Das Thema Doping ist bei Olympia allgegenwärtig. Allein zehn russische Sportler wurden vor den Spielen in Peking aus dem Verkehr gezogen, es gibt mehr Tests als je zuvor. stern.de sprach mit dem Kölner Anti-Doping-Experten Mario Thevis über neue Tests, die Tricks der Entwickler illegaler Mittel und Gendoping.

Eigenblutdoping lässt sich nur schwer nachweisen© Frank Rumpenhorst/DPA
Ich bin einer der 15 sogenannten externen Experten. Wir unterstützen die Arbeit in den Doping-Labors und analysieren Blut sowie Urinproben der Sportler. Meine Aufgabe wird die Endkontrolle der Ergebnisse sein. Gibt es Verdachtsfälle, werde ich die melden.
Das ist eine gewaltige Aufgabe und bedeutet Schichtarbeit für die Wissenschaftler. Schließlich muss alles ganz schnell gehen. Etwa 500 Substanzen können wir mittlerweile nachweisen. Ein positives Ergebnis sollte innerhalb 48 Stunden, ein negatives innerhalb 24 Stunden vorliegen. Nur die Auswertung des Epo-Tests dauert etwas länger, hier werden bis zu drei Tage eingeplant.
Die Kontrolldichte wird in diesem Jahr viel größer sein als bei den letzten Olympischen Spielen. Mit allein 40 Prozent mehr Bluttests wird die Chance, für gedopte Sportler nicht aufzufallen, deutlich kleiner sein. Dennoch gilt auch hier, je mehr man testet, umso klarer das Ergebnis. Dabei geht es nicht nur darum, möglichst viele gedopte Sportler vom Wettkampf auszuschließen. Auch der saubere Sportler will bei einer hervorragenden Leistung nicht im Verdacht stehen, nachgeholfen zu haben. Mehr Kontrollen während der Spiele sind allerdings logistisch schwer umzusetzen. Es wäre sinnvoller, die Kontrollen in der Trainingsphase zu erhöhen. Denn Dopingmittel wie etwa anabole Steroide werden bevorzugt während der Aufbauphase eingenommen. Die Leistungssteigerung hält bis zu den Spielen an - nachweisbar ist der Wirkstoff dann jedoch nicht mehr.
Die europäischen Länder und insbesondere Deutschland haben ein sehr umfassendes Kontrollsystem, bei anderen Ländern ist das in der Tat schwieriger. In China wurden die Kontrollen auf 10.000 Dopingtests pro Jahr erhöht, das ist so viel wie in Deutschland. Allerdings leben in China 30.000 Leistungssportler, deutlich mehr als in Deutschland - optimal ist die Kontrolldichte noch nicht.
Im Prinzip kann es jeden treffen. Ein Schwerpunkt könnte allerdings bei der Kontrolle von Ausdauersportlern liegen, da diese etwa von Blutdoping besonders profitieren.
Die Studie aus Dänemark ist inhaltlich und sachlich falsch. Hätten Die Forscher sich die Mühe gemacht, die Ergebnisse vernünftig auszuwerten, hätten sie bemerkt, dass die Testresultate überall gleich waren. Der Epo-Test wurde fortlaufend verbessert. So wie er momentan eingesetzt wird, ist er absolut aussagekräftig. Zudem prüfen Wissenschaftler gegenwärtig einen Zusatztest, der das Ergebnis noch eindeutiger machen wird.
Es werden viel mehr Peptidhormone eingesetzt. Dazu zählen Insulin, Epo oder das Wachstumshormon HGH. Da sich diese Pepetide auch natürlicherweise im Körper befinden, ist es schwer, sie nachzuweisen. Mittlerweile haben wir jedoch gute Nachweisverfahren. HGH etwa kommt im menschlichen Körper in sechs verschieden Formen vor, die in einem festen Verhältnis zueinander stehen. Dopt ein Sportler mit HGH, überwiegt eine bestimmte Form im Körper und das können wir nachweisen.
Mario Thevis ...ist Professor an der Deutschen Sporthochschule Köln. Das Institut gilt als eines der weltweit führenden Laboratorien im Bereich der Dopinganalytik und wurde von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) für die Dopinganalytik im Humansport akkreditiert. Zudem wurde Thevis zum Sprecher des Zentrums für Präventive Dopingforschung ernannt.