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9. Dezember 2010, 12:45 Uhr

Wikileaks gewinnt erstes Gefecht im Cyber-Krieg

Wikileaks erhält wieder Geld – ein wenig: Der Bezahldienst PayPal gibt die Spenden frei. Das Konto der Website bleibt gesperrt. Derweil stellt sich auch Twitter gegen die Wikileaks-Anhänger.

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Das PayPal-Logo an der Zentrale in Singapur: Der Konzern will nur die bereits eingegangenen Spenden an Wikileaks freigeben© Wong Maye-E/AP

Der Online-Bezahldienst PayPal hat nach massiven Protesten von Wikileaks-Anhängern und Hacker-Attacken auf seine Website beschlossen, eingefrorene Spenden freizugeben. Das Geld werde an die Organisation ausgezahlt, von der die Spenden für Wikileaks gesammelt worden seien, teilte PayPal-Justiziar John Muller im Firmenblog mit. Das Konto der Enthüllungsplattform bleibe jedoch weiterhin gesperrt.

"Wir verstehen, dass die Entscheidung von PayPal zum Gegenstand einer größeren Geschichte geworden ist, bei der es rund um die Aktivitäten von Wikileaks auch um politische und juristische Debatten und um die Meinungsfreiheit geht", erklärte Muller. Das Spendenkonto sei allein wegen der Verletzung der Geschäftsbedingungen gesperrt worden. Grundlage sei ein Brief des US-Außenministeriums an Wikileaks, wonach das Internet-Projekt im Besitz von Dokumenten sein könnte, die unter Verletzung von US-Gesetzen beschafft worden seien.

Die zu den wichtigsten Spendensammlern von Wikileaks zählende Wau-Holland-Stiftung will nach eigenen Angaben rechtlich gegen die unangekündigte Sperrung ihres Kontos bei PayPal vorgehen. Die Stiftung bezifferte die Höhe der zeitweise eingefrorenen Spenden auf rund 10.000 Euro.

Heikle Enthüllungen über Visa und Mastercard

Neben der Website von PayPal hatten Wikileaks-Unterstützer auch die Internetauftritte der Kreditkartengiganten Visa und Mastercard sowie der Schweizer Postbank Postfinance attackiert, weil diese ihre Zusammenarbeit mit dem Internetprojekt eingestellt hatten. Die Websites der Kreditkartengesellschaften wurden von den Aktivisten mit sogenannten DDOS-Angriffen ("Distributed Denial of Service") lahmgelegt. Dabei wird ein Internetserver mit Unmengen von Daten geflutet und dadurch blockiert. Dass es den Aktivisten gelang, nach der Attacke bei Mastercard auch die Visa-Website vom Netz zu nehmen, ist umso erstaunlicher, da das weltgrößte Kreditkartenunternehmen Zeit zur Vorbereitung hatte. "Anonymous" hatte die Attacke auf Visa eine Stunde im Voraus über Twitter angekündigt.

Via Twitter wiesen die Aktivisten auch auf die Veröffentlichung einer weiteren US-Diplomatendepesche bei Wikileaks hin. Aus dem Dokument geht hervor, dass sich die amerikanische Botschaft in Moskau Anfang vergangenen Jahres für Mastercard und Visa eingesetzt hatte, als den US-Unternehmen durch ein neues Gesetz in Russland wirtschaftliche Nachteile drohten. In dem Schreiben wurde die Regierung von Präsident Barack Obama aufgefordert, auf die russischen Partner einzuwirken, "den Text des (Gesetz-)Entwurfs zu ändern, um sicherzustellen, das US-Finanzdienstleister nicht darunter leiden."

Cyber-Attacken auf Schwedens Regierung und Sarah Palin

Sogar die schwedische Regierung ist offenbar mittlerweile ins Visier der Hacker geraten: Ihre Internetseite war nach Angaben der Zeitung "Aftonbladet" in der Nacht zu Donnerstag einige Stunden lang offline, funktionierte am Morgen aber wieder normal. Auf einer von Hackern eingerichteten Website mit dem Namen der schwedischen Justizministerin Beatrice Ask wurden Internet-Nutzer auf die Wikileaks-Seite umgeleitet. Nach der Festnahme des Wikileaks-Gründers Julian Assange hatten Hacker bereits die Website der schwedischen Staatsanwaltschaft lahmgelegt.

Die Internetseite der früheren republikanischen Präsidentschaftskandidatin Sarah Palin war ebenfalls vorübergehend blockiert. Dem Sender ABC News zufolge waren auch die Kreditkartenkonten von Palin und ihrem Mann betroffen.

Twitter sperrt "Anonymous"-Account

Aktivisten der "Anonymous"-Bewegung, die 2008 mit Protestaktionen gegen Scientology bekannt geworden war, hatten am Mittwoch im Kurznachrichtendienst Twitter das Startsignal für die Cyber-Angriffe gegeben und von einer Kampagne gegen "freiheitsfeindliche Organisationen" gesprochen. In einem Online-Chat mit der Nachrichtenagentur AFP erklärte die Hackergruppe, die "Operation Payback" auf alle ausdehnen zu wollen, die feindlich gegenüber Wikileaks eingestellt seien.

Twitter sperrte das Profil mit den Mitteilungen von "Anonymous" in der Nacht zu Donnerstag. Eine Begründung dafür nannte der Dienst zunächst nicht. Daraufhin richtete die Gruppe ein neues Profil ein, mit einem Link zum Chat-Dienst IRC - über den dezentral organisierten "Internet Relay Chat" wurde nach Informationen in einschlägigen Blogs auch die Software für die Cyber-Angriffe verbreitet.

mad/APF/DPA
 
 
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