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3. Mai 2011, 16:07 Uhr

Versicherte geben ihren Ärzten Noten

Die Krankenkassen AOK und Barmer GEK wollen für mehr Transparenz im Gesundheitssystem sorgen. Ab sofort können Versicherte ihre Ärzte im Internet bewerten. Anfang nächsten Jahres sollen auch alle anderen Patienten das Arzt-Navi nutzen können.

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Künftig können niedergelassene Ärzte im Internet bewertet werden© Patrick Pleul/DPA

Rund 30 Millionen Versicherte der AOK und Barmer GEK können seit Dienstag im Internet ihre Ärzte beurteilen. Die beiden gesetzlichen Kassen starteten die bisher größte Patientenbefragung zur Zufriedenheit mit niedergelassenen Ärzten. Die Bewertungen fließen in ein nicht-kommerzielles Online-Portal ein, das Patienten künftig deutschlandweit bei der Suche nach einem geeigneten Arzt helfen soll.

Die Versicherten können in der Befragung unter anderem angeben, ob der Arzt sie in Entscheidungen einbezieht und notwendige Therapien verständlich erklärt, ob ihre Intimsphäre gewahrt wird und ob sie den Arzt an Freunde weiterempfehlen würden. Zudem gibt das neue Portal Anhaltspunkte dafür, ob sich der Arzt genug Zeit nimmt und auch regelmäßig nach der Verträglichkeit der verordneten Medikamente fragt.

In der neuen Online-Arztsuche, der eine Pilotphase in Berlin, Hamburg und Thüringen vorausging, sind alle niedergelassenen Mediziner verzeichnet. Die Ergebnisse zu einem Arzt werden erst veröffentlicht, wenn mindestens zehn Beurteilungen vorliegen. In die Befragung eingeschlossen sind nur Ärzte, die in regelmäßigem Kontakt zu ihren Patienten stehen. Pharmakologen und Pathologen können nicht beurteilt werden. Auch Zahnärzte und Psychotherapeuten sind noch nicht in die Befragung eingeschlossen, dies soll in einem nächsten Schritt geschehen. Ab Anfang 2012 können sich auch alle anderen Krankenkassen und deren Versicherte an dem Projekt beteiligen.

Patientenzufriedenheit im Durchschnitt hoch

Das Portal sei für Patienten entwickelt worden, richte sich aber nicht gegen Ärzte, betonte der stellvertretende Vorstandschef des AOK-Bundesverbandes, Jürgen Graalmann. Vielmehr erhielten die Ärzte über das Portal "ein systematisches Feedback ihrer Patienten". Auf freie Textfelder sei verzichtet worden, um unsachgemäße Äußerungen auszuschließen. Die ersten Ergebnisse aus den Pilotregionen hätten gezeigt, dass die Zufriedenheit der Patienten im Durchschnitt erfreulich hoch sei, erklärte Graalmann. Dennoch würden Unterschiede bei der Bewertung der Ärzte "deutlich erkennbar".

Nach Angaben des Vize-Vorstandschef der Barmer GEK, Rolf-Ulrich Schlenker, ist das System vor Manipulation geschützt, weil sich Versicherte mit den Angaben auf ihrer Krankenkassenkarte registrieren. Die Befragung selbst erfolge anonym. Ärzte könnten per Kommentar auf die Bewertungen reagieren, Schmähkritik sei nicht erlaubt, betonte Schlenker. Damit gelinge "der Balanceakt zwischen einem ausgeprägten Sicherheitsbedürfnis einerseits und einem hohen Maß an Benutzerfreundlichkeit andererseits".

Die neue Online-Arztsuche wurde von den beiden Krankenkassen und der Weissen Liste, einem Projekt der Bertelsmann Stiftung und der Dachverbände der größten Patienten- und Verbraucherorganisationen, entwickelt. Die Befragung und die Arztsuche sind unter folgenden Internetadressen erreichbar:

www.aok-arztnavi.de

http://arztnavi.barmer-gek.de

www.weisse-liste.de/arzt

mlr/AFP
 
 
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