Eine "Tatort"-Inflation

30. Dezember 2012, 14:01 Uhr

So viel "Tatort" war nie: 35 Erstausstrahlungen hatte 2012 zu bieten. Und rundherum wurde viel vermeldet und diskutiert. 2013 kommt es noch geballter - da verliert so mancher den Überblick.

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Auch die Schauspieler Christian Ulmen und Nora Tschirner werden im kommenden Jahr als "Tatort"-Kommissare ermitteln©

Für "Tatort"-Fans wird 2013 ein ereignisreiches Jahr: fünf neue Teams gehen an den Start. Es gilt, den Überblick zu bewahren und sich im Kalender Termine anzustreichen. Die Schlagzahl ist erhöht. Mit 35 Erstausstrahlungen und viel Theater rund um die Krimireihe waren die vergangenen zwölf Monate bereits ein bewegtes "Tatort"-Jahr.

Am 27. Januar sendet die ARD den Fall "Melinda", der erste neue Saarbrücker "Tatort" mit Devid Striesow und Elisabeth Brück (als Jens Stellbrink und Lisa Marx). Und wahrscheinlich folgt am 10. März (der NDR bestätigt es noch nicht) der lang erwartete neue Hamburger "Tatort" mit Ermittler Nick Tschiller (gespielt von Til Schweiger) und seinem Kollegen Yalcin Gümer (Fahri Yardim).

Holt der actionreiche Schweiger-Premierenfilm "...und bist du nicht willig" von Regisseur Christian Alvart, in dem es um Kinderprostitution geht, sogar eine höhere Quote als die klamaukigen Münsteraner Rekord-Krimis mit Axel Prahl und Jan Josef Liefers?

Skurriles aus Weimar

Ende 2013 geht in Erfurt das bislang jüngste Ermittlerteam (Alina Levshin, 28, Friedrich Mücke, 31, und Benjamin Kramme, 30) auf Verbrecherjagd, außerdem tritt Wotan Wilke Möhring als norddeutscher Ermittler Thorsten Falke an (der erste Fall spielt in Hamburg, trotzdem soll es keine Schweiger-Konkurrenz sein).

Und zu Weihnachten kommenden Jahres gibt es dann den ersten skurrilen Krimi aus Weimar mit Christian Ulmen und Nora Tschirner (er als vornamenloser Kommissar Lessing und sie als Kommissarin Kira Dorn). "Wir beide werden garantiert den weltbesten "Tatort" machen", sagte Ulmen kürzlich ganz unbescheiden der Zeitschrift "TV Movie".

Was das ablaufende Jahr angeht, so ist sich die TV-Nation uneins: War 2012 ein gutes "Tatort"-Jahr oder eine harte Probe? Kaum eine Woche ohne News rund um die beliebte ARD-Krimireihe. Manchen Zuschauer hat das viele "Tatort"-Theater irritiert.

"Tatort" entwickelt sich zu "Blase"

"Das fängt an, auch mich zu nerven", antwortete etwa (der ebenfalls manchen nervende) Thomas Gottschalk in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" einer Leserin, die von ihm wissen wollte, wie er sich die Liebe der Deutschen zum "Tatort" erkläre. Und "Stromberg"-Darsteller Christoph Maria Herbst gestand der Illustrierten "Bunte": "Ich habe da komplett den Überblick verloren."

Sogar einige "Tatort"-Kommissare zeigten sich verwundert: "Der "Tatort" ist eine Blase geworden", sagte Ulrich Tukur (der hessische Ermittler Felix Murot, der 2012 keinen Fall im TV hatte). "Es gibt ja fast keine deutsche Stadt mehr über 100.000 Einwohner, die nicht über einen "Tatort"-Kommissar verfügte."

Der Berliner TV-Ermittler Dominic Raacke sagte dem "Focus", die ARD müsse aufpassen, "die Marke "Tatort" nicht immer weiter aufzublasen, am Ende platzt sie noch." Und auch der neue Dortmunder TV-Polizist Jörg Hartmann kritisierte im Magazin "In" die Ermittler-Inflation. "Ich finde es sehr schade, dass die meisten Kommissare keinen persönlichen Bezug mehr zum Ort der Ermittlungen haben."

Lesen Sie auf Seite zwei, welche Ermittlerteams im nächsten Jahr neu dazukommen.

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