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16. August 2007, 12:50 Uhr

Todesangst in der Mafia-Hochburg

Seit 16 Jahren tobt hier eine blutige Mafia-Fehde zwischen zwei Familien. Doch einen Sechsfachmord hat es auch in San Luca noch nicht gegeben. Nach dem Massaker von Duisburg herrscht in dem kalabrischen Dorf die Angst vor Racheakten.

Das Bergdorf San Luca in Kalabrien gilt als Mafia-Hochburg© EPA/FRANCO CUFARI

Es ist "Ferragosto", der 15. August, und die Italiener begehen den wichtigsten Feiertag des Jahres. Während Römer, Mailänder und Florentiner ans Meer fahren und Picknicks organisieren, bleiben die Menschen in dem Örtchen San Luca in Kalabrien lieber in ihren Häusern. Ein Kamerateam des italienischen Fernsehens ist in dem Dorf unterwegs, um nach dem sechsfachen Mord von Duisburg Angehörige zu interviewen. Was sie antreffen, ist hingegen völlige Leere, ausgestorbene Straßen, kein Laut ist zu vernehmen. "San Luca ist zu einer Geisterstadt geworden", brachte es die Nachrichtenagentur Ansa auf den Punkt.

Fehde hat 20 Menschenleben gefordert

Die Menschen in der 4000-Seelen-Gemeinde haben schlichtweg Angst. Angst vor Rache, vor neuen Gewaltausbrüchen. Seit 16 Jahren tobt hier eine Mafia-Fehde zwischen den Familien Strangio-Nirta und Pelle- Romeo, die bereits fast 20 Menschenleben gefordert hat. Aber nie zuvor in der Geschichte der 'Ndrangheta, wie die Mafia in Kalabrien heißt, waren sechs junge Männer gleichzeitig "hingerichtet" worden. "Alle haben Angst, dass es jetzt zu einer Kettenreaktion kommt", sagte der Nachrichtensprecher des staatlichen Fernsehens RAI.

Deshalb gleicht das Örtchen einen Tag nach Ferragosto fast dem Hochsicherheitstrakt eines Gefängnisses: Zahlreiche Carabinieri und Sondereinheiten den Polizei kontrollieren alle Zufahrten nach San Luca und patrouillieren in den Straßen. "So soll jeder Versuch einer Antwort auf das Massaker seitens der Gruppe Vottari-Pelle im Keim erstickt werden", schreibt ein Journalist.

War Marco M. das Hauptziel?

Tatsächlich wird immer wahrscheinlicher, dass der 25-jährige Marco M. das Hauptziel der Killer war. Wie die fünf übrigen Opfer im Alter zwischen 16 und 38 Jahren wird er dem Clan Vottari-Pelle zugeordnet. Marco M. wurde von den Familien Strangio-Nirta als einer der Hauptverantwortlichen für die Ermordung von Maria Strangio angesehen, der Ehefrau des mutmaßlichen Clan-Chefs Giovanni Nirta. Sie war im vergangenen Dezember umgebracht worden. Seither wurden bei Racheaktionen in Italien bereits vier weitere Menschen getötet. Zudem wurden als Warnung 21 Schüsse aus einer Kalaschnikow auf ein Haus abgefeuert, in dem sechs Familien leben.

Wie kam es überhaupt zu der blutigen Fehde, die die Menschen in San Luca schon so lange in Angst und Schrecken versetzt? Wie so oft bei den Clans der Mafia waren die Anfänge des Streits nichtig: Es war 1991, als sich im Karneval Mitglieder beider Familien mit Eiern bewarfen. Jedoch artete der zunächst harmlose Scherz in eine wüste Schlägerei aus. Wenige Tage später wurden zwei Menschen in San Luca in einen Hinterhalt gelockt und ermordet - der Beginn der langjährigen Fehde. "Dies ist ein sinnloser Krieg", meinte ein Fernsehreporter.

Zwar gab es auch immer wieder eine Art Waffenstillstand zwischen den beiden Familien, jedoch scheint dieser nun endgültig gebrochen. Neben reinen Racheakten geht es dabei auch oft um Drogenhandel und die Kontrolle bestimmter Territorien. Und ein Ende der Gewalt ist für die Menschen in San Luca nicht in Sicht. Denn wenn die ruhigen Sommertage vorbei sind und die Polizei ihre Kontrollen einstellt, ist die nächste Aktion der 'Ndrangheta bereits vorprogrammiert.

DPA
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
Tucek (16.08.2007, 19:04 Uhr)
Na, so 'was
Böse Zungen behaupten, als der Chef des BKA zu Kohl sagte, in jeder 5. Chefetage sitze ein Mafiosi, Zachert gehen musste und nicht die (wie heißen sie doch gleich?) anderen ...
hardrain (16.08.2007, 17:14 Uhr)
"Geburtstagsfeiern"
dienen in solchen Clans häufig der Vorbereitung einer größeren, gemeinsamen Aktion oder zur feierlichen Übernahme eines Jüngeren in den Engsten Kreis der Macher.
Dem kamen die Täter zuvor...
Clibanarius (16.08.2007, 15:44 Uhr)
RE: Warum in Duisburg
"Aber was machen 6 Männer aus einem süditalienischen-4000-Seelendorf um 2 Uhr Morgens in Duisburg???"
------------------------------------
Schon mal was vom "Schengener Abkommen" gehört?
jarbas1958 (16.08.2007, 15:31 Uhr)
Aber warum in Duisburg?
Hallo.
Über organisiertes Verbrechen und deren Machenschaften kann man lange diskutieren.
Aber was machen 6 Männer aus einem süditalienischen-4000-Seelendorf um 2 Uhr Morgens in Duisburg???
Ernst1 (16.08.2007, 14:26 Uhr)
Solange sie sich selbst umbringen ...
kanns nicht genug Tote geben
Schwaebin (16.08.2007, 14:26 Uhr)
Bis auf den letzten Mann
Wenn die Familien schon namentlich bekannt sind, warum steckt man die dann nicht alle gemeinsam in eine Zelle und wartet bis sie sich gegenseitig abmurksen?
Dann waer wenigstens wieder Ruhe.
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