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10. September 2006, 16:29 Uhr

Natascha versuchte schon einmal die Flucht

Die acht Jahre von ihrem Entführer festgehaltene Natascha Kampusch war vor ihrer endgültigen Flucht am 23. August schon einmal geflohen - kehrte aber wieder zu ihrem Peiniger zurück.

Die Flucht gelang im zweiten Anlauf: Natascha Kampusch© ORF/RTL

In einem in der Wiener "Kronen Zeitung" veröffentlichen Bericht bestätigte die 18-Jährige: "Einmal bin ich schon beim Gartentor hinausgerannt." Und weiter: "Das war wie bei diesen Leuten, die das Haus nicht verlassen können, obwohl es offen ist. Mir ist schwindlig geworden, ich habe nichts mehr sehen können, und ich bin so unauffällig wie möglich wieder zurückgegangen. Damit er nichts merkt".

Die "Kronen Zeitung" hatte vor einigen Tagen ein Interview - wie andere Medien auch - mit Kampusch geführt. Inzwischen wird die 18- Jährige wieder von der Öffentlichkeit abgeschirmt.

In ihrem Verlies habe sie oft darüber nachgedacht, was passieren würde, wenn ihr Entführer nicht mehr zurückkäme, sagte die 18-Jährige der Zeitung weiter. "Ein Unfall, ein Herzinfarkt. Dann komme ich nie wieder hier heraus." Während ihrer Gefangenschaft hat Kampusch Tagebuch geschrieben. "Dieses Tagebuch und alles, was ich geschrieben habe, hat nur mir gehört. Er konnte nie Einblick nehmen", sagte Kampusch der "Kronen Zeitung". "(...) in Alltäglichkeiten hat er sich in demütigender Art eingemischt, zum Beispiel wie ich meine Zahnbürste auswasche und solche Sachen. Das Geschriebene aber, das hat immer nur mir gehört."

Sehr viel gelesen

Die heute 18-Jährige sagte weiter, dass sie viel gelesen habe. "Am Anfang wollte ich Kinder-Klassiker, also Karl May, Robinson Crusoe, "Onkel Toms Hütte" und so weiter. Ich habe gelesen, gelesen. Es war ja so irrsinnig fad in dem kahlen Raum".

Kampusch war am 2. März 1998 von Wolfgang Priklopil in Strasshof bei Wien entführt worden. Am 23. August war ihr die Flucht gelungen, ihr Kidnapper nahm sich noch am selben Tag das Leben. Er wurde am Freitag auf einem geheim gehaltenen Friedhof südlich von Wien anonym beerdigt.

Gefälschte Spendenaufrufe

Unterdessen tauchten im Internet mehrere gefälschte Spendenaufrufe auf, die vermeintlich im Namen von Kampusch an die Hilfsbereitschaft der Bürger appellieren. Das österreichische Bundeskriminalamt hat sich inzwischen eingeschaltet. Die junge Frau hatte zuvor mitteilen lassen, dass sie von den Geldern ihrer "Natascha Kampusch Foundation" "keinen einzigen Cent für sich beansprucht". Geplant sei, mit den Einkünften Hilfsprojekte zu unterstützen für Entführungsopfer, Hungernde in Afrika und verschleppte Frauen in Mexiko.

DPA
 
 
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