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16. März 2009, 10:11 Uhr

Die Terroristin, die in die Wanne pinkelt

Verfassungsschutz, Terroranschläge und ein afrikanischer Diktator: "Tatort"-Kommissarin Charlotte Lindholm kämpft mal wieder gegen die ganze Welt. Dann tauchen auch noch Gespenster aus ihrer Vergangenheit auf. Und die Terroristin sitzt in ihrer Badewanne. Von Carsten Heidböhmer

Quietscheente und Knarre: Wer bedroht Kommissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) in der Badewanne?© Christine Schröder/NDR

Das gibt es nur bei Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler): Als sie am Abend eines anstrengenden Arbeitstages in der Badewanne ausspannen will, steht auf einmal mit gezückter Waffe eine Terroristin vor ihr, entkleidet sich und setzt sich zu ihr in die Wanne. Schließlich pinkeln die beiden Frauen gemeinsam ins Wasser. Das haben sie schon früher so gemacht. Denn die Terroristin und die Kommissarin - sie sind Freunde aus frühesten Kindertagen.

Bei keinem anderen "Tatort" ist der Ermittler so stark privat involviert wie bei den Fällen von Charlotte Lindholm. Nahezu jede Folge fußt auf einer persönlichen Verstrickung der Ermittlerin in den Fall. Zunächst fing sie eine Liaison mit ihrem Vorgesetzten an und leistete öffentlich Trauerarbeit, als dieser im Dienst ums Leben kam. An ihrem Beispiel erlebte die Fernsehnation, wie eine Kommissarin schwanger ihren Dienst verrichtet und diskutierte parallel zu Ursula von der Leyens Familienpolitik über die Vereinbarkeit von Kind und Berufstätigkeit. Wenn Charlotte Lindholm im Umfeld der Atomtransporte im Wendland ermittelt, wird sie automatisch mit ihrer umweltbewegten Vergangenheit konfrontiert. Und wenn eine Terroristin im beschaulichen Hannover auftaucht, landet sie direkt in ihrer Badewanne.

Die ständige persönliche Betroffenheit

Obwohl diese ständige persönliche Betroffenheit der Kommissarin gründlich nervt, ist die aktuelle Folge "Das Gespenst" ein höchst spannender Fall geworden, der interessante Anstöße liefert zu der Frage, wie weit ein Rechtsstaat gehen darf, um terroristische Gefahren abzuwenden. Dass diese Diskussion nicht immer automatisch in Guantánamo enden muss, belegte dieser gelungene Film.

Ausgangspunkt sind die beiden einstigen Freundinnen: Während "die wilde Lotte Lindholm" auf Seiten des Staates Mörder jagt, hat sich Manuela Seehausen (Karoline Eichhorn) in Afrika einer terroristischen Gruppe angeschlossen. Jetzt ist sie wieder in Deutschland aufgetaucht und hat vor dem Hannoveraner Flughafen einen Polizisten erschossen. Schnell gelingt es Lindholm, die Täterin zu fassen. Doch dann schaltet sich der Verfassungsschutz ein und lässt sie unter fadenscheinigen Argumenten wieder frei.

Trotz eindeutiger Warnungen ermittelt die Kommissarin weiter und erfährt, dass ihre Freundin als Verbindungsfrau für den deutschen Verfassungsschutz arbeitet und die in Afrika operierende terroristische "Osburg-Gruppe" ausspioniert. Weil ein brutaler Machthaber aus Äquatorial-Afrika in einem Hannover Krankenhaus operiert wird, hat die Gruppe ihr Einsatzgebiet nach Deutschland verlegt - im liberalen Rechtsstaat scheint Tyrannenmord einfacher möglich als in einer hochgerüsteten Diktatur.

Wie weit darf der Verfassungsschutz gehen?

Lindholm muss zwei Gegnern gleichzeitig bekämpfen: Auf der einen Seite die Terroristen, die für eine vorgeblich gute Sache einen Menschen ermorden wollen. Auf der anderen Seite den Verfassungsschutz, der es mit der Einhaltung der Rechtsgrundlagen, die er zu schützen vorgibt, selbst nicht so genau nimmt. Oder wie es der zwielichtige Verfassungsschützer Klaus Ritter (Hansa Czypionka) sagt: "Wir müssen zu allem fähig sein, nur so werden wir den Terroristen ebenbürtig."

Dank ihrer kühlen, unnahbaren Art gelingt es Lindholm, sich von keiner der beiden Seiten einnehmen zu lassen. Die Argumente überzeugen sie nicht: Weder billigt sie Terroristen das Recht zu, im Namen der Gerechtigkeit brutale Diktatoren zu ermorden, noch tritt sie für einen wehrhaften Staat ein, der buchstäblich über Leichen geht, um sich zu schützen. Charlotte Lindholm verkörpert das gute Gewissen und die moralische Integrität des Rechtsstaats, der eben nicht nur von Terroristen, sondern in gleichem Maße von übereifrigen Beschützern bedroht wird.

Am Ende ist die Terroristin tot. Der Verfassungsschützer wird wohl davon kommen: Er hat rechtzeitig alle Spuren seiner kriminellen Verstrickungen beseitigen können. Die Terroristin ist tot, er wird aber weiter Gesetze beugen und brechen können. Da bleibt noch viel zu tun für Charlotte Lindholm. Wenn ihre nächsten Fälle wieder so spannend und stringent erzählt sind, nimmt man ihre permanenten persönlichen Verstrickungen gerne in Kauf.

Von Carsten Heidböhmer
 
 
KOMMENTARE (10 von 17)
 
drumboy (24.03.2009, 13:06 Uhr)
Der Deutschen liebstes Kind...
...ist wohl Charlotte Lindholm. Sicher, Maria Furtwaengler ist eine herovrragend Schauspielerin. Trotzdem sieht dies alles aus wie eine Bilderbuchbeschreibung modernen Deutschtums. Blonde, selbstsichere, aleinnerziehende und emotional leicht unterkuehlte Frau begibt sich in den Clinch mit Verbrechern und dem Staat. Vor allem letzters scheint inzwischen zu beinahe jeder Folge mit CL als Ermittlerin zu gehoeren - es verwundert, dass sich der Verfassungschutz nicht schon laengst eine konspirative Wohung gegenueber der Lindholmschen WG angemietet hat, ist sicher billiger als in jeder Folge einen dauerparkenden Wagen zu finanzieren.
petermeyer (19.03.2009, 06:18 Uhr)
langweilig
wie immer, aber die geschmäcker sind verschieden.
ich schau nur die kölner und die münsteraner und aus münchen und berliner tatorte.
frau fürtwängler ist ne arg limitierte schauspielerin und /oder die drehbücher sind schrecklich . immer so düster, unter ner weltverschwörung geht da gar nichts. naja wers sehen will.
war mein letzter versuch mir diesen tatort anzuschauen .
gott sei dank , kommen alte tatorte, stöver und brockmüller und diverse mehr auf den 3. ;)
AttaTroll (17.03.2009, 12:32 Uhr)
Kommissarin Lindholm
nervt mich schon lange - deshalb habe ich schon lange keinen Lindholm-Tatort mehr angeschaut. Abgesehen von den unwahrscheinlichen Stories nervt mich vor allem die Tatsache, dass Frau Lindholm offensichtlich ÜBERALL ermittelt - sei es in Hann.Münden (Südniedersachsen), in Ostfriesland oder in Gorleben. Dabei ist sie doch Tatort-Kommissarin aus Hannover.
Ist das so üblich in Niedersachsen? Gibt es keine Ermittler vor Ort bzw. Zuständigkeits-Probleme, wenn mir nichts dir nichts ein Ermittler aus Hannover angereist kommt? Nun, ja, was solls - ich freue mich auf nächsten Sonntag, wenn das mit Abstand beste Tatort-Duo wieder zum Einsatz kommt: Thiel und Börne aus Münster
botoxia (17.03.2009, 07:54 Uhr)
Nervte
Ein Tatort der mir nicht gefiel. Die Lindholm-Figur war früher besser. Das mit ihrem Kind nervt. Streicht den Privatkram und macht die Fälle zum Thema der Tatorte. Für Fans könnte es dann ja eine Vorabendserie geben, "Kommissarin Lindholm privat - Oder wo werde ich mein Kind los, ich muss zum Mord"
R.N. (17.03.2009, 06:00 Uhr)
Vorhersehbar
Diese Lindholm Taorte sind immer das gleiche, sie hat was mit irgendeinem Kerl, ob junger Kollege oder Staatsekretär,irgendwann kommen immer die bösen aus einer anderen Behörde ob BKA oder Verfassungsschutz und ihr geschlechtsneutraler Mitbewohner ist beleidigt.
Ich glaube die Dame ist nur Tatort Komissarin aufgrund Vitamin B. Sie ist öde, dröge und einschläfernd. ich hab die Glotze um 21.25Uhr abgeschaltet. Gegen die Tatorte aus Köln, Münster, München und Mannheim ist das nur fad, schickt diese Furtwängler auf eine einsame Insel und die Assauer-Ex am besten gleich mit.
Schönen Tag noch
bundes-klinsi (16.03.2009, 22:52 Uhr)
gestern war das letzte mal,
dass ich mir einen lindholm-tatort angesehen habe. die stories werden immer abstruser und warum muss die kommisarin immer persoenlich involviert sein? und frau furtwaengler nervt ehrlich gesagt auch nur noch. diese weinerlichen blicke, wo sie doch eine taffe kommisarin sein soll... laecherlich... am schlimmsten finde ich ja, dass ich den ganzen mist ueber meine gez-zwangsabgabe bezahle...
coodo (16.03.2009, 13:15 Uhr)
wenn...
wenn sich der drehbuchautor schon am mordfall "schmücker" meinte orientieren szu müssen (und nichts andres war es ja) dann hätte er sich schon die mühe machen müssen, diese - zugegeben schwierige und umfangreiche - materie gründlich zu lesen.
doch faulheit produziert murks (hat man uns schon in der schule beigebracht).
johanneskoeln (16.03.2009, 13:07 Uhr)
schade
Die Qualität der Kritik sollte nicht schlechter ausfallen als das Objekt selbst. Schade, denn es wäre notwendig und gut gewesen, den Unsinn mancher Drehbücher auszudecken. Natürlich ist ein Tatort kein Jura- oder Verwaltungsseminar, aber so daneben, so dümmlich, so an der Wirklichkeit vorbei sollte eine Geschichte nicht ausfallen. Schon gar nicht, wenn man sich eines realen Problems, nämlich den Umgang mit mörderischen Diktatoren in einem Rechtsstaat, annimmt.
domit (16.03.2009, 12:45 Uhr)
Merkwürdig,
dass sich jemand als Drehbuchautor zu erkennen gegeben hat.Ein mixtum compositum von tausendmal gesehenen Plots. Mit Ausnahme der pinkelnden Damen keine einzige eigene Idee. Furchtbar.
Bebuquin (16.03.2009, 12:24 Uhr)
Muss das sein?
Ich habe den gestrigen Tatort nicht gesehen, da mir der letzte Furtwängler Tatort, wo sie plötzlich in den Handel mit spaltbaren Material für Atombomben und die dazugehörige Terroristenjagd verstrickt war, schon gereicht hat.
.
Muss es denn wirklich sein, dass jetzt schon in deutschen Krimis irgenwelche "Terroristen" gejagt werden? Reicht es nicht, dass man dies seit 9/11 ständig in us-amerikanischen Krimiserien ertragen muss?
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Damit wird meines Erachtens doch nichts anderes als ein extrem verzerrtes Bild der Realität gezeigt, da ich mir nur schwer vorstellen kann, dass die "kompetenten" Herren von den Geheimdiensten wirklich ständig derartige Fälle haben. Denn gäbe es ständig solche Fälle würde der Rollstuhlfahrer im Bundesinnenministerium sicher dafür sorgen, dass wir davon erfahren, da er dann leichter seine Sicherheitsgesetze durchdrücken könnte.
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