Der Gebrauch von Autos, Rolltreppen, Fahrstühlen und anderen Maschinen nimmt weiter zu - wir tun alles, um den Menschen Muskelarbeit abzunehmen.
Dazu kommt, dass man an jeder Ecke Fast Food angeboten bekommt: Von Pizza bis zum Schokoriegel. Auch wenn man eigentlich keinen Hunger hat, wird man zum Essen verführt. Gerade junge Menschen haben oft keine festen Essenszeiten mehr. Sie essen ständig nebenher, was eine Kontrolle über die Energieaufnahme schwierig macht. Die Menschen brauchen Spielregeln, wann gegessen wird. Drei anständige Mahlzeiten genügen in der Regel. Zwischenmahlzeiten liefern meist nur Kalorien extra.

Seite 1: Schön füllig - oder zu dick?
Seite 2: Ursachen
Seite 3: Risiken
Seite 4: Therapie
Seite 5: Tipps
Seite 6: Expertenrat
Seite 7: Forschung
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Kriterien für Übergewicht Wer ist hier dick?

Für Ärzte und Wissenschaftler ist Übergewicht kein ästhetisches Problem, sondern ein gesundheitliches, das sich messen lässt. Mit dem Forschungsstand verändern sich die Methoden dafür. mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind