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17. März 2009, 11:34 Uhr

"Da hat sich was angebahnt"

Die Ermittler sehen einen Zusammenhang zwischen Tim K.s Computerspielen und dem Blutbad: In seinem Zimmer fanden die Beamten Ballerspiele und Gewaltfilme. Allein in Baden-Württemberg gab es bisher 52 Trittbrettfahrer, gegen fünf Nachahmer wurde Haftbefehl erlassen.

Winnenden, Amoklauf, Trauerfeier, Computer, Tim K.

Ballerspiele: Ermittler vermuten einen Zusammenhang zwischen "Counter Strike" und dem Amoklauf von Winnenden© Michael Urban/DDP

Im Zimmer von Tim K. hat die Polizei Gewalt-Computerspiele gefunden. Die Ermittler sehen einen deutlichen Zusammenhang zwischen den Killerspielen wie "Counter Strike" und der Bluttat. "Da hat schon was stattgefunden und sich was angebahnt", sagte der baden-württembergische Innenminister Heribert Rech (CDU). Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) sprach sich für härtere Maßnahmen gegen Gewalt in elektronischen Medien aus, zudem forderte er ein schärferes Waffengesetz. Experten bestreiten dagegen seit Jahren einen Zusammenhang zwischen Gewaltspielen und Amokläufen. Am Mittwoch will der Bundestag über die Konsequenzen von Winnenden beraten.

Vieles spricht laut Innenminister Reich dafür, dass die Amoklauf-Ankündigung in einem Chatroom im Internet gefälscht wurde. Jedoch gebe es auch Hinweise, dass Tim K. Internet-Cafés besucht habe. Die Polizei hofft außerdem, auf dem beschlagnahmten PC der Mutter des Amokläufers Spuren zu finden. Der Computer des 17-jährigen Todesschützen lieferte keine Belege zur Internet-Ankündigung. Zudem warten die Beamten weiterhin auf ein Ermittlungsergebnis aus den USA. Dort befindet sich der Server des deutschsprachigen Chatrooms.

Die Zahl der Trittbrettfahrer des Amoklaufs nimmt unterdessen weiter zu. Seit vergangenem Mittwoch hat es in Baden-Württemberg 52 Nachahmer gegeben, gegen fünf wurde Haftbefehl erlassen. Ein 17-Jähriger hat im Internet einen Amoklauf angedroht und ist dafür jetzt in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht worden. Der junge Mann aus dem Raum Ehingen ist seit längerer Zeit in psychiatrischer Behandlung.

Bereits am vergangenen Donnerstag hatte der Jugendliche nach Polizeiangaben im Internet eine ähnliche Tat wie den Amoklauf von Winnenden für eine Gemeinde im Raum Ehingen angedroht. Auf einem dazu veröffentlichten Bild war er vermummt und mit einer Pistole zu sehen. Der Betreiber des Internetportals löschte den Eintrag und verständigte die Polizei. Diese durchsuchte die Wohnung des 17- Jährigen und fand dort die Pistole - eine Soft-Air-Waffe. Außerdem entdeckten die Beamten Datenträger und Computerspiel.

Eine Entscheidung über die Zukunft der Albertville-Realschule, in der Tim K. zwölf Menschen erschossen hatte, steht bisher noch aus. Ein Sprecher der Stadtverwaltung sagte, die betroffenen Schüler würden weiterhin psychologisch betreut. Viele der etwa 600 Schüler hätten das Betreuungsangebot am Montag wahrgenommen, auch Schüler des gesamten Schulzentrums fänden Hilfe. Am Montag soll der Unterricht an anderen Schulen wieder aufgenommen werden.

In Schwäbisch Gmünd wurde heute die erste der drei getöteten Lehrerinnen beigesetzt. Für Mittwoch ist in ganz Baden-Württemberg eine Gedenkminute geplant. In Behörden, Schulen und im Landtag werden die Menschen um 10 Uhr in Stille um die Opfer von Winnenden trauern. Am Samstag findet in Winnenden die zentrale Trauerfeier statt. Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundespräsident Horst Köhler und bis zu 100.000 Besucher werden erwartet.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 59)
 
KeineZielgruppe (18.03.2009, 12:25 Uhr)
Schwarz VS. Weiß... könnte auch ein Videospiel sein
Erst war es dann der Jazz der "junge leute verdarb", danach war es der Rock und darauf der Metal, der Jugendliche aggressiv machte, dann waren die "Prügelfilme schuld" wenn Jugendliche schlägereien begannen doch danach kräht schon lange kein Hahn mehr. Heute haben wir das neue Unwort die "Killerspiele" Spiele wie Counterstrike in denen die Jugendlichen angeblich lernen wie man wahllos auf passenten schießt Berichterstattungen, die beweisen, daß die Verfasser von Artikeln von ähnlich kompetenten Kollegen abschreiben ohne sich selber ein Bild zu machen, respektive machen zu wollen.
Das besagte Counterstrike ist grafisch soweit entfernt von der realität, wie ein Automobil Luftfahrt tauglich ist, es etabliert eine komplett eigene elektronische Sport-Szene die so genannten "E-Sports" die zu internationalen Wettkämpfen mit Sponsoring und Preisgeldern führen, eigenen Ligen und Fernsehbericht erstattung durch z.B. Giga.
Aber Video-Spiele sind ja die Ursache der "Amokläufe". Zumindest für Politiker der CDU und für etliche Medien. Ich frage mich warum. Zum einen frage ich mich, wie 16 oder 17 jährige in den Besitz von Videospielen ohne Jugendfreigabe kommen, wo sind da die Eltern? Dann Frage ich mich wie Jugendliche so einfach in den Besitz einer Waffe kommen inklusive 200 Schuß Munition, wo sind da die Eltern? Und warum gehen diese Jugendlichen Amokläufer immer zuerst in ihre Schule?
Ist es so einfach, daß ein Videospiel zum xten mal der Schuldige ist? Müssten wir nicht eher ein generelles Systemversagen beklagen?
Oh, nein halt... das können wir nicht tun, denn dann müssten wir ernsthaft beginnen nachzudenken ob wir nicht was zur Verbesserung des Zustandes beitragen müssen, einen Universalschuldigen zu finden ist doch viel seriöser und bequemer. Danach können wir uns bequem wieder im Sessel zurücklehnen, denn wir wissen, dass es nicht die Tatsache ist, daß wir unseren Mitschüler zum Aussenseiter gemacht haben, daß es nicht unsere Schuld als Lehrer ist, die den Jungen als dumm bezeichnet hatte weil er anders denkt und wir als Eltern haben auch keinen Fehler in der Erziehung gemacht und vergessen die Waffen wegzuschließen, es waren ja die Videospiele.
ganzbaf (18.03.2009, 11:14 Uhr)
Jedenfalls hat früher kaum ein Kid gewusst...

wo bei einer Knarre der Abzug ist und wie man die Dinger überhaupt nachläd.
Das hat sich mit den "Ego"-Shootern grundlegend geändert.
nony (18.03.2009, 07:13 Uhr)
Killerxxx
Persönlich lehne ich Spiele wie Counterstrike etc völlig ab, muss hier aber doch mal eine Verteidiungsrede loswerden. Die Tatsache, dass bei allen Amokläufern derartige Spiele gefunden werden hat dabei nichts damit zu tun, dass diese Spiele jemandem zum Amoklauf trainieren. Bei mehreren Millionen verkauften (und x Millionenfach kopierten) Egoshootern ist die Zahl der Amokläufer dann doch wohl ein bisschen zu gering um statistisch relevant zu sein. Da die Amokläufer auch allesamt unterschiedliche "Killerspiele" gespielt haben, könnte man genauso gut sagen, dass die Täter alle Seife zu Hause hatten. Diese also wahrscheinlich für den Amoklauf verantwortlich sei.
Tatsache ist, dass es sich um die psychische Ausnahmesituation eines jungen Menschen handelte. Für derartige Probleme gibt es nun mal keine einfach zu erklärenden Lösungen. Ausser vielleich dieser. Wo keine Waffen sind, kann auch keiner schiessen. Vielleicht hätte der Amoklauf auch mit einem Baseballschläger oder einem Küchenmesser stattgefunden (unwahrscheinlich!!), die Zahl der Toten und Verletzten würde dann aber sicher ganz anders aussehen. Ebenso der mediale Hype, der sich dann wahrscheinlich eher als mediales Desinteresse beschreiben liesse.
DonFuego (17.03.2009, 19:55 Uhr)
Komisch...
...bei fast allen jugendlichen Amokläufern findet man hinterher heraus, dass sie sich mit Ego-Shootern wie Counter Strike und Co. in Stimmung gebracht haben.
Schreibt die Presse, dass da ein Zusammenhang vermutet wird, schreit ihr alle auf wie im Kindergarten, wenn man Euch das Spielzeug wegnehmen will.
Ich spiele auch Ego-Shooter, aber nur weil Ihr persönlich niemanden umbringt, heisst das noch lange nicht, dass die auf psychisch Vorbelastete nicht "anregend" wirken.
Also: Werdet mal erwachsen, ihr Heulsusen.
Greeper (17.03.2009, 19:39 Uhr)
Die mit Luft im Kopf
Ich muss jetzt doch nochmal was bemerken:
Tatsächlich gibt die Aussage von Heribert Rech mal wieder einen deutlichen Einblick, wie simpel und einfach die Geister unserer Politiker funktionieren. Das maximum an Denkleistung, zu der der Herr Rech fähig ist ergibt folgende Schlussfolgerung: Junge hat Video wo Mann erschossen wird = Geht deswegen Leute erschiessen.
Toll, wenn die Welt so einfach funktioniert. Schwarz/Weiss.
Deswegen rennen ja auch überall Leute rum und hüpfen anderen auf den Kopf: Weil sie zuviel SuperMario gespielt haben!
Also, bitte, nehmt den Jugentlichen doch diese pösen, pösen Killerspiele weg, dann springen die Depressiven wieder wie früher einsam von einer Brücke, wo es keinen stört und kommen nicht auf so dumme Ideen mit Amok und so.
einfeindesein (17.03.2009, 19:14 Uhr)
Gewalt
Ein Tenor jüngerer Menschen lautet: Nein, an den Spielen liegt es nicht (als hätten alle Angst, daß man sie ihnen wegnähme). Das wären nur die Ideen älterer Menschen, die keine Ahnung hätten. Böse Zungen würden behaupten: Alle Amokläufer waren junge Menschen (die offenbar keine Ahnung hatten). Und die haben viel leid über Menschen gebracht. Ist es nicht Aufgabe de Staates, seine Bürger zu beschützen? Wenn große Schäden zu befürchten sind, sollte man überall ansetzen, wo möglich: Bei der besseren Überwachung der Waffengesetze, der besseren Ausbildung der Lehrer und Aufstockung des Bildungsetats, bei der Sensibilisierung des Umfeldes und , ja, auch bei den Videospielen. Daß die andauernde Gewalterfahrung erziehend wirkt, ist nachvollziehbar. Wenn sie das nicht ist, gibt es keine Erziehung und auch nichts, vor was man junge Menschen beschützen müßte.
www.einfeindesein.over-blog.de
Greeper (17.03.2009, 19:13 Uhr)
Bildstern
Lieber STERN, es ist interessant und entlarvend mit anzusehen, wie sich das Niveau Ihrer Berichterstattung langsam aber sicher dem eines Käseblättchens annähert. Da werden mal nach und nach die Anführungszeichen von "Killerspiele" entfernt und es wird schön Hand in Hand mit dem Stammtischpopulismus des Herrn Innenministers mitgezogen.
Einfache Erklärungen für den einfachen Geist. Das ist, was sie nur noch zu liefern im Stande sind. Mehr bringen Sie anscheinend auch nicht mehr zu stande. Bedauerlich. Da bin ich hier wohl auch falsch, denn ich denke nun einmal etwas mehr als eindimensional und bin somit auf Stern.de stark unterfordert. Adios!
waldi22 (17.03.2009, 18:45 Uhr)
Medien und Nachahmungstäter
Wenn die Berichterstattung so weitergeht, dann wird es nicht lange dauern, bis sich das nächste kranke Hirn denkt, wow, soviel Aufmerksamkeit und Berühmtheit! Laßt es bei aller Traurigkeit und Unfaßbarkeit endlich gut sein, uns minutiös alles zu berichten. Über Selbstmorde wird schließlich auch schon seit Jahrzehnten aus den gleichen Gründen nicht mehr berichtet. Auch wenn ich mich der Lächerlichkeit hingebe---es war nach der Vollmondnacht, wo bekanntermaßen viele Leute sehr kitzlig sind.
Blacky007 (17.03.2009, 17:59 Uhr)
@leobissinger - Schach ist brutal und gewaltverherrlichend
Aber bitte!? Gerade Schach ist doch im Grunde ein ultra brutales und gewaltverherrlichendes Spiel ohne Gleichen!
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Da werden hilf- und wehrlose Bauern geopfert, Pferde werden von Damen, Läufern und anderen gewalttätigen Figuren geschlagen, Damen werden bedroht und geschlagen und es herrscht permanente Krieg zwischen den Gegnern, bis einer in die Enge getrieben oder geschlagen wurde und am Boden liegt.
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Alles eine Sache des Betrachters!
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CS und andere Shooter sind nur eine modernere Form von Taktik- und Srategie-Spielen.
globalhumanist (17.03.2009, 17:32 Uhr)
Die Ermittler sehen Zusammenhänge ???
Da ist dem Autor wohl ein "kleines" Mißgeschick unterlaufen....
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Der Einzige ... der hier einen Zusammenhang erkennen möchte, ist ja wohl der Herr Innenminister (und das versucht er sowie einige seiner hochqualifizierten Mitstreiter ja übrigens bereits seit Jahren ohne Erfolg und gegen jegliche fundierte Expertise).
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Also nix Neues im Staate Deutschland. Die Konzeptlosigkeit setzt sich weiter fort und wird bereitwillig durch die Medien transportiert.
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Lästig und absolut destruktiv!
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