Wir sehen uns neue Studien zu Wirkstoffen genau an. Könnte das Mittel zur Leistungssteigerung irgendwann einmal eingesetzt werden, versuchen wir noch vor der Markteinführung einen Nachweis zu entwickeln. Manchmal stellen wir auch fest, dass sich beispielweise ein bestimmter Blutwert bei verschiedenen Sportlern zeitgleich geändert hat. Dann gehen wir dem nach, weil es sich um Doping mit einer neuen Substanz handeln könnte.
Für manche Wirkstoffe haben wir noch keinen Nachweis oder wir wissen noch nichts von ihrem Einsatz. Es gibt allerdings auch Substanzen, die unsere Nachweisverfahren stören. Man spricht dann von Maskierungsmitteln. Durch das Geständnis einer ehemaligen Sportlerin wurden wir darauf aufmerksam, dass bestimmte Proteasen den Nachweis von Epo unmöglich machen, wenn man sie der Urinprobe zugibt. Das Schlimme ist, dass diese Proteasen, in jeder Apotheke rezeptfrei verkauft werden. Manchmal ist das einfachste Mittel das Effektivste.
Niemand kann wirklich abschätzen, was sich in den Doping-Laboren zurzeit abspielt. Ich halte es allerdings durchaus für möglich, dass in wenigen Fällen mit Gendoping-Methoden bereits manipuliert wird. Die technischen Mittel stehen schon zur Verfügung und in der Medizin gibt es entsprechende Ansätze. So werden etwa Stammzellen bei schweren Nerven-Erkrankungen wie etwa Parkinson eingesetzt. Dort führen sie zu einer Neubildung von Nervenzellen. Diese Versuche sind allerdings erst im experimentellen Stadium. Wie Stammzellen bei einem gesunden Sportler zu einer Leistungssteigerung führen sollen, ist mir schleierhaft. Dazu gibt es keine Studien.
Es handelt sich dabei um ein Verfahren zur Behandlung von Blutarmut, das von der britischen Firma Oxford BioMedica entwickelt wurde, bisher jedoch nur im Tierversuch getestet wurde. Bei Mäusen führt es zu einer vermehrten Produktion von Epo in den Muskelzellen und in der Folge auch von Erythrozyten. Das Verfahren wurde allerdings nicht weiter entwickelt. Die Entwickler-Firma sah zu wenige Vorteile gegenüber dem herkömmlich hergestellten Epo. Aus diesem Grund halte ich es auch nicht für wahrscheinlich, dass es als Doping-Mittel missbraucht wird.
Da wir keine Nachweismöglichkeiten haben, lässt sich nur schwer abzuschätzen, wie häufig Eigenblutdoping eingesetzt wird. Oft fällt es nur durch Zufall auf, oder durch die extremen Nebenwirkungen dieser Methode. Um die Anzahl der Blutkörperchen zu erhöhen, spritzen sich Sportler ihr eigenes Blut. Fließen irgendwann zu viele Blutkörperchen in den Adern, dann kann das Blut verdicken. Embolien, Schock oder sogar Tod können die Folge sein. Als die Praktiken des spanischen Arztes Fuentes im Mai 2006 aufgedeckt wurden, habe ich erschreckende Bilder aus der Wohnung gesehen, die als Doping-Labor genutzt wurde. Zahllose Blutkonserven wurden dort unter ziemlich widrigen Bedingungen gelagert. Ist die Qualität des Bluts nicht mehr optimal, kann es zu schweren Infektionen kommen. Zudem besteht die Chance, dass Proben vertauscht werden, auch das hat mitunter lebensgefährliche Folgen.
So wie bei THG, der neuen Art des Designer Dopings. Vielen ist THG noch ein Begriff im Zusammenhang mit der Balco-Affäre. Wissenschaftler der Bay Area Laboratory Co-operative, kurz Balco, haben in ihrem Labor das anabole Steroid Tetrahydrogestrinon (THG) hergestellt. Seitdem wurden zwölf Sportler gesperrt, darunter auch die dreimalige Olympiasiegerin Marion Jones und die Sprinterin Kelly White. Für dieses Designer-Mittel existieren keine Daten über Tierversuche, klinische Studien und über mögliche Nebenwirkungen der Substanz. Niemand kann abschätzen, wie giftig das Präparat für den Körper ist. Wäre es naiv zu glauben, dass saubere Spiele möglich sind? Doping ist ein ständiger Begleiter des Leistungssports. Das war schon immer so. Man kann nur versuchen, es den Dopingsündern schwer zu machen. Das wird unsere Aufgabe sein.