. .
Panorama-Nachrichten
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
25. Februar 2010, 09:48 Uhr

Was kostet ein gebrauchter Maserati?

Was für eine Posse: Da fährt der Obdachlosen-Helfer und Sozialunternehmer Ehlert mit einer Luxus-Karosse durch Berlin. Zur Rede gestellt, verscherbelt er den Wagen für 30.000 Euro. Der Aufsichtsrat muss jetzt dringend klären, ob der "Sozialmaserati" nicht mehr wert war. Von Werner Mathes

Harald Ehlert, Maserati, Treberhilfe, Thomas Dane,Verkauf, Berliner Senat

Gutmensch auf der Suche nach Pferdestärken: Harald Ehlert, Geschäftsführer der Berliner Hilfsorganisation Treberhilfe© Axel Schmidt/DDP

Sein Dienstwagen sei "ein staatlich anerkanntes und als gemeinnütziges Eigentum legitimiertes Fahrzeug, das weder durch Spenden noch durch öffentliche Zuschüsse finanziert ist", versicherte Harald Ehlert noch am Montag dem stern. Und gab bekannt, was er Stunden später auf einer Pressekonferenz vor laufenden Kameras wiederholte: dass man das Gefährt als "Transparenz-Mobil" umnutzen wolle und damit interessierte Einheimische und Touristen zu verschiedenen sozialen Einrichtungen kutschieren werde, um ihnen Einblick in die Arbeit seiner und anderer Organisationen zu verschaffen. 100 bis 150 Euro sollte eine solche Stadtrundfahrt einbringen und damit das Auto auch noch selbst finanzieren.

Das Auto, um das es hier geht, ist ein Maserati Quattroporte mit über 400 PS und einem Neuwert von 114 000 Euro. Auf dessen Rückbank ließ sich Ehlert, Chef der gemeinnützigen GmbH Treberhilfe Berlin, gern von Termin zu Termin chauffieren - bis vergangene Woche die "Maserati-Affäre" Schlagzeilen machte und die Treberhilfe, die sich mit 280 Mitarbeitern in über zwei Dutzend Wohn- und Hilfsprojekten um die Ärmsten der Armen kümmert und damit allein im vergangenen Jahr einen Umsatz von 15 Millionen Euro erzielte, in Misskredit brachte.

"Mir werden Rasierklingen an den Ellbogen wachsen"

Schon am Dienstag war von Stadtrundfahrten im "Sozialmaserati" keine Rede mehr, der "Sozialkapitalist" Ehlert musste die Notbremse ziehen. Und verkaufte den Luxusschlitten kurzerhand an einen Potsdamer Autohändler - für 30.000 Euro. Offenbar hatte sich das Diakonische Werk Berlin eingeschaltet, wo die Treberhilfe wie viele andere soziale Träger Mitglied ist, und dem Rummel des Paradiesvogels ein Ende bereitet.

Ehlerts Treberhilfe steht nun unter verschärfter Beobachtung: Ein Aufsichtsrat, dem auch Diakonie-Vorstand Thomas Dane angehört, soll dem umtriebigen Ehlert ab sofort auf die Finger schauen. Dass er sich dafür gerüstet fühlt, hat Dane schon angedeutet: "Mir werden im Zweifelsfall Rasierklingen an den Ellbogen wachsen."

Über Nacht verscherbelt

Und die sollte er schon mal ausfahren. Denn wie, bitte schön, kann es möglich sein, einen gebrauchten Maserati binnen kürzester Frist, quasi über Nacht, zum bestmöglichen Preis zu veräußern? Jeder Privatmensch, der seinen Gebrauchten verkaufen will, weiß, dass er dafür mindestens ein paar Tage braucht - um Angebote einzuholen, abzuwägen, zu verhandeln und schließlich zu unterschreiben. Aber Harald Ehlert hat nicht seinen privaten Jaguar verscherbelt, sondern "gemeinnütziges Eigentum", wie er selbst angibt. Eigentum also, mit dem verantwortungsvoll umgegangen werden muss. So, wie es jetzt aussieht, hat der beim erstbesten Angebot eingeschlagen, um das verdammte Ding endlich von der Backe zu haben.

Oder hat er es hier auch wieder nicht so genau genommen? Denn der Maserati war nicht geleast, wie es Ehlert anfangs dargestellt hatte, sondern mittels eines Mietkauf-Vertrages angeschafft worden. Hat er möglicherweise diesen Vertrag nur vorzeitig aufgelöst und den Wagen wieder zurückgegeben? Dann hätte er ihn allerdings nicht für einen angemessenen Zeitwert von 30.000 Euro verkaufen können, wie er selbst sagt. Eine Frage, die nun umgehend der neue Aufsichtsrat klären muss.

Berliner Senatsverwaltung ist aufgewacht

Auch die Berliner Senatsverwaltung für Soziales ist nun - Maserati sei Dank - aufgewacht und will die Abrechnungen öffentlicher Mittel durch die Treberhilfe genauestens überprüfen. Wenn Ehlerts gemeinnützige GmbH nämlich eine "Umsatzrentabilität" von fast 10 Prozent erzielt, müssten die Kostensätze - zum Beispiel für die Unterbringung von Obdachlosen - überprüft werden.

Denn mit diesen Überschüssen, auch wenn sie vorrangig wieder in gemeinnützige Projekte investiert werden, ist schließlich auch mal Ehlerts Dienst-Maserati angeschafft worden. Und andere Fahrzeuge, wie die zwei BMW-Geländewagen. Ehlert selbst wird demnächst wohl in einem Peugeot 206 Platz nehmen müssen.

So einen fährt auch sein Aufsichtsrat Thomas Dane.

Von Werner Mathes
 
 
KOMMENTARE (10 von 22)
 
LaoLu (28.02.2010, 00:30 Uhr)
Hey, suleiman, ich habe zwei Fragen gestellt!
Wie wär's, wenn Sie mir darauf eine Antwort geben würden?
LaoLu (26.02.2010, 23:59 Uhr)
Nochmal ganz langsam, bitte.
Für mich.
Ich habe das, glaube ich, noch nicht ganz begriffen.

Die Treberhilfe sammelt Spenden, richtig?

Frage: Weieviel Geld bezieht der Geschäftsführer für seine Tätigkeit?

Zweite Frage: Woher kommt das Geld für den Dienstwagen?
suleiman (26.02.2010, 09:32 Uhr)
am MASERATI herbeigezogenes PROBLEM?!
wen geht es was an, was der Chef fährt, wichtig ist das Geld was an die OBDACHLOSEN geht, und die ARGE und NICHT_JOB_CENTER sorgen für ARBEITSLOSE ohne GELD+WOHNUNG, siehe RBB Dienstag nacht ,.................
MMSterling (25.02.2010, 15:58 Uhr)
Nix mit sozialem Engagement
Es geht hier nicht um Spenden für Erdbeben-Opfer.

Der Staat kümmert sich nicht wirklich selbst um Sozial Aufgaben. Er hat ein Budget, und es gibt konkurrierende Sozialunternehmen (Träger), die dieses Geld verdienen wollen. Sie betreiben Heime, beraten, machen Jugendprojekte etc. So wie Baufirmen, die aus dem Etat der Bauverwaltung bezahlt werden und Straßen reparieren. Verlieren sie einen Auftrag, machen sie ein Heim dicht und entlassen die Mitarbeiter. So einfach ist das. Einige sind - so wie Ehlert - besonders erfolgreich, solche Staatsaufträge an Land zu ziehen.

Aber die Spenden sind - wie er selbst sagt - nur Kosmetik. Die richtig dicke Kohle kommt vom Staat. Und damit sie fließt, muß man dem Staat auch was verkaufen (s. Artikel Tagesspiegel).

Der Berliner Senat spricht davon, daß hier durch eine Konkurrenzsituation die Kosten günstig gehalten werden sollen. Er steht ausdrücklich zu diesem System.

Und wer sich in Berlin mal mit der Vergabe von Bauaufträgen beschäftigt hat, der weiß, wie die vergeben wurden (und wohl noch vergeben werden).
Dekadenz (25.02.2010, 15:03 Uhr)
So ein Fuchs! Verwendet gemeinnütziges Vermögen zum Kauf eines Masaratis und feiert oppulente Feste an einem See nahe Postsdam (Caputh). So richtig bescheiden. Auf Steuermittel und gemeinnützig.. Möchtegern-Cowboy mit Lederhut und Lederstiefel und mehrere Jeeps. Laut Speisekarte gab es Wildbret, z. B. Hase, Rehrücken,dazu Brandwein und Champagner,danach großer Tango und Ansprache vom Chef über Social-Profit und Trallala. Das war so wie die Sau rauslassen bei Honeckers in Wantlitz. Laß Sau rauslassen!
jetrabbit (25.02.2010, 14:35 Uhr)
wenn er politiker oder bankster wäre
könnte man ja noch das identifizierungsproblem verstehen. aber als jemand, der seine firma auf dem rücken von armen menschen aufgebaut hat...
alwo (25.02.2010, 14:20 Uhr)
Tyndal
Prinzipiell scheinen Sie Recht zu haben, aber Geld spende ich nie....das tut schon die EU welche Summen ohne mein Wissen und Wollen in Millionenhöhe an hilfsbedürftige Länder abgibt.....Millionen an arabische Länder, terroristische Länder usw. Als innerhalb der letzten 10 Monate habe ich alle Möbel sowie einen alten aber wenig gefahrenen Mazda an Hilsbedürftige verschenkt. In allen Ländern gibt es wirklich Stinkreiche (Scheichs, Politiker, Aristokraten) welche etwas gerechter verteilen könnten ohne dass dadurch ihr Reichtum dezimiert würde. Geldspenden kommen immer an der falschen Stelle an. Deshalb gibt es den heuchlerischen und paradoxen Kontrast dass Armenprediger mit Maserati umherdüsen.
LaoLu (25.02.2010, 14:13 Uhr)
Könnte es sein, daß Sie da etwas nicht ganz begriffen haben,
Tyndal?

Wenn Oma Klawuttke 20 Euros von ihrer mageren Rente abknapst und dann hört, daß der Geschäftsführer der Verteilerfirma mit Luxuswagen durch die Gegend fährt,

ich glaube, Oma wäre nicht glücklich.
NewWorld (25.02.2010, 14:08 Uhr)
Wo will man denn die Grenze....
....für einen Dienstwagen festlegen? An sich kann man das doch nur an einem Euro Wert festlegen, nicht an einer Marke. Insofern hat Tyndal hier recht, wenn es sich um einen A8 oder einen Mercedes im gleichen Wert handeln würde, dann hätte das niemanden gestört. Es ist nur der Exot der den Leuten hier aufschlägt.

Mich würde interessieren, was im Arbeitsvertrag von Herrn Ehlert zum Thema Dienstwagen überhaupt steht. Normalerweise sollte der Wert dort geregelt sein.

Tyndal (25.02.2010, 13:53 Uhr)
@alwo
Zur Kenntniss genommen und akzeptiert. Hätte er von Mercedes eine GL-Klasse für 75.000 Euro Grundpreis gefahren (kommt mit den Extras auch auf den Maserati-Preis), wäre die Welt in Ordnung und Sie würden spenden? Hoffentlich kommt nie ans Licht, welche Fahrzeuge die Vorstände/Geschäftsführer von Unicef, DRK oder ähnlichen Organisationen fahren, sonst bricht die Spendenbereitschaft der Deutschen völlig ein.
MEHR ZUM ARTIKEL
Skandal um Berliner Treberhilfe Gentleman Ehlert hält Maserati für angemessen

"Ein Maserati ist ein Wagen für einen Gentleman", sagt Harald Ehlert. Als solcher möchte er verstanden werden - als Geschäftsführer der gemeinnützigen Berliner Treberhilfe, die sich um Obdachlose und sozial Benachteiligte kümmert, und gleichzeitig als privater Investor. mehr...

Berliner Hilfsorganisation Maserati mit zwei Chauffeuren setzt Treberhilfe unter Druck

Die soziale Hilfsorganisation Treberhilfe Berlin ist unter Druck geraten, weil sie einen Maserati mit zwei Chauffeuren als Dienstwagen genutzt haben soll. mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe