. .
Film, Kino, DVD
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
8. März 2010, 07:46 Uhr

"Oscar und Penelope, das ist Über-Bingo!"

Ein Oscar für Christoph Waltz, kein Oscar für Michael Haneke und der historische Sieg der Kathryn Bigelow: Eine Preisverleihung, die mit Effizienz durchgeführt wurde, aber wenig Magie versprühte. Von Ulrike von Bülow

Oscar, Oscarverleihung, Christoph Waltz, Jeff Bridges, Sandra Bullock, Kathryn Bigelow, Regie-Oscar, die erste Frau

Fotoshooting mit Oscar: Christoph Waltz, ausgezeichnet als bester Nebendarsteller© Jason Merritt/Getty Images

Es war kurz vor 16 Uhr Ortszeit in Los Angeles, als Christoph Waltz seiner Krönung entgegen schritt. Waltz, schwarzer Smoking, grauer Vollbart, erschien vor dem Kodak-Theater, in dem an diesem Sonntag die 82. Oscar-Verleihung stattfinden sollte. Er lief über den roten Teppich, zusammen mit seiner Lebensgefährtin Judith Holste, die ein schwarzes Kleid trug, Träger über Kreuz.

Die beiden waren ziemlich unauffällig unterwegs, hinter den Rücken der Superstars, die in irgendwelche Mikrophone sprachen. Wie Sandra Bullock, die in einer gülden schimmernden Robe da stand und sagte, dass sie "furchtbar pessimistisch" sei, was ihre erste Oscar-Nominierung betraf, Kategorie beste Hauptdarstellerin. Es dauerte gefühlte hundert Teppichmeter, bis die Reporter Christoph Waltz beiseite nahmen, "Christoph Whoaltz!", wie sie ihn riefen.

Indie-Kriegsfilm schlägt Blockbuster

Nun ist der zwar kein Unbekannter mehr in Hollywood, denn Waltz gewann hier in den vergangenen Wochen einen Preis nach dem anderen - für seine Rolle des SS-Standartenführers Hans Landa in "Inglourious Basterds" von Quentin Tarantino. Eine Rolle, in der Waltz so brillant ist, dass er mit dem National Society of Film Critics Award und dem Screen Actors Guild Award ausgezeichnet wurde und natürlich mit dem Golden Globe, stets als bester Nebendarsteller. Jetzt war er für den Oscar nominiert, und es war keine Frage, dass er ihn gewinnen würde. Da waren sich die Experten so was von einig, dass die Reporter nur noch von ihm wissen wollten, wo er denn seine Dankesrede versteckt habe - in der Jackett-Tasche? Ach nein, sagte Waltz, "die ist in meinem Kopf".

Zwei klare Favoriten gab es bei dieser Oscar-Verleihung: Christoph Waltz und "Tödliches Kommando - The Hurt Locker", das herausragende Kriegsdrama von Regisseurin Kathryn Bigelow, das neun Mal vorgeschlagen war, und damit genauso viele Nominierungen hatte wie "Avatar", das nicht weniger herausragende 3D-Spektakel von James Cameron, dem Ex-Gatten Bigelows. Der liegt an den Kinokassen Lichtjahre vor ihr, da "Avatar" über zwei Milliarden Dollar eingespielt hat und "The Hurt Locker" höchstens ein Hundertstel davon. Bigelows Film aber, der sich um ein Team von Bombenentschärfern im Irak dreht, hat die Kritiker dermaßen nachhaltig beeindruckt, dass niemand daran zweifelte, wer an diesem Abend abräumen würde: sie. Aber wie sehr? Und was würde James Cameron dazu sagen? Und welch' schönes Thema für ein paar Späße war das?!

Señora Cruz rollt das R

So begann denn auch die Verleihung: Die beiden Gastgeber Steve Martin und Alec Baldwin betraten die Bühne des Kodak-Theater und legten ein drolliges Entrée hin. "Ist das da der Regisseur von Avatar?", fragte Steve Martin und zeigte auf James Cameron. Baldwin nickte, dann zogen die Herren 3D-Brillen aus ihrer Hosentasche, diese Modelle aus den 80er Jahren, weiße Pappe, ein rotes, ein grünes Sichtfeld, und setzten sie auf. Großes Gelächter bei den Zuschauern, kleines Grinsen bei James Cameron. "Kathryn Bigelow hat James Cameron einen Geschenkkorb schicken lassen", sagte dann Alec Baldwin, "mit einem Zeitzünder daran." Großes Gelächter bei Bigelow, kleines Grinsen bei Cameron. "Sie bekam dafür einen Toyota." Dann war es Zeit für die erste Nicht-Überraschung.

Penelope Cruz, bildschön im trägerlosen, bordeauxroten Kleid, Señora Cruz, die das R immer so hübsch rollt, ehrte den "best supporrrting actorrrr", wie sie sagte, den besten Nebendarsteller - "Crrristoph Waaaltz!". Der atmete einmal tief ein, ließ sich von der Lebensgefährtin küssen, dann ging er auf die Bühne, ließ sich von Penelope Cruz herzen und griff sich seinen Preis. "Oscar und Penelope, das ist Über-Bingo!", sprach Waltz. Dann hielt er die Rede aus seinem Kopf und dankte den Mitschauspielern, den Produzenten, dem Regisseur, "Quentin, mit seiner unorthodoxen Art zu arbeiten!", sagte Waltz. Dann verließ die Bühne mit einem smarten Lächeln und mit Penelope Cruz, die sich bei ihm einhakte.

Es hätte noch weitere deutschsprachige Gewinner geben können an diesem Abend. Den österreichischen Regisseur Michael Haneke zum Beispiel, dessen "Das weiße Band" für zwei Oscars nominiert war: für den besten fremdsprachigen Film und die beste Kamera. Der unterlag aber in der ersten Kategorie "El Secreto de Sus Ojos" aus Argentinien und verlor in der zweiten gegen "Avatar". Und dann war da ja noch Sandra Bullock, Tochter einer deutschen Mutter und eines amerikanischen Vaters, die ihre ersten zwölf Lebensjahre in Nürnberg verbracht hat. Vor ein paar Wochen, als Bullock einen Golden Globe als beste Hauptdarstellerin gewann, grüßte sie bei ihrer Dankesrede noch ihre "german family", der sie dann auf Deutsch zuwarf: "Ihr geht jetzt ins Bett, Zähne putzen!"

Seite 1: "Oscar und Penelope, das ist Über-Bingo!"
Seite 2: "Hahaaah! Uhuuuh!" jubelt Jeff Bridges
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Hollywood Regie-Oscar geht erstmals an eine Frau

Die Oscars sind zum 82. Mal vergeben worden. Gewinner der diesjährigen Academy Awards sind anders als erwartet nicht die blauen Aliens aus "Avatar", sondern eine Frau - und Christoph Waltz. mehr...

Oscar-Preisträger Jeff Bridges Der Glücksritter von Hollywood

Er ist im Showgeschäft, seit er ein Baby ist, und hat alles richtig gemacht: keine Affären, keine Rollenfehlgriffe, keine Aussetzer. Vom Loser bis zum Charmeur beherrscht er jede Rolle. Jetzt wurde Jeff Bridges mit dem Oscar ausgezeichnet. mehr...

 
stern testen, Serie sichern

Jetzt den stern inklusive der aktuellen Gesundheits-Serie testen! Jetzt sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (8/2012)
Whitney Houston