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24. Februar 2009, 08:19 Uhr

Der Schatz vom Zweistromland

Eine Frau will unbedingt ihr Auto verkaufen. Doch statt eines Interessenten meldet sich ein Mann, der ihr von einer Kiste voller Millionen erzählt. Gemeinsam könnte man diese aus dem Irak nach Europa holen. In ihrer Verzweiflung fällt die Frau auf dieses Märchen herein.

 
Betrüger, mobile.de, Nigeria Connection, Autoverkauf

Das Auto, mit dem alles begann: Bei dem Versuch ihren Mini zu verkaufen, geriet die Steuerfachangestellte an Betrüger© Picture-Alliance

Eigentlich wollte Silke Klum* nur ihr Auto verkaufen. Einen Monat war der Mini Cooper alt, finanziert hatte ihn die Fahrlehrerin über die Bank. Doch angesichts der Geldsorgen ihrer Eltern beschloss die 45-jährige Schleswig-Holsteinerin, sich von dem Auto zu trennen.

Aber niemand interessierte sich für ihr Angebot auf mobile.de. Niemand, außer einem gewissen Captain David Jones aus London. Bezahlen wollte er mit dem Inhalt einer Kiste, die sich im Irak befände. 16, 2 Millionen US-Dollar lägen darin. Doch ohne fremde Hilfe bekäme er diesen Schatz nicht nach Europa. Wenn sie ihm helfen würde, sollte Klum sogar 30 Prozent des Geldes bekommen.

Natürlich stand nie eine dollargefüllte Kiste im Irak und "Captain David Jones" ist die Erfindung einer Betrügerbande. Zu ihr gehört auch Philip Ze* alias Frank Collins. Weil der 34-jährige arbeitslose Techniker aus Kamerun den hochriskanten Job des Geldboten übernahm, ist er der einzige, den die Polizei zu fassen bekam und der nun vor dem Richter sitzt.

Nebulöser Trickbetrug

Die Namen seiner Mittäter möchte er nicht nennen, aber das, was die Staatsanwältin ihm vorhält, wäre richtig - sagt sein Verteidiger. Philip Ze muss nur noch nicken auf die Frage des Richters, ob er mit dieser Darstellung einverstanden sei. So wird Gestehen leicht gemacht. Die Aussage der betrogenen Silke Klum möchte der Verteidiger gern verhindern. Aber der Richter will von der alleinerziehenden Mutter zweier Kinder wissen, ob ihr das verlorene Geld weh getan habe. "Das ist sehr viel Geld", sagt die geschmackvoll gekleidete Frau mit dem mädchenhaften Gesicht und dem weichen Blondhaar und darf den Zeugenstand verlassen. So bleibt die Geschichte dieses Trickbetruges für die Schöffen und die anwesende Öffentlichkeit nebulös. Kontur gewinnt sie erst auf dem Flur des Gerichtsgebäudes.

Dort erzählt Silke Klum, wie sie im September die Hoffnung hegte, ihr Auto plusminus Null verkaufen zu können. Eine absurde Hoffnung angesichts des darbenden Automobil-Marktes. Durch den finanziellen Druck ihrer Eltern, den diese an ihre Tochter weiter gaben, sei sie für die ominöse Offerte empfänglich geworden. "Wenn ich mich nicht in einer Notsituation befunden hätte, wäre mir gleich aufgefallen, dass das Schwachsinn ist", sagt die Blondine, der das Vorgefallene sehr peinlich ist. "Ich war wirklich ein naives Schaf, das stimmt. Ich glaube immer an das Gute im Menschen. Ich bin gläubige Christin und das wusste auch Captain David Jones."

Erpressungen und Drohungen folgten

Zunächst ging es nur um eine Anschrift, an welche die Kiste geschickt werden könne. Klum wollte sich dann das Geld für den Mini herausnehmen "und den Rest Unicef spenden", sagt die ausgebildete Steuerfachangestellte. Unbewusst war ihr schon klar, dass es sich nur um illegal erworbenes Geld handeln konnte. Dennoch wollte sie an das Angebot glauben, weil es ihr die Lösung ihres dringlichsten Problems versprach.

Nachdem sie ihre Bereitschaft signalisiert hatte, stellte der Captain seine erste Geldforderung: Er benötige 1000 Euro, um die Kiste beim britischen Zoll auszulösen. Parallel dazu bedrohte er Klum. Er sei von der Armee, kenne ihre Adresse und wenn er wegen ihrer Schuld die Box verliere, würden sie und ihre Kinder ihres Lebens nicht mehr froh werden. Sie kratzte also das verlangte Geld zusammen und schickte es ihm mit der Western Union Bank. "Der Postbeamte hat mich gefragt, ob ich wirklich weiß, wo das Geld hingeht," erinnert sich Silke Klum. Diese Bank wird gern für kriminelle Transfers benutzt, weil weder der Absender noch der Empfänger des Geldes ein Konto benötigen und darum der Geldfluss nicht verfolgt werden kann.

Kurz darauf verlangte ihr Geschäftspartner 6000 Euro. So viel koste ein "Diplomatenzertifikat" für die Kiste. Sie schwankte und forderte Beweise für deren Existenz. Man schickte ihr ein Foto von der Kiste und einen Geheimcode, mit dem Klum diese öffnen könne. "Ich verrate Ihnen all diese Details in dem guten Glauben und der Hoffnung, dass Sie mich nicht betrügen", mailte ihr der Captain. Er bat sie, sein Geld treuhänderisch aufzubewahren. Außerdem solle sie die Verkaufsanzeige aus dem Internet entfernen und das Auto mit einer Hülle schützen.

Uta Eisenhardt

Uta Eisenhardt Uta Eisenhardt ist Berlinerin in dritter Generation. Seit fünf Jahren ist sie Gerichtsreporterin. In der stern.de-Kolumne "Icke muss vor Jericht" berichtet sie aus dem Berliner Amtsgericht, einem der größten Deutschlands. Jede Woche schreibt Eisenhardt über einen Prozess mit dem gewissen Etwas: manchmal traurig, manchmal kurios - immer spannend.

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KOMMENTARE (7 von 7)
 
Leseratte79 (26.02.2009, 07:51 Uhr)
Das Unwort
schlechthin "Bewährung" !!!
Ich hatte letztens das gefühl ich werde gleich verhaftet weil ich Nachts um 2Uhr gewendet hab und dabei nicht im "gestrichelten Linienbereich" geblieben bin. 30€ und 15 Minuten Wartezeit (Zahlschein, Personenüberprüfung, Wagenkontrolle). Naja wenigstens wurde ich nicht wegen "15 Minuten mit Warnblinker rumstehen" belangt!
Maria1000 (25.02.2009, 15:17 Uhr)
Bewährung? Auf WELCHEM Planeten lebt denn dieser
Richter? ja, ganz genau: Für eine Kameruner Proll sind unsere deutschen Luxusknäste mit Rundumversorgung bei der Arbeit und in der Freizeit samt kosteloser Gesundheitsbetreuung voll SCHLIMM!!! Aber schon SOWAS von schlimm!! *lmao*
ZITAT: ",,,Das Gericht verurteilt Ze wegen Betruges zu einem Jahr Haft auf Bewährung und 300 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Mit der Bewährung habe man sich schwer getan, weil der vorbestrafte Dieb gleich nach einer bis Juni 2008 geltenden Bewährungszeit wieder straffällig geworden wäre. Aber während seiner einmonatigen Untersuchungshaft habe der Kameruner erfahren können, "wie unangenehm es im Strafvollzug sein kann", meint der Richter.
"
--------------------
Maria1000 (25.02.2009, 15:14 Uhr)
distbln: Das geht schon klar so...
für kriminell auffällig gewordene Migranten gelten hierzulande doch schon längst ganz ANDERE und viel LASCHERE Rgeln bei der Justiz als für ältere deutsche Verkäuferinnen... :-)
Maria1000 (25.02.2009, 15:12 Uhr)
Die DUMMHEIT heutzutage scheint echt masslos zu sein! Nigeria
und jetzt auch das noch?
Ich befürchte, das mit der Bildungsmisere heutzutage ist alles noch VIEL SCHLIMMER als die uns immer erzählen! Ich schmeiss mich weg vor Lachen....
sportartmakler (25.02.2009, 14:48 Uhr)
not hin oder her
dummheit ist unbezahlbar
StefanAugsburg (25.02.2009, 14:45 Uhr)
Koffer im Irak / Nigeria
Herrlich, genau diese Mail hatte ich letzte Woche ebenfalls bekommen, zuerst wollte David Jones (erinnert mich an den Captain aus "Pirates of the Caribian") nur wissen, wieviel ich vom Preis meines Autos runtergehe. Als ich ihm einen Preis schrieb, meldete er zurück, daß er das Auto kaufen wolle - und sofort danach kam die Geschichte mit seiner Kiste im Irak und runden 6 Millionen Dollar. Die Antwort auf diese Mail möchte ich hier nicht wiedergeben, aber ein Ausdruck bezieht sich auf ein Hinterteil. Danach kam nichts mehr, dafür heute ein erneuter "Interessent", diesmal Mr. Benjamin Manchester (blumige Namen sind offensichtlich Pflicht). Ich werde ihn jetzt mal ködern und schauen, was dabei rauskommt - aber ich denke, daß der Koffer im Irak nicht lange auf sich warten lassen wird.:-)
dist-bln (25.02.2009, 13:47 Uhr)
HIER SCHLÄGT DAS HERZ!!!
...Betrug, Bedrohung, Vorbestraft etc. und dann eine Bewährungsstrafe und Sozialarbeit... ein Glück das er nicht den 1,30€ Pfandbon gefordert hat, dann würde er jetzt sicher im Gefängnis sitzen...
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