2015 - das Jahr des Merkel-Rückzugs?

15. April 2013, 08:40 Uhr

Gewinnt sie erneut die Wahl? Und bleibt Angela Merkel die volle Legislaturperiode Kanzlerin? Günther Jauch und Gäste übten sich in wilder Spekulation So sehr, dass ihr Sprecher zum Dementi ansetzte. Von Sylvie-Sophie Schindler

Günther Jauch, Bundeskanzlerin, Angela Merkel, Peer Steinbrück, Boris Becker, Lilly Becker, Oliver Pocher, Klaus Wowereit, Nikolaus Blome, Joachim Sauer, Talk, Talkrunde, Agnieszka Brugger, Berliner Flughafen

Das Thema "Phänomen Merkel", dem sich Günther Jauch diesmal widmete, stieß bei vielen Zuschauern nicht gerade auf Begeisterung.©

Man stelle sich vor, und das nur als absurdes Gedankenspiel, Model-Mama Heidi Klum könnte sich in dieser Sache einschalten. Nichts weiter hätte sie zu tun als ihre übliche Phrase zu dreschen, die da lautet "Ich habe heute leider kein Foto für dich." Und schwupps, Angela Merkel wäre weg vom Fenster. Liest man in dem Internet-Forum nach, das zu jedem Thema in Günther Jauchs Talk bereitgestellt wird, so würden sich zig User genau das wünschen: Bundeskanzlerin, ade.

Überhaupt stellte sich bei vielen das große Gähnen ein und auch die Empörung: Ausgerechnet das soll ein Thema sein. Es lautete "Die Über-Merkel – ist die Kanzlerin unschlagbar?". Seitenhiebe auf diese Themenwahl blieben nicht aus. Wenn überhaupt, so schrieben manche süffisant, die Pocher-Trennung würde weit mehr interessieren. Allein: Dann hätte man das twitternde Ehepaar Lilly und Boris Becker einladen müssen.

Zaudern, zögern, Merkel

Nun aber war der nicht minder bewanderte Rote-Teppich-Akrobat Klaus Wowereit zu Gast. Wie gut, dass dessen Terminkalender gerade noch freie Kapazitäten anzeigte. Zur Erinnerung: Als sich die Jauchsche Debatte um den Blamage-Flughafen BER drehte, konnte der Verantwortliche "Wowi" passenderweise nicht eben mal auf einen Sprung im Berliner Gasometer vorbei schauen. Und über Frau Merkel weiß er vor allem zu sagen, und man hat das schon x-mal von ihm gehört, dass die SPD fest an ihren Kandidaten Peer Steinbrück glaube. Irgendwann dann die Werbung in eigener Sache: Die SPD wolle die Frage nach dem Wohlstand für alle lösen. Soweit. Nein, keine Sorge, der Talk nahm nicht irgendwann an Fahrt auf. Alles, was den beiden Kanzlerkandidaten anzulasten ist, kam wiederholt auf den Tisch. Der Steinbrück und seine bezahlten Vortragstätigkeiten. Die Merkel und ihre Wankelmütigkeit. "In ihrem Zaudern und Zögern ist sie den Deutschen ähnlich", meinte dazu Nikolaus Blome, stellvertretender "Bild"-Chefredakteur. Und Wahlkampfexperte Frank Stauss konstatierte: "Es ist doch erstaunlich, dass wir nach acht Jahren Amtszeit der Bundeskanzlerin nicht wissen, was sie will."

Merkels angeblicher Reiz am Rücktritt

Immerhin, wir wissen, dass Frau Merkel mit ihrem Ehemann Joachim Sauer auf Ischia Urlaub machte, sogar mit dessen Enkeln. Niedlich, oder? Ein paar Paparazzi-Fotos dokumentieren das. Und ob es ihr gefällt oder nicht, der Bundeskanzlerin hat die Veröffentlichung der Bilder alles andere als geschadet. Darin sind sich zumindest die Talkgäste einig. Solche Aufnahmen würden Sympathien wecken, so Stauss. Doch Moment Mal, um was geht es hier eigentlich? Eine Bundestagswahl sei doch keine Castingshow, protestierte Grünen-Politikerin Agnieszka Brugger, es drehe sich doch nicht darum, wer beliebter sei: "Ich glaube, die Wahl entscheidet sich an den Inhalten und nicht an den Personen." Demnach müsste die SPD also nicht nervös machen, dass laut des aktuellen ARD-Deutschlandtrends nur 25 Prozent der Wähler bei einer Direktwahl für Steinbrück entscheiden würden, während Merkel auf 60 Prozent der Stimmen zählen kann. Stauss warnte davor, davon auszugehen, dass die Wahl schon entschieden sei. Im Gegenteil, da sei "noch viel Musik drin".

Womit wir in der Abteilung Prognosen gelandet wären. Was ein Spaß, ein bisschen Orakel zu spielen. Und wo man gerade so schön dabei war, warum nicht noch einen drauflegen. Blome beispielsweise prognostizierte, und berief sich dabei auf Gespräche mit Merkel-Vertrauten, die Kanzlerin würde 2015, also mittendrin, hinschmeißen. "Der Rücktritt reizt sie. Das hat noch keiner vor ihr gemacht", so der Hauptstadt-Journalist. Na, das kommt einem doch irgendwoher bekannt vor, ob da wohl etwas von Papst Benedikt auf "Mutti" abgefärbt ist?

Gesetz den Fall natürlich, das sei wahr, das aber bestritt Bundesumweltminister Peter Altmaier vehement, schnappte nach Luft, tönte in die Runde, Angela Merkel sei voller Gestaltungswillen, auch für die kommenden Jahre. Er sei schließlich auch ein enger Vertrauter. Ihn aber habe Blome nicht gefragt, wo er, Altmaier, doch genau wisse, dass die Bundeskanzlerin auch noch die nächste Legislaturperiode bestreiten werde. Natürlich nur, wenn sich die Wähler tatsächlich für sie entscheiden sollten. Wissen tut das niemand.

Vielleicht sollte Günther Jauch beim nächsten Mal, um nicht im Nebel zu stochern, einen Wahrsager einladen. Oder Boris Becker. Denn der weiß anscheinend schon vor allen anderen Bescheid. Zumindest was die Pocher-Trennung betrifft. Und für den Merkel-Rücktritt ist ihr Sprecher Steffen Seibert stets ein guter Ansprechpartner. Der dementierte am Montag eilig und eifrig, wie nicht anders erwartet, die Rückzugsüberlegungen seiner Chefin. "Sie tritt bei der Wahl im September selbstverständlich für eine volle Legislaturperiode an", sagte Seibert.

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