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22. Juni 2007, 19:34 Uhr

Schnellboot-Crash vor Libanon

Vor vier Wochen krachten vor der libanesischen Küste zwei deutsche Schnellboote zusammen. Ein Video des Crashs, der im Internet kursiert, zeigt, dass sich der Kapitän offenbar einen Spaß erlauben wollte - der voll ins Auge ging.

Zoom

Das Video des Crashs im Internet© Screenshot: stern.de

Das Video könnte bei "Oops - die Pannenshow" laufen - in einer Sonderausgabe "Verrückte Militärunfälle. Oder: Wie man Steuergelder fachgerecht versenkt". Zu sehen ist das deutsche Schnellboot "Frettchen", das vor der libanesischen Küste quer über die Bugwellen eines anderen deutschen Kriegsschiffs brettert. Einer der Beobachter sagt "Mann sieht das geil aus" aber kurze Zeit später rufen einige andere "Scheiße, Scheiße". Denn die "Frettchen" kann nach dem Ritt über die Bugwellen nicht mehr dem "Gepard" ausweichen, einem zweiten Schnellboot, das parallel zum Kriegsschiff fährt. Also kommt es zum Crash.

In der zweiten Szene ist das Unglück aus der Perspektive der "Frettchen" zu sehen: Erst eine lustige Powerfahrt über die Wellen, dann sagt einer "Paß auf!", aber es ist zu spät. Die Boote knallen aufeinander. In den letzten Sekunden erhascht das Kameraauge noch einen Fetzen der deutschen Fahne - als müsste nochmal klar gemacht werden, wem diese Peinlichkeit unterlaufen ist.


Navy Boats Collide At Full Speed - Watch more free videos

"Keine vernünftige Erklärung"

Götz Meiert, Sprecher des deutschen Flottenkommandos in Glücksburg, bestätigte stern.de, dass das Video echt ist. Der Vorfall ereignete sich vor knapp einem Monat, verletzt wurde niemand. Aber die Boote nahmen schweren Schaden, da sie aus Holz gebaut sind. In einem österreichischem Internetforum sind Bilder der demolierten Boote zu sehen. Sie zeigen, dass "Frettchen" ein großes Loch in die Flanke des "Gepard" gerissen hat. Derzeit werden die Boote laut Meiert auf Zypern repariert.

Warum der Kapitän des "Frettchen" für ein bisschen Action-Spaß sein Gefährt riskierte, weiß Meiert auch nicht zu sagen: "Eine vernünftige Erklärung fällt mir nicht ein". Die Marine habe eine Kommission eingesetzt, die den Vorfall untersuche. Alle Beteiligten würden verhört. Sicher sei nur, dass die Schiffe auf dem Rückweg von einer Zeremonie waren, mit der die Fregatte "Brandenburg" in die Heimat verabschiedet wurde. Bei diesen Zeremonien sei es üblich, nochmal an den Heimkehrern vorbeizufahren und zu winken, so Meiert. Ein Crash gehört selbstredend nicht zum üblichen Bye-Bye.

Auch die Videofilmer sind dran

Nun muss sich nicht nur der "Frettchen"-Chef auf eine Strafe gefasst machen. Auch den Videofilmern, die an Bord waren, droht Ungemach. "Der Film schadet dem Ansehen der Bundeswehr; es besteht der Verdacht auf ein Dienstvergehen der Soldaten", sagt Meiert. Andererseits haben sie ungewollt auch ein gutes Werk getan: Der Film und die im Internet kursierenden Fotos helfen bei der Aufklärung. "Es gibt kaum eine Havarie, die so gut dokumentiert ist", sagt Meiert.

Die Schnellboote gehören zu einem internationalen Flottenverband unter dem Kommando der Deutschen. Er kreuzt vor der libanesischen Küste und soll Waffenschmuggel verhindern. Insgesamt setzen die Deutschen zwei Fregatten, vier Schnellboote und zwei Versorgungsschiffe ein. Der Heimathafen der Schnellboote ist Rostock-Warnemünde.

lk/DPA
KOMMENTARE (3 von 3)
 
Futtermeister (23.06.2007, 11:39 Uhr)
@Midnight
Da kann ich aus eigener Erfahrung leider zustimmen. Wenn die Bundeswehr regelmäßig unter lautem Jammern mehr Geld fordert, könnte ich schon kotzen. Was ich in meiner Wehrdienstzeit an Geldverschwendung erlebt habe, ist einfach nur eine Sauerei am Steuerzahler. Warum schafft man nicht endlich eine private Kontrollfirma, die beim Bund die Ausgaben prüft. Die sollen 10% der Ersparnisse bekommen, sind nach kurzer Zeit Multimillionäre und uns gehts besser. WinWin-Situation für alle, auch für die Soldaten, denn die hätten danach vieleicht endlich wieder ein bischen Ansehen.
Midnight_74 (23.06.2007, 03:01 Uhr)
Bundeswehr und Geldparen?
Die Bundeswehr ist nicht zum Geldsparen da! Da das alte Feindbild weg ist, muessen, zur Existenzberechtigung, eben neue Feindbilder geschaffen werden. Dafuer sorgt schon der militaerisch-industrielle Komplex, der dafuer sorgt, dass unnoetige Waffensysteme zu teuer und in zu grosser Menge angeschafft werden. Beim Bund haben wir Unmengen von noch original verpackten Ersatzteilen weggeworfen, das tat weh im Schwabenherz...
FIJI (22.06.2007, 23:36 Uhr)
Soll da was Vertuscht werden?
Den Video Filmern droht unheil. Soll da was vertuscht werden. Ich denke es ist im Öffentlichem Interesse wenn hier teures Spielzeug kaput gemacht wird.
 
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