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Ernst August vs. Ernst August - wenn der Vater mit dem Sohne um die Macht kämpft

Am Wochenende heiratet Erbprinz Ernst August von Hannover seine Verlobte Ekaterina Malysheva in der Stadtkirche von Hannover. Doch das Freudenfest wird überschattet von einer bitterbösen Familienfehde zwischen dem Bräutigam und seinem Vater, Welfen-Chef Ernst August Senior.

Ernst August von Hannover und sein Sohn

Ernst August von Hannover senior und junior

Jahrelang schien er wie vom Erdboden verschluckt, und kaum taucht er wieder auf, macht er gleich Ärger: Prinz Ernst August der Ältere, dem Namen nach immer noch Chef des Hauses , auch wenn er sich früher häufiger mal wenig vorbildlich verhalten hatte; verbale und sonstige Entgleisungen des Welfenoberhauptes sind einige überliefert.

Vor 13 Jahren hatte er die gesamte Verantwortung für das Vermögen und nicht zuletzt auch für den guten Ruf der Familie an seinen älteren Sohn übertragen, und sich seitdem um nichts mehr gekümmert, war nur noch als Privatier mit einer Dame zweifelhafter Herkunft durch die Welt gezogen, trotz bestehender Ehe mit Caroline von Monaco. Die gemeinsame Tochter Alexandra von Hannover zog Caroline praktisch im Alleingang in Monaco mit Hilfe ihrer Familie und häufiger Unterstützung des älteren Stiefbruders Ernst August auf.

Zuletzt hatte man sich schon gefragt, was aus dem 63-Jährigen geworden war, irgendwann drangen nur Gerüchte von einer schweren Krankheit, mit der er sehr zurückgezogen auf seinen österreichischen Besitzungen lebte, nach außen.

Ernst August jr. kümmert sich um den Erhalt des Erbes

Währenddessen kümmerte sich der Junior-Prinz zuverlässig und engagiert um die Erhaltung des Welfen-Erbes, die Restaurierung des Stammsitzes Marienburg und die sonstigen zahlreichen Besitzungen. Wer ihn je persönlich erlebt hat, konnte spüren, wie ernst es dem jungen Ernst August ist, die Traditionen seiner Familie in Ehren zu halten und das Vermögen erfolgreich und angemessen zu verwalten. Lange pendelte der heute 33-Jährige zwischen seinem Hauptwohnsitz London, wo er nach der Scheidung seiner Mutter Chantal Hucholi von seinem Vater 1997 zusammen mit seinem Bruder Christian aufgewachsen war, und Hannover. Nun, nach seiner kommendes Wochenende stattfindenden Hochzeit mit der russischstämmigen Designerin Katya Malysheva, wird er mit seiner Braut ganz in die Stammlande seiner Familie väterlicherseits übersiedeln.

So war zumindest der Plan, bis sein Vater ihm diese Woche plötzlich ein Ultimatum gestellt hatte: Entweder der Sohn übertrüge einige der einst übernommenen Befugnisse wieder zurück an den Vater, inklusive des Vorsitzes in der in Liechtenstein angesiedelten Familienstiftung, oder er verweigere nicht nur die Teilnahme an der Hochzeitsfeier, sondern auch die offizielle Zustimmung zur Eheschließung, was laut dem Hausgesetz der Welfen Auswirkungen sowohl auf die Stellung des Prinzen, seiner Frau und zukünftiger Kinder innerhalb der Familie sowie auch auf deren Plätze in der britischen Thronfolge hätte.

Die Queen muss nicht zustimmen

Ob der Bräutigam bis Freitag - so die Deadline - darauf eingeht, ist zu bezweifeln. Ebenso, inwieweit die Drohung mit der britischen Thronfolge greift. Der Hauschef kann seinen älteren Sohn als Erben des Welfen-Besitzes verstoßen und seinen jüngeren Sohn Christian einsetzen, aber auf die Platzierung in der Thronfolge bei den Verwandten im Vereinigten Königreich hätte das nach deren Regeln keinen Einfluss: Nur auf dem 1. bis 6. Platz muss die Queen einer Eheschließung zustimmen, weiter unten nicht, und Ernst August Junior steht nur auf Platz 536.

Ob der junge Prinz wirklich unternehmerische Fehlentscheidungen getroffen und seine Macht zu Ungunsten der Familie missbraucht hat, wie der Vater ihm nun vorwirft, ist von außen schwer zu beurrteilen. Wie man heute weiß, stammen allerdings gar nicht so geringe Teile des heutigen Welfenvermögens aus dem Ankauf weit unter Wert von in den 40er Jahren im Nationalsozialismus "arisierten" Betrieben oder waren damals unter Einsatz von Zwangsarbeitern in der Rüstungsindustrie erwirtschaftet worden.

Tatsache ist, dass der Erbprinz als erster in seiner Familie daran mitgewirkt hat, die teilweise mehr als fragwürdige Vergangenheit der Welfen im Dritten Reich zumindest in Ansätzen aufzuarbeiten, wegen der Glaubwürdigkeit und Transparenz, wie er einmal im Interview mit dem NDR sagte.

Wer von den beiden genannten Prinzen in dieser Familienfehde als glaubwürdiger anzusehen ist, muss dann wohl leider bald ein Gericht entscheiden.

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