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12. Juni 2011, 10:00 Uhr

Lauterbach warnt: Ehec weltweit auf dem Vormarsch

Viele Ehec-Patienten werden ihr Leben lang unter den Folgen der Erkrankung leiden. Das befürchtet der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Er erwartet weitere Infektionswellen in der Zukunft. Der Ehec-Erreger sei auf dem Vormarsch - auf der ganzen Welt.

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Fordert schnellere Meldung von Ehec-Erkrankungen: SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach© Rainer Jensen/DPA

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach befürchtet massive Folgeschäden bei zahlreichen Ehec-Erkrankten. "Etwa 100 Patienten sind so stark nierengeschädigt, dass sie ein Spenderorgan brauchen oder lebenslang zur Dauerdialyse müssen", sagte Lauterbach der "Bild am Sonntag". Der Politiker warnt vor weiteren Infektionswellen in Deutschland: "Ehec-Erreger sind weltweit auf dem Vormarsch. Auch in Deutschland wird es künftig immer wieder zu Ehec-Ausbrüchen kommen."

Als eine Ursache für die starke Ausbreitung der Krankheit bezeichnete Lauterbach den Meldeweg von Ehec-Erkrankungen per Post. "Die Kliniken müssen in Zukunft jeden Ehec-Fall direkt per Mail an das Robert-Koch-Institut melden", fordert Lauterbach. Die bisherige Meldekette vom Gesundheitsamt vor Ort über das Landesgesundheitsamt an das Robert-Koch-Institut dauere mindestens eine Woche, was viel zu lang sei.

Auch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr sprach sich für technische Verbesserungen im Meldeverfahren für Seuchenfälle aus. "Nach Abklingen des Ehec-Ausbruchs werden Länder und Bund gemeinsam die Arbeit bewerten", sagte Bahr dem selben Blatt. Da der Informationsfluss zwischen den Beteiligten besonders wichtig sei, gehöre vor allem das Meldeverfahren auf den Prüfstand. "Ich kann nicht verstehen, warum die heutigen technischen Möglichkeiten nicht voll ausgeschöpft werden. Hier muss die Kommunikation schneller werden", forderte Bahr. Die Einrichtung einer zentralen Stelle zur Seuchenbekämpfung lehnte der FDP-Politiker erneut ab. Lauterbach dagegen hatte sich kürzlich für eine Art mobile Einsatztruppe zur Bekämpfung von Epedemien ausgesprochen.

Jetzt amtlich: Die Sprosse ist es

Die Ehec-Ermittler hatten am Samstag neue Beweise gegen die hoch verdächtigen Sprossen aus Bienenbüttel gefunden. Zwei weitere Mitarbeiterinnen des Biohofs in Niedersachsen sind demnach mit dem lebensbedrohlichen Darmkeim infiziert. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bestätigte zudem, dass der Ehec-Erreger an den Sprossen exakt vom selben Typ ist wie die Bakterien, an denen bislang mehr als 30 Menschen in Deutschland starben.

Am Freitag war der lebensbedrohliche Ehec-Typ erstmals an Sprossengemüse des niedersächsischen Betriebs nachgewiesen worden. Ein Labor in Nordrhein-Westfalen entdeckte den Darmkeim an Sprossen aus einer geöffneten Verpackung. Diese hatte der Vater einer Familie aus Königswinter bei Bonn aus dem Müll geholt, nachdem seine Frau und seine Tochter schwer erkrankt waren.

Die BfR-Analyse bestätige Ergebnisse der Landesbehörden in NRW, sagte der Sprecher des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Holger Eichele. Es handle sich um das Bakterium O104:H4. "Dieses Labor-Ergebnis ist ein weiterer wichtiger Stein in der Beweiskette, dass rohe Sprossen als wesentliche Quelle für die Ehec-Infektionen der letzten Wochen anzusehen sind."

ben/Reuters/DPA
 
 
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