Neue und alte Aufnahmen von Eric Clapton, Muddy Waters, Jamie Cullum, Van Halen, Ray Charles und anderen: Carsten Scheibe hat sich aktuelle Musik-DVDs angeschaut.

"Slowhand" bittet zum Konzert© Warner Music
Gitarrengott Eric Clapton hing in früheren Zeiten böse an der Flasche. Diese Sucht ist zum Glück überwunden. Da viele Musikerfreunde von Clapton aber am Alkohol zugrunde gegangen sind, hat Clapton im Jahr 1998 die Hilfsorganisation Crossroads auf Antigua gegründet. Um diese Organisation mit frischen Finanzen auszustatten, lud Clapton am 4. bis 6. Juni 2004 zahllose Gitarrenspieler zum mehrtätigen Charity-Musikfestival "Crossroads" in die Cotton Bowl in Dallas, Texas, ein. Die beiden DVDs des Konzertmitschnitts zeigen leider nur 218 zusammengeschnittene Minuten des dreitägigen Musik-Events, sodass der Zuschauer auf viele interessante Songs und Bands verzichten muss.
Trotzdem: Dieser Konzertmitschnitt ist ein absolutes Muss für alle Freunde harter und bluesiger Gitarrenmusik. Optisch ist der Mitschnitt absolut brillant und zeigt jedes Detail klar und in leuchtenden Farben. Auch der Sound braucht sich nicht zu verstecken: In DTS klingen die harten Gitarrenriffs richtig gut - vor allem dann, wenn die Lautsprecher richtig aufgedreht werden und der Subwoofer mehr Saft bekommt. Mit dem PC kann inzwischen jeder Depp Musik machen. Wer aber an der E-Gitarre überzeugen möchte, muss schon etwas auf dem Kasten haben. Ganz in diesem Sinne hat Eric Clapton nur die Besten seiner Zunft auf die Bühne geholt. Sie spielen Blues, Folk, Country, Bluegrass und harten Rock - eine faszinierende Mischung. Clapton kommt in Shorts und Badelatschen zwar etwas schluffig daher, aber - er war schon immer mehr ein introvertierter Spieler denn ein überzeugender Präsenteur.
Das Aufgebot der Edelmusiker kann sich sehen lassen. B. B. King, J.J. Cale, Carlos Santana, Joe Walsh und James Taylor finden sich auf der Bühne ein, um alleine oder zusammen mit Clapton ein paar live gesungene und dabei komplett neu eingespielte Titel zu performen. 34 Songs lang darf der Zuhörer in ewig langen Gitarrensoli schwelgen, die sich aus dem Menü heraus sogar einzeln aufrufen lassen. Dabei zeigt sich, dass die besten Stücke oft von den Musikern stammen, die hierzulande noch gar nicht so bekannt sind oder bestenfalls als Geheimtipp gelten. Das Urgestein Joe Walsh mit seinem faltigen Gesicht ist so ein Blueser, der das Publikum sofort gefangen nimmt und auf den Brettern der Bühne so hart arbeitet, dass ihm der Schweiß über die Haut läuft.
Viele echte Klassiker werden auf dem Crossroads Guitar Festival gespielt, darunter auch "Cocaine", "Sweet Home Chicago", "I am a Man of Constant Sorrow", "I Shot The Sheriff" und "Have You Ever Loved A Woman". Wer der Meinung ist, dem Konzert fehlt es ein wenig an der nötigen metallischen Härte einer brutal gespielten E-Gitarre, der sollte schnell zum Ende vorspulen. Die Bärtigen von ZZ Top zeigen zum Finale noch einmal, wie sie auf ihren Gitarren rocken können - zu ihren Erfolgshits "La Grange" und "Tush".
Störend ist allein, dass zwischen den einzelnen Auftritten immer wieder Kurzinterviews mit den Musikern eingeblendet werden. Die hätte man vielleicht besser an das Ende der DVD gestellt, um die grandiose Atmosphäre des Konzerts an einem Stück genießen zu können. Da die einzelnen Gigs aber eh zusammengeschnitten wurden, haben die Produzenten die Interviews vielleicht auch ganz gezielt genutzt, um die harschen Übergänge zwischen den Songs abzupuffern. Warner Music, DD 5.1+DTS, 253 Minuten, 30 Euro,