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Warum sind die meisten Menschen Rechtshänder?

Die meisten Menschen nutzen am liebsten ihre rechte Hand. Aber warum sind Linkshänder eigentlich so selten? Eine Fall für P.M. Fragen & Antworten.

Eine Frau schreibt mit der linken Hand auf ein Flipchart

Mit links können nur die wenigsten Menschen schreiben

Gleich mehrere Theorien erklären, warum Rechtshänder dominieren - und es ist möglich, dass jede von ihnen ein bisschen stimmt. Die "Theorie der Peloponnesischen Kriege" besagt, dass Soldaten, die im Kampf ihre Schilde links hielten (und damit die Waffe rechts führten), eine etwas erhöhte Überlebenschance hatten, weil das Herz auf der linken Seite des Körpers besser geschützt gewesen sei. Damit sei Rechtshändigkeit als kleiner Vorteil vermehrt an die nächste Generation weitergegeben worden.

Mit der Position des Herzens argumentiert auch die "Babytheorie". Mütter halten ihre Babys links und damit näher am Herzschlag, rechts können sie derweil andere Dinge erledigen. Eine linkshändige Mutter, die ihr Baby links hält, sei im Gefahrfall benachteiligt gewesen. In eine ähnliche Richtung wie die Theorie der rechtshändigen Soldaten geht die "Kooperationstheorie". Menschen sind soziale Wesen. Wenn die große Mehrheit rechtshändig ist, profitiert die gesamte Gemeinschaft, das beginnt schon bei der Werkzeugherstellung.


Linkshändige Könige

Anhänger der "Imitationstheorie" glauben: Wenn alle Menschen es mit rechts vormachen, dann fällt es Kindern leichter, etwas zu lernen, als wenn Papi es mit rechts zeigt und der Onkel mit links. Recht neu ist die "Dextral-Chance-Theorie" oder DC-Theorie (dextral=rechts). Sie besagt, dass Linkshändigkeit genetisch rezessiv ist, während Rechtshändigkeit durchsetzungsfähiger ist. Die berühmteste Linkshand-Familie ist das englische Königshaus. Auch überproportional viele Schotten, die Carroder Kerr heißen, sind Linkshänder, weil sie von dem Kerr-Clan aus dem Mittelalter abstammen, der für seine Linkshändigkeit berühmt war (und auch seine Burgen entsprechend baute).

Und zum Schluss ist Linkshändigkeit mit einem sozialen Stigma versehen. Das war schon im Lateinischen so ("sinister" heißt "links" und "böse") und hält sich in fast jeder Sprache, auch im Deutschen. Rechts ist rechtschaffen, links klingt nach linkisch und linker Nummer. Oft wurden gebürtige Linkshänder in ihrer Kindheit auf rechts umgeschult.


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