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15. April 2010, 18:40 Uhr

70 Apotheken im Verdacht des Millionenbetrugs

Um mehr Profit zu machen, sollen Apotheker billige Krebs-Medikamente illegal importiert und teuer abgerechnet haben. Es geht um einen zweistelligen Millionenbetrag - und die Gesundheit der Patienten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

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Gegen rund 70 Apotheken ermittelt die Staatsanwaltschaft© Gerit Borth/DDP

Die deutschen Apotheker stellen sich gern als besonders vertrauenswürdig dar. Wird berichtet, dass ein Teil der übers Internet bezogenen Medikamente gefälscht sind, verkünden sie garantiert, nur bei ihnen sei gewährleistet, dass auch immer das richtige Mittel über den Ladentisch wandert. "Apotheker sind Heilberufler, die pharmazeutisches Wissen besitzen, aber auch Freiberufler, die gesellschaftliche Verantwortung im Sinne des Gemeinwohls übernehmen." Der Satz findet sich auf der Seite der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände.

Leider nimmt wohl ein gewisser Anteil der Zunft die Sache mit der Verantwortung nicht ganz so ernst. Apotheker aus ganz Deutschland stehen unter Verdacht, sich bei der Abrechnung von Krebsmedikamenten illegal bereichert zu haben. Der Vorwurf: Sie haben so genannte Zytostatika billig aus dem Ausland beschafft, aber hier zum handelsüblichen, wesentlich höheren Preis verkauft. Die Medikamente sind dort wesentlich günstiger, aber in Deutschland nicht zugelassen. Dabei ist nicht auszuschließen, dass die Medikamente qualitativ schlechter waren und zum Beispiel durch Verunreinigungen mehr Nebenwirkungen verursacht haben. Die Mittel könnten sogar gänzlich wirkstofffrei gewesen sein. Damit hätten die Apotheker das Leben von Krebspatienten aufs Spiel gesetzt, nur um am Ende besser zu verdienen.

Umsatz: zwei Milliarden Euro

Inzwischen wird gegen rund 70 Apotheker in ganz Deutschland ermittelt, erklärt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Mannheim am Donnerstag. "Den Ersatzkassen entstand ein Gesamtschaden im zweistelligen Millionenbereich", sagt ein Sprecher der Techniker Krankenkasse. Die AOK Niedersachsen bezifferte ihren Schaden auf mehr als zwei Millionen Euro. Nach einem Bericht des Rundfunksenders NDR-Info stehen unter anderem Apotheker in Augsburg, Braunschweig, Celle, Kiel, Mainz, Münster und Wuppertal im Visier der Staatsanwaltschaft. Bereits im Januar war ein Mann aus dem badischen Raum angeklagt worden, weil er Medikamente falsch abgerechnet und rund 420.000 Euro in die eigene Tasche gewirtschaftet hatte.

Der jährliche Umsatz mit Zytostatika liegt bei zwei Milliarden Euro, schätzt Peter Eberwein vom Verband der zytostatikazubereitenden Apotheker/innen in öffentlichen Apotheken. Rund 400 der bundesweit 22.000 Apotheken sowie etwa 100 Krankenhausapotheken und 15 Herstellungsbetriebe bereiten diese Mittel zu. Sie verfügen über ein spezielles Labor, in dem die Medikamente unter sterilen Bedingungen verdünnt werden. Diese Verdünnung ist nötig, da die Konzentration für den jeweiligen Patienten angepasst werden muss. Kontrolliert würden diese 500 Apotheken, wie alle anderen auch, vom Amtsapotheker, der unangemeldet komme.

Eberwein erinnert sich, dass ihm selbst vor ein paar Jahren billige Zytostatika aus dem Ausland angeboten wurden. Er habe diese nicht genommen, aber sich auch nicht weiter mit dem Vorfall beschäftigt. Denn generell ist das nicht verboten. "Im Einzelfall dürfen wir über Großhändler ja Arzneimittel aus dem Ausland importieren", sagt er.

Wie solche Vorfälle in Zukunft besser verhindert werden könnten, weiß Eberwein nicht. "Wer betrügen will, der tut das auch", ist seine nüchterne Einschätzung. Am Ende ist nur ein gewiss: Wenn Apotheker beim nächsten Mal betonen, dass Medikamente aus ihrer Hand sicherer sind als aus dem Internet, wird ihnen weniger Glauben geschenkt.

bub/DPA/APN
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
Kunerich (17.04.2010, 20:38 Uhr)
Spende an die FDP
Bleibt nur zu hoffen, dass die beteiligten Apotheker zumindest einen Teil ihrer sauer verdienten Mehreinnahmen an ihre Förderpartei FDP weitergegeben haben, nachdem diese die Kontrolle der Apotheken immer mehr zurückgefahren hat. In diesem Fall können sie darauf hoffen, dass sie relativ ungeschoren aus der Sache herauskommen. Schließlich gehören sie ja trotz dieser Bedauerlichen Panne (des Erwischtwerdens) weiterhin zu den Leistungsträgern der Nation.
Lazarus09 (17.04.2010, 15:19 Uhr)
Apotheker und die Lizens zum Geldrucken
Seit Jahren versuchen Verbraucherorganisationen diese Gutmenschen zu entarnen..

Geweine wegen den Internetapotheken ..die Beratung und das Fachwissen währe nichtgegeben und nur zum Wohle des Kranken hält unser System die Hand über die Sysemrelevanten.

REALITÄT :
Beratung in Apotheken nach Tests auf unterstem Niveau.
Fachwissen nach Tests ( Partient möchte Medikamente die wegen Wechselwirkung nicht zusammen eingenommen werden dürfen ) Mehr als dürftig .

Klüngeleien mit den Ärtzen zu deren beider finanzellen Wohl ..keine Ausnahme ,wenig Aufklärung hohe Dunkelziffer .

Wen also wundert das , es geht nur noch um schnelles Geld ..Menschen bleiben auf der Strecke ..Orwell läßt grüßen
Hygieia (16.04.2010, 15:47 Uhr)
Chance für Krebspatienten
Diese neue Betrugserie im Krankheitssystem lässt einige Fragen aufkommen:

warum werden Chemotherapeutika nach Gutdünken eines Arztes angemischt? Diese Mischung kann vorher niemals abgetestet worden sein. D.h. jeder einzelne Krebskranke ist seinem behandelnden Arzt ohne Netz und doppelten Boden ausgeliefert.

Wie will ein Arzt abschätzen können, welche Mischung bzw. Dosierung für seinen Patienten die geeignete ist?

Sind die verwendeten Mischungen, bevor sie am Patienten eingesetzt werden, überhaupt jemals in Versuchsreihen getestet worden ? Und zwar gegen Placebo. d.h. eine isotonische Kochsalzlösung?

Nach meinen Informationen hat es vor dem Einsatz von Chemotherapie, die aus einer chemischen Kriegswaffe entwickelt wurde, noch NIE Versuche gegeben, ob Chemotherapie eine Krebserkrankung heilt.

Diese Versuche müssen dringend nachgeholt werden.

Aus Analysen der Heilungsraten bei Krebserkrankungen ist aus Australien und den USA ist inzwischen bekannt, dass Chemotherapie nur zu 2 Prozent zur Verlängerung des Lebens von Krebskranken beiträgt.Da kommt dieser Skandal gerade recht, um zu überprüfen, ob das massenhafte Verschreiben von Chemotherapie bei Krebserkrankungen überhaupt gerechtfertigt ist.

Dazu noch der ganz wichtige Satz, den Sie im Kopf haben sollten, bevor Sie der "Vernichtung" Ihres Tumors zustimmen:

der Tumor ist ein Symptom der Krebserkrankung, es ist nicht die Krebserkrankung selbst.

Wenn jetzt also nahezu alle Massnahmen gegen das Vernichten des Tumors gerichtet werden, muss das dem Patienten, der den Tumor hat, nicht unbedingt nützen.

Sollte es so gewesen sein, dass die Mischungen, die einige Apothker zusammengestellt haben, tatsächlich wirkungslos waren, dann haben sie - abgesehen von der strafbaren Bereicherung zu Lasten der Solidargemeinschaft - den Patienten womöglich zu einer verbesserten Gesundheit verholfen. Konnten womöglich Patienten geheilt werden, weil sie nur glaubten die Chemotherapie zu erhalten und von deren positiver Wirkung überzeugt waren? Diese Affäre könnte als Grundlage für Forschungsarbeiten genutzt werden:

Es istsehr zu hoffen, dass diese Betrugsserie in Deutschland Einiges zum Vorteil der von Krebs Betroffenen anstösst unter Anderem das Überprüfen des Nutzens von Chemotherapie.
JRx1 (16.04.2010, 06:33 Uhr)
@ Stern
Wenn ihr es wirklich ernst meint - und eine auflagenstarke Zeitung ( magazin) sein wollt - dann kaempft doch bis zum schluss - kaempft gegen apotheker die raffkes sind bis diese die lizenz verlieren - bewegt etwas oder seid ihr nur ein magazin von vielen? Bewegt euch und get market share!! Nicht nur bei diesen themen - es gibt so viele die angesprochen werden koennen!! Nur so ueberlebt ihr im magazin djungel! Ich kenne einen Apotheker in D - dorf der hat die Lizenz zum Geld drucken. Er ist einer von vielen warum die Gesundheitsvorsorge in D'land explodiert!

Stern sondert euch ab und werdet das Magazin das Bild nie werden kann!

WernerMeyer (16.04.2010, 05:26 Uhr)
Überrascht doch nicht oder?
Wir leben in einer völlig kaputten Gesellschaft.
jomimo (15.04.2010, 21:14 Uhr)
Wohne im Bereich von Dänemark ....
ehemals und hätte lieber die dänische Staatsangehörigkeit als die deutsche, doch mich fragt niemand !!!

Margrete wird heute 70 und niemand kann hinfliegen.
jomimo (15.04.2010, 21:06 Uhr)
Entzug der Lizenz ....
wäre schon gut und auch viel in diesem sehr merkwürdigen, zweifelhaften Land.
Wahrhyde (15.04.2010, 20:50 Uhr)
Dunkelziffer
Ich möchte hier das schöne Wort "Dunkelziffer" in Erinnerung bringen; steht es doch wie kein zweites für das Unbehagen, das Lebenskundige bei der Aufdeckung solcher 'Einzelfälle' beschleicht.
Corazito3333 (15.04.2010, 20:46 Uhr)
Man müßte diesen Typen sofort die Lizenz entziehen
und verklagen auf Schadenersatz und prüfen wieviel Menschen dadurch krank geworden sind oder tot sind!!!!
Wann gibt es Listen, welche Aptheken und welche Medikamente es betrifft??????
Corazito3333 (15.04.2010, 20:43 Uhr)
willkommen Apotheker im Verein der Raffkes
dann kann ich ja gleich im Internet kaufen......
Schimmelkäse - schlechtes Fleisch und jetzt Billig-Krebs-Medikamente - TOLL und Strafen gleich null.......... Man kann mit allem richtig Kohle machen, nur nicht mit ehrlicher Arbeit!!!! Und die Justiz - die Politiker VERSAGEN!!!
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