Die Schweinegrippe hat Deutschland im Griff. Pünktlich zum Beginn der kalten Jahreszeit steigen die Fallzahlen. Und mit ihnen die Nachfrage nach dem Impfstoff - in vielen Bundesländern ist der mittlerweile knapp. Der Dresdner Hersteller Glaxo-Smith-Kline hat Probleme, die zugesagten Dosen zu produzieren. Unterdessen sind viele noch immer verunsichert: Ist die Impfung sinnvoll oder nicht? stern.de hat sich um Ihre Fragen rund um das Thema H1N1 gekümmert. Nutzen und mögliche Risiken der Impfung sollten Sie auf jeden Fall noch einmal mit Ihrem Arzt besprechen.
Die Impfung gegen H1N1 hat darauf laut stern.de-Grippe-Experte Winfried Kern keine Auswirkungen. Sie müssen also keine bestimmte Zeit nach der Impfung warten, bis sie schwanger werden.
Wenn der H1N1-Erreger stark mutiert, ist sehr wahrscheinlich eine neue Impfung nötig. Gegen das jetzt kursierende Virus und leichte Varianten sollten allerdings alle, die sich impfen lassen, eine Grundimmunität haben oder die Schweinegrippe bereits hatten, ein paar Jahre lang immun sein.
Die Ständige Impfkommission empfiehlt vorrangig Menschen mit chronischem Grundleiden, sich impfen zu lassen. Dazu zählen laut laut stern.de-Grippe-Experte Winfried Kern auch Allergiker. Da der Impfstoff Pandemrix auf Hühnereiern hergestellt wird, sollten Sie vor der Impfung allerdings eine Eiweißallergie ausschließen können.
In den kommenden Monaten ist es nicht zu erwarten, dass die beiden Impfstoffe - das Serum gegen Schweinegrippe und das Serum gegen die jährliche Influenza - noch zusammen in eine Impfung gefügt werden. Wer sich daher jetzt gegen beide Grippeviren schützen will, wird weiterhin beide Impfungen brauchen, ist sich Reinhard Berner vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Uniklinik Freiburg sicher. Der Impfstoff gegen die jährliche Grippe werde in Zukunft jedoch sehr wahrscheinlich das neue Virus enthalten, sagt der Mediziner Winfried Kern vom Uniklinikum Freiburg. Wer sich daher im kommenden Jahr gegen die saisonale Grippe immunisieren lässt, wäre dann auch automatisch gegen die Schweinegrippe geimpft.
Im Prinzip muss man sich in diesem Fall keine Sorgen machen. Nach ungefähr zwei Wochen sollte der Schutz wirken. Dann kann sich das Virus im Körper nicht mehr vermehren, die Krankheit bricht nicht aus. Für andere besteht dann keine Gefahr mehr, dass man zu einer Virusschleuder wird. Die üblichen Hygieneregeln sollten allerdings weiter beachtet werden - damit der Erreger nicht über die Hände weitergegeben wird.
Ihnen einen eindeutigen Ratschlag zu geben, ist zurzeit leider nicht möglich. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt zwar, dass Schwangere zügig geimpft werden sollten, da das Risiko von Komplikationen bei ihnen im Fall einer Erkrankung höher ist. Andererseits äußert sich die Stiko aber auch ganz klar, dass Schwangere einen Spaltimpfstoff ohne die umstrittenen Wirkverstärker erhalten sollen. Der ist in Deutschland zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vorhanden. Allerdings haben sich die Gesundheitsminister der Länder in dieser Woche darauf geeinigt, 150.000 zusätzliche Dosen eines wirkverstärkerfreien Impfstoffes speziell für Schwangere nachzubestellen. Diese sollen im Dezember geliefert werden.
Ihre Frau sollte daher unbedingt mit ihrem Arzt abwägen, ob sie sich im neunten Monat noch impfen lässt oder lieber nicht. Dabei sollte sie auch das persönliche Infektionsrisiko bedenken, das zum Beispiel höher sein kann, wenn sie viel mit Menschen zu tun hat. Eine Möglichkeit ist auch, dass Sie sich selbst impfen lassen - und so verhindern, dass Sie Ihre schwangere Frau anstecken.
Zuerst haben die Kinderärzte davon abgeraten, unter Dreijährige zu impfen, dann aber ihre Meinung geändert: Da sich die Schweinegrippe schnell ausbreitet, empfiehlt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) nun doch, alle Kleinkinder ab dem vollendeten sechsten Lebensmonat gegen die Schweinegrippe zu immunisieren. Studiendaten, die mittlerweile aus anderen europäischen Ländern erhältlich sind, würden zeigen, dass auch sehr kleine Kinder die Impfung gut vertragen. Zuvor hatten Kritiker gewarnt, dass die Wirkverstärker gerade bei jüngeren Patienten Überreaktionen des Immunsystems hervorrufen könnten. Zudem sei der Wirkstoff noch nicht ausreichend an Kindern getestet.
Geimpft werden sollen laut BVKJ vor allem Kinder, die ein chronisches Leiden wie Asthma, Stoffwechselerkrankungen oder Herzfehler haben. Ihr Junge würde daher nicht vorrangig dazu zählen. Trotzdem sollten Sie noch einmal mit Ihrem Kinderarzt besprechen, ob eine Impfung in Ihrem Fall doch Sinn macht. Zum Beispiel, da Ihr Kind sicher viel Kontakt mit anderen Kindern hat und sich daher auch schnell anstecken könnte.
Niemand kann Sie in Deutschland zu einer Impfung zwingen. "Die Impfung in Ihrem Fall dringend zu empfehlen, ist jedoch richtig", sagt stern.de-Grippe-Experte Winfried Kern.
Die Impfung gegen die Schweinegrippe wird von der Ständigen Impfkommission empfohlen. Bei allen Impfungen, zu denen der Staat aufruft, haftet er auch. Das ist keine Besonderheit. "Immer wenn es sich um öffentlich empfohlene Impfungen handelt, gibt es eine eingeschränkte Haftung für die Hersteller", sagt der Freiburger Mediziner Winfried Kern. Doch wer haftet dann? Kommt es zu einer gravierenden Nebenwirkung - wie zum Beispiel Lähmungen - ist der Staat in der Pflicht. Solange der Arzt keinen Fehler bei der Impfung gemacht hat. Denn dafür müsste wiederum der Mediziner gerade stehen - wenn er zum Beispiel den Impfstoff falsch verabreicht oder aufbewahrt hat. Auch der Hersteller haftet weiterhin begrenzt: laut Arzneimittelgesetz zum Beispiel, wenn er Erkenntnisse über ein Medikament verschweigt.
"Nein", sagt stern.de-Grippe-Experte Winfried Kern. "Das ist in diesem Fall allerdings auch gar nicht notwendig." Nutzen und Risiken unterscheiden sich nicht.
Der Arzt und Herausgeber des pharmakritischen "Arznei-Telegramms", Wolfram Becker-Brüser, hat Anfang August davon gesprochen, dass die Schweinegrippe-Impfung ein "Großversuch an der deutschen Bevölkerung" sei. Kritiker bemängeln dabei vor allem, dass die in der Impfung enthaltenen Wirkstoffverstärker nicht ausreichend getestet sind. Die US-Arzneimittelzulassungsbehörde FDA hat daher bei der Schweinegrippe-Impfung auf einen konventionell entwickelten Impfstoff ohne Adjuvantien gesetzt. Wirkverstärker waren in den USA lange nicht zugelassen. Seit Mitte Oktober - also noch recht kurz - ist einem in Amerika erhältlichen Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs allerdings ein Adjuvans beigefügt. Für die Konzerne ist die Schweinegrippe auch eine gute Möglichkeit, um Erfahrungen mit adjuvantierten Grippe-Impfstoffen zu sammeln. Ob man sich deshalb als Versuchskaninchen betrachtet, muss jeder für sich selbst entscheiden.
Da es in Deutschland keine Impfpflicht gibt, kann auch dem medizinischen Personal eine Immunisierung nicht vorgeschrieben werden. Nachdem immer wieder berichtet wurde, dass Ärzte der Impfung skeptisch gegenüberstehen, hat nun der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, die Mediziner aufgefordert, sich gegen die Schweinegrippe impfen zu lassen. Diese würden so nicht nur sich selbst schützen, sondern auch die ihnen anvertrauten Patienten. Medizinisches Personal hat derzeit vorrangig Zugriff auf die knappen Impfdosen. Manche Ärzte gehen allerdings bislang davon aus, dass der Nutzen der Impfung bei einem milden Virus einen seltenen, aber möglichen Schaden nicht rechtfertige. Allerdings: Je mehr Menschen sich impfen lassen, desto eher kann die Zahl der Neuinfektionen begrenzt werden - und mit ihr die Möglichkeit, dass das Virus mutiert.