Eine Frau will unbedingt ihr Auto verkaufen. Doch statt eines Interessenten meldet sich ein Mann, der ihr von einer Kiste voller Millionen erzählt. Gemeinsam könnte man diese aus dem Irak nach Europa holen. In ihrer Verzweiflung fällt die Frau auf dieses Märchen herein.

Das Auto, mit dem alles begann: Bei dem Versuch ihren Mini zu verkaufen, geriet die Steuerfachangestellte an Betrüger© Picture-Alliance
Eigentlich wollte Silke Klum* nur ihr Auto verkaufen. Einen Monat war der Mini Cooper alt, finanziert hatte ihn die Fahrlehrerin über die Bank. Doch angesichts der Geldsorgen ihrer Eltern beschloss die 45-jährige Schleswig-Holsteinerin, sich von dem Auto zu trennen.
Aber niemand interessierte sich für ihr Angebot auf mobile.de. Niemand, außer einem gewissen Captain David Jones aus London. Bezahlen wollte er mit dem Inhalt einer Kiste, die sich im Irak befände. 16, 2 Millionen US-Dollar lägen darin. Doch ohne fremde Hilfe bekäme er diesen Schatz nicht nach Europa. Wenn sie ihm helfen würde, sollte Klum sogar 30 Prozent des Geldes bekommen.
Natürlich stand nie eine dollargefüllte Kiste im Irak und "Captain David Jones" ist die Erfindung einer Betrügerbande. Zu ihr gehört auch Philip Ze* alias Frank Collins. Weil der 34-jährige arbeitslose Techniker aus Kamerun den hochriskanten Job des Geldboten übernahm, ist er der einzige, den die Polizei zu fassen bekam und der nun vor dem Richter sitzt.
Die Namen seiner Mittäter möchte er nicht nennen, aber das, was die Staatsanwältin ihm vorhält, wäre richtig - sagt sein Verteidiger. Philip Ze muss nur noch nicken auf die Frage des Richters, ob er mit dieser Darstellung einverstanden sei. So wird Gestehen leicht gemacht. Die Aussage der betrogenen Silke Klum möchte der Verteidiger gern verhindern. Aber der Richter will von der alleinerziehenden Mutter zweier Kinder wissen, ob ihr das verlorene Geld weh getan habe. "Das ist sehr viel Geld", sagt die geschmackvoll gekleidete Frau mit dem mädchenhaften Gesicht und dem weichen Blondhaar und darf den Zeugenstand verlassen. So bleibt die Geschichte dieses Trickbetruges für die Schöffen und die anwesende Öffentlichkeit nebulös. Kontur gewinnt sie erst auf dem Flur des Gerichtsgebäudes.
Dort erzählt Silke Klum, wie sie im September die Hoffnung hegte, ihr Auto plusminus Null verkaufen zu können. Eine absurde Hoffnung angesichts des darbenden Automobil-Marktes. Durch den finanziellen Druck ihrer Eltern, den diese an ihre Tochter weiter gaben, sei sie für die ominöse Offerte empfänglich geworden. "Wenn ich mich nicht in einer Notsituation befunden hätte, wäre mir gleich aufgefallen, dass das Schwachsinn ist", sagt die Blondine, der das Vorgefallene sehr peinlich ist. "Ich war wirklich ein naives Schaf, das stimmt. Ich glaube immer an das Gute im Menschen. Ich bin gläubige Christin und das wusste auch Captain David Jones."
Zunächst ging es nur um eine Anschrift, an welche die Kiste geschickt werden könne. Klum wollte sich dann das Geld für den Mini herausnehmen "und den Rest Unicef spenden", sagt die ausgebildete Steuerfachangestellte. Unbewusst war ihr schon klar, dass es sich nur um illegal erworbenes Geld handeln konnte. Dennoch wollte sie an das Angebot glauben, weil es ihr die Lösung ihres dringlichsten Problems versprach.
Nachdem sie ihre Bereitschaft signalisiert hatte, stellte der Captain seine erste Geldforderung: Er benötige 1000 Euro, um die Kiste beim britischen Zoll auszulösen. Parallel dazu bedrohte er Klum. Er sei von der Armee, kenne ihre Adresse und wenn er wegen ihrer Schuld die Box verliere, würden sie und ihre Kinder ihres Lebens nicht mehr froh werden. Sie kratzte also das verlangte Geld zusammen und schickte es ihm mit der Western Union Bank. "Der Postbeamte hat mich gefragt, ob ich wirklich weiß, wo das Geld hingeht," erinnert sich Silke Klum. Diese Bank wird gern für kriminelle Transfers benutzt, weil weder der Absender noch der Empfänger des Geldes ein Konto benötigen und darum der Geldfluss nicht verfolgt werden kann.
Kurz darauf verlangte ihr Geschäftspartner 6000 Euro. So viel koste ein "Diplomatenzertifikat" für die Kiste. Sie schwankte und forderte Beweise für deren Existenz. Man schickte ihr ein Foto von der Kiste und einen Geheimcode, mit dem Klum diese öffnen könne. "Ich verrate Ihnen all diese Details in dem guten Glauben und der Hoffnung, dass Sie mich nicht betrügen", mailte ihr der Captain. Er bat sie, sein Geld treuhänderisch aufzubewahren. Außerdem solle sie die Verkaufsanzeige aus dem Internet entfernen und das Auto mit einer Hülle schützen.
Uta Eisenhardt Uta Eisenhardt ist Berlinerin in dritter Generation. Seit fünf Jahren ist sie Gerichtsreporterin. In der stern.de-Kolumne "Icke muss vor Jericht" berichtet sie aus dem Berliner Amtsgericht, einem der größten Deutschlands. Jede Woche schreibt Eisenhardt über einen Prozess mit dem gewissen Etwas: manchmal traurig, manchmal kurios - immer spannend.