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29. Juli 2009, 06:29 Uhr

Tarantinos "Basterds" erobern Berlin

Starauflauf in Berlin: Quentin Tarantinos Weltkriegs-Märchen "Inglourious Basterds" hat am Potsdamer Platz Deutschlandpremiere gefeiert. Der Regisseur und Stars wie Brad Pitt, Christoph Waltz und Diane Kruger wurden von Fans und Gästen lauthals bejubelt. Von Kester Schlenz

Inglourious Basterds, Quentin Tarantino, Brad Pitt, Til Schweiger, Daniel Brühl, Nazisplatterfilm

"Die Premiere ist eine gute Ausrede, in Berlin zu sein": Brad Pitt (r.) mit Quentin Tarantino und Melanie Laurent© Axel Schmidt/AFP

Der Führer fühlte sich sichtlich unwohl. Martin Wuttke, der in Quentin Tarantinos neuem Film einen grandiosen Hitler gibt, ist Theatermann. Filmpremieren mit rotem Teppich, kreischenden Fans und Blitzlichtgewitter sind offenbar nicht so sein Ding. Seine Kollegen Til Schweiger und Daniel Brühl waren sichtlich lockerer bei der Deutschlandpremiere von "Inglourious Basterds".

Und sie eroberten Berlin im Sturm. Mit anhaltend begeistertem Beifall feierten am Dienstagabend knapp 2000 Gäste Tarantinos Weltkriegs-Märchen, das die Geschichte einfach mal eben umschreibt. Der amerikanische Kultregisseur ("Pulp Fiction") brachte fast seine komplette internationale Schauspielercrew mit auf den roten Teppich vor dem Theater am Potsdamer Platz. Hunderte Fans bejubelten Hollywoodstar Brad Pitt und seine deutschsprachigen Mitspieler Christoph Waltz, Til Schweiger, Daniel Brühl, Diane Kruger, Martin Wuttke, Sylvester Groth, Gedeon Burkhard, Christian Berkel und August Diehl.

Die nahmen sich viel Zeit, um Autogramme zu geben. Ein aufgekratzter Tarantino kam mit einzelnen Bewunderern immer wieder ins Plaudern. Die Premiere sei eine gute Ausrede, wieder in Berlin zu sein, witzelte Pitt, der seine Frau Angelina Jolie und die Kinder diesmal allerdings zu Hause gelassen hatte.

Stehende Ovationen

"Ein rasanter Trip auf dem dreckigen Pfad der Vergeltung" stand auf der Einladung - was allerdings untertrieben war. Tarantino hat schlichtweg ein Meisterwerk abgeliefert. Die Geschichte über ein jüdisches Sonderkommando der US-Armee, das im Zweiten Weltkrieg in Frankreich Nazis jagt und tötet, und eine Kinobesitzerin als jüdische Rachegöttin ist grandioses, großes Kino. Das Premieren-Publikum war begeistert. Es gab stehende Ovationen für den Regisseur und sein Star-Ensemble. Vor allem Christoph Waltz wurde für seine überragende Leistung als SS-Bösewicht Hans Landa gefeiert. Bei den Filmfestspielen in Cannes wurde er für diesen Auftritt bereits mit dem Darstellerpreis ausgezeichnet. Und natürlich haben alle auf Brad Pitt gewartet, der locker wie zum Abendessen unter Freunden in den Kinosaal geschlendert kam - mit einem Bier in der Hand. Großes Geherze mit Tarantino. Der war sichtlich aufgekratzt und lobte überschwänglich Berlin und den deutschen Film, den er sehr bewundere.

Waltz blieb dagegen trotz aller Bewunderung fast schüchtern zurückhaltend. Nur als ihm ein nerviger Privatfernsehreporter auf dem roten Teppich doofe Fragen zum Nazithema im Kino stellte, wurde er kurz ungehalten: "Sehen Sie denn nicht, was hier los ist? Meinen Sie wirklich, dass das der Zeitpunkt für derartige Erörterungen ist?".

Großartiger Film, solide Premiere

Diane Kruger, die als Einzige in diesem Film nicht überzeugt, schwebte überschminkt wie eine Hollywood-Göttin durchs Kino. Melanie Laurent als jüdische Rachegöttin Shoshanna Dreyfuss stahl ihr in jeder Beziehung die Show. Fazit: großartiger Film, solide Premiere mit ordentlicher Party im Anschluss, allerdings ohne Pitt. Der feierte in einem abgesperrten Bereich, während sich Wuttke, Brühl, Schweiger und Co. unters Volk mischten. So cool ist der Mann dann also doch wieder nicht.

Unter den Premierengästen war viel Filmprominenz. Gesichtet wurden die Schauspieler Heike Makatsch, Otto Sander und Andrea Sawatzki, Produzent Bernd Eichinger, Michi Beck von den Fantastischen Vier und Regisseur Tom Tykwer, der die deutschen Passagen der Tarantino-Dialoge übersetzt hat. "Ich würde gerne wieder einmal in Babelsberg drehen", sagte Tarantino, nach dem auf dem traditionsreichen Filmgelände seit Montagabend auch eine Straße benannt ist.

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Von Kester Schlenz
 
 
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