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11. November 2008, 17:18 Uhr

Bahn mahnt Schaffner per SMS

Die Bahn hat ihre Zugbegleiter per SMS aufgefordert, Kinder und Jugendliche ohne Fahrkarte nicht mehr aus dem Zug zu werfen. Denn es ist ein dritter Fall bekannt geworden: Eine Schaffnerin hatte eine 14-Jährige nicht weiterfahren lassen, weil ihre Karte nicht gültig war.

Erneut ist einem Kind die Weiterfahrt verweigert worden - die Bahn zieht nun Konsequenzen© Thomas Lohnes/DDP

Zum dritten Mal binnen weniger Wochen ist ein Kind aus einem Zug der Deutschen Bahn wegen eines fehlenden oder ungültigen Tickets gewiesen worden. Im jüngsten Fall war zwischen Berlin und Nauen in Brandenburg ein Mädchen auf dem Schulweg um 7 Uhr morgens aus dem Zug gewiesen worden, weil es eine Fahrkarte hatte, die erst ab 14 Uhr galt. Die Bahn kündigte Konsequenzen an. Drei Zugbegleiter seien zunächst vom Dienst ausgeschlossen worden, sagte ein Bahnsprecher am Dienstag in Berlin. "Jedes Fehlverhalten von Zugbegleitern wird arbeitsrechtliche Folgen haben." Die Bahn habe sich bei den Eltern entschuldigt.

Zugbegleiter per SMS gemahnt

Außerdem müssen rund 750 Begleiter in Regionalzügen in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern die geltende Dienstanweisung zur Beförderung Minderjähriger jetzt auch persönlich unterschreiben, sagte der Sprecher. Die Zugbegleiter in den drei Ländern seien am Dienstag per SMS noch einmal auf die Weisung hingewiesen worden. Darin wurden sie daran erinnert, dass sie keine Minderjährigen wegen Schwarzfahrens des Zuges verweisen dürften. Sollte die Feststellung des Alters Schwierigkeiten bereiten, so sei im Zweifel davon auszugehen, dass die Person minderjährig sei.

Nach Einschätzung von Psychologen müssen Bahnbegleiter besser auf Krisen vorbereitet werden. In der Regel seien beide Seiten beteiligt, wenn die Situation eskaliere, sagte der Psychologe Michael Antes (Saarlouis) in einem dpa-Gespräch. "Aber der Erwachsene hat die Verantwortung dafür, die Dinge im Rahmen zu halten." Das sei nicht gelungen, wenn der Erwachsene Macht gegenüber Minderjährigen ausübe, indem er sie aus dem Zug werfe, obwohl ein Dritter anbiete, das fehlende Fahrgeld zu bezahlen. Ein Grund für das Verhalten könnte auch berufliche Frustration sein. Der Experte empfahl, einen Mediator einzuschalten.

Der Fahrgastverband "Pro Bahn" forderte, das Unternehmen sollte nur bei jungen "Graufahrern" kulant sein, jedoch nicht bei randalierenden Jugendlichen. Karl-Peter Naumann von "Pro Bahn" sagte der dpa, wenn die Bahn bei einem Jugendlichen mit vergessenem Fahrschein Milde walten lasse, werde das eine positive Langzeit-Wirkung haben. In Fällen, in denen Jugendliche in Zügen randalierten oder betrunken seien, sollte die Bahn aber durchgreifen.

Drei Kinder in drei Wochen rausgeschmissen

Seit Mitte Oktober wurden drei Kinder aus Zügen der Bahn gewiesen, weil sie keine gültige Fahrkarte hatten. In der Vorwoche verwies ein Schaffner eine 13-Jährige im brandenburgischen Wittstock aus einem Zug. Sie hatte weder Fahrkarte, Geld und Handy für einen Anruf zu Hause. Bereits im Oktober hatte eine Schaffnerin in Mecklenburg-Vorpommern ein Mädchen aus ähnlichen Gründen aus dem Zug gesetzt. Beim ersten Fall im Norden Mecklenburg-Vorpommerns hatte ein Mädchen fünf Kilometer in der beginnenden Dunkelheit mit einem schweren Musikinstrument nach Hause laufen müssen.

Die Bahn kündigte am Dienstag auch an, die Zugbegleiter "nachzuschulen". Bei Fortbildungen solle fortan auch mit Rollenspielen kundenfreundliches Verhalten trainiert werden. Auch ohne Zugverweis könnten die Bahnforderungen durchgesetzt werden, sagte der Sprecher. So könnten die Personalien notiert und der fehlende Betrag nachgezahlt werden.

DPA/AP
 
 
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