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23. Februar 2006, 14:56 Uhr

Der Pakt mit dem Teufel wankt

Derzeit werden in den USA Filme gedreht, in denen die einst so klaren Fronten zwischen Guten und Bösen verwischen. Dadurch schwindet der Einfluss der CIA auf die positive Eigendarstellung in Hollywood-Streifen. Von Bernd Teichmann

George Clooney als CIA-Agent Bob Barnes in "Syriana"© Warner Bros.

Das Studium der Tageszeitungen dürfte für Chase Brandon eine deprimierende Angelegenheit sein. Auf den Politik-Seiten muss er über Foltervorwürfe, geheime Flüge durch Europa und verborgene Gefängnisse der CIA in diversen Ex-Ostblock-Staaten lesen.

Und auch der Blick ins Filmprogramm bereitet dem Kontaktmann zwischen der Central Intelligence Agency und Hollywood wenig Freude. Kino 1: "Jarhead", ein wehrkraftzersetzendes Psychogramm über gelangweilte GI's im ersten Golfkrieg. Kino 2: "Good Night, and Good Luck", die Geschichte eines mutigen TV-Moderatoren, der sich in den Fünfzigern gegen die anti-kommunistische Hetze des konservativen Senators Joseph McCarthy auflehnte. Kino 3: "Syriana", ein cleveres Drama über die Verflechtungen von CIA, Politik und Öl-Industrie. Kino 4: "Der ewige Gärtner", die Verfilmung des John Le Carré-Romans über die Machenschaften von Pharma-Konzernen und Politikern in Afrika. Kino 5: "Lord of War", das Porträt eines zynischen Waffendealers, der Knarren an afrikanische Diktatoren verkauft.

Kino reflektiert schwindendes Vertrauen in die US-Regierung

Die vermeintliche Befreiung des Irak stockt. US-Soldaten sterben oder foltern. Und die CIA spielt rücksichtslos die Carte Blanche aus, die ihnen Präsident George W. Bush nach den Anschlägen vom 11. September 2001 für den Krieg gegen den Terror unterzeichnete. Das Klima in Amerika wandelt sich, das Vertrauen gegenüber der konservativen Regierung schwindet, was sich auch im Kino verstärkt widerspiegelt.

Filmemacher in der Rolle der Opposition

Seit Hollywood in den siebziger Jahren mit Produktionen wie "Zeuge einer Verschwörung", "Die drei Tage des Condor" oder "Coming Home" auf die Watergate-Affäre und den Vietnamkrieg reagierte, wurden dort nicht mehr so viele sozialkritische und politisch ambitionierte Filme gedreht. "Wir bekommen in den Medien keine adäquaten Informationen", begründet etwa der Schriftsteller John Le Carré diese Entwicklung. "Und in den USA und Großbritannien verfügen wir über keine nennenswerte parlamentarische Opposition. Deshalb fällt Autoren und Filmemachern die Verantwortung zu, diese Informationslücke zu schließen."

Gutes Image im Austausch für Equipment und Drehorte

Schwere Zeiten für Chase Brandon. Der graubärtige Ex-Agent ist für das positive Image seines Arbeitgebers in Fernseh- und Kinofilmen verantwortlich. Der Deal funktioniert ähnlich wie beim Militär oder FBI, die schon seit vielen Jahren kostensparend Equipment, Know-how und Drehorte zur Verfügung stellen und sich damit im Gegenzug ein vorteilhaft gezeichnetes Bild erkaufen, wie etwa in "Top Gun", "Air Force One" oder "Das Schweigen der Lämmer". Offiziell begonnen hatte diese Liaison Mitte der neunziger Jahre. Die CIA meinte, einen steigenden Trend in der Entertainment-Industrie erkannt zu haben, wonach ihre Agenten ständig als fiese, hinterhältige Gesellen präsentiert wurden - wie etwa in Wolfgang Petersens "In the Line of Fire" (1993), in dem John Malkovich als psychopathischer Ex-CIAler den Präsidenten umbringen will.

Tom-Clancy-Blockbuster sind nicht mehr gefragt

1996 installierte Langley Chase Brandon, der gewillten Produzenten „Beratung und Recherche-Assistenz“ feilbot, etwa für die Serien "The Agency" und "Alias" oder Kinofilme wie "Bad Company" und "Der Einsatz". Bei weniger schmeichelhaften Werken wie "Das Mercury Puzzle", "Staatsfeind Nr. 1", "Spy Game" oder "Die Bourne Identität", in denen die Agency Jagden auf unschuldige Bürger oder die eigenen Leute veranstaltete, lehnte Brandon hingegen jegliche Hilfe ab: "Wenn uns jemand verleumden will, besteht von uns aus kein Interesse einer Zusammenarbeit."

Produzenten, Drehbuchautoren und Regisseure von den positiven Aspekten einer Organisation zu überzeugen, die wie in den schlimmsten Phasen des Kalten Krieges weltweit nach Gutsherrenart wütet, gestaltet sich für Chase Brandon zunehmend komplizierter. "In unserem Land herrscht schon seit den neunziger Jahren eine gewisse Ernüchterung", weiß Stacey Snider, Studio-Chefin von Universal. "Damals war der typische Spionagefilm ein Tom-Clancy-Blockbuster". Doch solche Filme werden heute nicht mehr toleriert: "Wir können es uns heute nicht mehr leisten, mit solchen Themen unseren Spaß zu haben – dafür steht zuviel auf dem Spiel."

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