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28. Mai 2009, 20:26 Uhr

Das Hundemädchen von Tschita

In einer Wohnung im ostsibirischen Tschita haben die Behörden ein Mädchen entdeckt, das fast nur mit Haustieren aufwuchs. Die Fünfjährige, die auch "Mogli" genannt wird, zeigt Reflexe wie ein Hund, fängt bei Geräuschen an zu bellen und schleckt ihr Essen vom Teller. Dem Vater der Kleinen droht eine Anklage wegen Vernachlässigung.

Sibirien, Hund, bellen, Mädchen

Das Mädchen, das von Hunden "aufgezogen" wurde. Die fünfjährige Natascha Michailowa bellt und verhält sich auch in anderen Dingen wie ein Hund© DPA

Nach der Entdeckung einer bellenden Fünfjährigen in Sibirien ist der Vater des Mädchens festgenommen worden. Der Mann sei von den Ermittlern in Tschita befragt worden, wie er das Hunde-ähnliche Verhalten seiner Tochter erkläre, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag der russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti. Der Mann sei inzwischen zwar wieder auf freiem Fuß, ihm drohe aber eine Anklage wegen Vernachlässigung.

Das Mädchen, das Natascha Michailowa heißt, war von Mitarbeitern des Jugendamtes in einer völlig verdreckten Wohnung gefunden worden. Es versuchte, sich durch Bellen zu verständigen und verhielt sich auch in anderen Dingen wie ein Hund.

Das Mädchen lebte nach Polizeiangaben allein mit dem Vater und zahlreichen Katzen und Hunden in einer Wohnung in Tschita in Ostsibirien. Die Fünfjährige habe das Haus nie verlassen dürfen und sich offenbar besser mit den Hunden als mit den Menschen verstanden. Sie habe nicht gelernt zu sprechen, sondern versuche, sich durch Bellen verständlich zu machen. "In all den Jahren hat es das Mädchen nur geschafft, die Tiersprache zu lernen", hieß es am Mittwoch in einer Erklärung. Das Kind verstehe allerdings Russisch.

Die Kleine war bei ihrer Entdeckung ungewaschen und hatte schmutzige Kleider an. "Rund fünf Jahre lang wurde das Mädchen von einigen Hunden und Katzen 'aufgezogen'", erklärte die Polizei. Sie nannte das Mädchen "Mogli" - in Anspielung auf die Hauptfigur aus Rudyard Kiplings Bestseller "Das Dschungelbuch". Das Mädchen wurde den Angaben zufolge in eine Betreuungseinrichtung gebracht, wo es medizinisch und psychiatrisch umsorgt wird. Dort springt das Mädchen gegen die Tür und bellt, wenn ihre Betreuer den Raum verlassen. Das Kind schleckt Essen lieber direkt vom Teller, als einen Löffel zu benutzen.

AFP
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
Politix (30.05.2009, 14:35 Uhr)
@Jocx
danke! Ich bin freudig überrascht über die Kommentare hier.
Jocx (29.05.2009, 22:08 Uhr)
@Politix
Ihr Kommentar hat mir in der Tat eine etwas neue Sichtweise eröffnet, danke dafür. Man kann in der Tat sagen, dass das Kind erst leidet wenn sie in die zivilisierte Welt muss.
Für ein anderes Leiden ist in der Tat kein Beweis vorhanden.
Ich gebe auch echtschoenhier Recht: Es ist nicht verwahrlost wenn man "schmutzig" aufwächst und noch weniger vernachlässigt wenn man mit Tieren aufwächst, wenn ein Kind aber die menschliche Sprache nicht sprechen kann, kann man sich doch ausrechnen wieviel Liebe und Zuneigung sie von Menschen bekommen hat.
Wobei man sich in dieser Beziehung nach der Denkanregung von Politix auch überlegen müsste, ob das unbedingt erforderlich sein muss, von einem anderen Standpunkt aus gesehen meine ich.
echtschoenhier (29.05.2009, 12:07 Uhr)
Danke Korath
Sie sprechen mir aus der Seele. Schmutzig ist nicht gleich verwahrlost. Mit Hunden aufzuwachsen ist nichts vernachlässingendes. Ich emfinde den Artikel keineswegs als "menschenverachtend", sondern vielmehr ganz nüchtern geschrieben über einen Zustand, der in unserer Welt, in die neben verordneten Gesetzen und Regelungen noch viel mehr ungeschriebene und informelle "Ordnung" Einzug erhalten hat. Erschreckt hat mich, dass das Mädchen nunmehr, aus ihrer eigenen Welt gerissen, eingesperrt ist in einem Heim, in dem versucht wird, dem Mädchen eine neue Weltordnung zu verpassen.
Wenn das Kind tatsächlich vernachlässigt worden ist, wenn es tatsächlich Hunger leiden musste, wenn es tatsächlich in krank machendem Dreck leben musste, dann unterstütze ich jede Hilfeleistung für das Mädchen. Aber genau diese Hinweise finden sich im Artikel nicht.
Korath (29.05.2009, 11:36 Uhr)
@ Tom3
danke. Wie ereifern uns fast täglich über Kinder, die nur vor der Glotze oder der Spielkonsole sitzen, und sagen, siie sollten liebe rdraussen spielen. Ich wohnte damals am Waldrand, ich kann mich nicht erinnern, da jemals "gewaschen und mit sauberer Kleidung" heimgekommen zu sein. Wir schauen mit verklärten Blick auf das Leben auf dem Bauernhof, und erheben das Aufwachsen mit Tieren zum höchsten Glück auf Erden. Aber wenn wir hören, ein Kind wäre mit Tieren aufgewachsen und war zur Zeit des Auffindens ungewaschen mit dreckiger Kleidung so gehen wir von einem schrecklichem Leid aus.
Wenn ich ehrlich sein will, hätten Sie mich in diesem Alter gewaschen und mit sauberer Kleidung finden wollen, hätten Sie kurz vom Zubettgehn oder kurz nach dem Austehen kommen müssen ;)
Und auch meiner derzeit 4 Jahre alte Tochter schafft es jedes Mal wenn wir vor die Tür gehn (mindestens 1 mal täglich) nach 10 min auszusehn wie ein wilder Hund *g*.
Dann ist sie eben dreckig, aber glücklich.
Korath (29.05.2009, 11:22 Uhr)
@botoxia
...haben Sie noch nie von Tieren gehört, die ihre Jungen abstossen oder totbeissen? Dies ist sicherlich kein ausschliesslich menschliches Verhalten. Allerdings sollten wir es besser wissen, da haben Sie recht.
Tom3 (29.05.2009, 11:19 Uhr)
@Korath
...auch wenn im Leben der Kleinen bisher sicherlich nicht immer zum Wohle des Kindes gehandelt wurde, finde ich ihren Beitrag den jenigen, der die Situation wohl noch am besten trifft...
...wer kann denn schon sagen, ob das Mädchen nicht wirklich glücklich war, so wie es gelebt hat?...
@ambio: der Artikel rechtfertigt wohl kaum, dass sie hier Leute zum Selbstmord auffordern könnten... mal ganz abgesehen davon würde ich gerne erstmal etwas von ihnen lesen wollen, ob dass dann soviel besser ist bleibt bis dato dahingestellt... Ihr Kommentar hier lässt da aber nicht viele Erwartungen zu...
botoxia (29.05.2009, 11:14 Uhr)
Eins von Millionen
vernachlässigter Kinder. Nicht die Tatsache, dass dieses Kind in dieser Form vernachlässigt wurde, sondern die Tatsache, dass anscheinend dem Menschen als einzigem Säugetier der Instinkt, den Nachwuchs zu schützen abhandengekommen ist, macht unbehaglich.
Politix (29.05.2009, 10:32 Uhr)
@Jocx
Wieso hat das Mädchen gelitten? Das Mädchen hat nicht gelitten, da sie nichts anderes kennt, als das Leben mit Hunden.
.
Das Mädchen wird erst leiden, wenn man ihr die "zivilisierte Welt" zeigt, dass das Leben mit Hunden und Katzen auf diese Weise nicht normal ist. Dann wird das Mädchen anfangen zu leiden, vorher jedoch ist alles in Ordnung.
.
Vom Standpunkt der "zivilisierten Welt" aus leidet sie, weil diese Welt von einem anderen Startpunkt ausgeht.
Korath (29.05.2009, 10:27 Uhr)
ich bin etwas verwirrt...
Ich kann dem Bericht nun leider nicht entnehmen, ob das Kind dabei unglücklich war. Auch das BIld zeigt mir ein glückliches Lächeln. Wurde es geschlagen, war es unterernährt? Auch der Hinweis auf die verdreckte Wohnung kann mir nicht sagen, ob es sich um "krankmachenden" Dreck handelt (Exkremente, verweste Lebensmittel, oder ganz "natürlichen" Dreck (Staub), der in der von uns sp "gelibeten Natur" überall vorkommt, den wir aber mithilfe aggressivster Reinigungsmittel so gern aus unseren "hygienischen" Heimen verbannen (und uns damit der Volkskrankheit Allergien aussetzen). Ich kann einfach dem ganzen nicht entnehmen, ob das Kind glücklich damit war, wie ein Hund zu leben. Denn ob unsere Kinder in dieser durchgeregelten, pflichtgesteuerten Welt, in der Status und Wohlstand als höchste Güter gelten glücklicher sind als ein kliener verspielter hund, das möchte man manchmal bezweifeln. Aus unser zivilisierten Auffassung heraus ein Verbrechen, aus Sicht eines Naturvolkes heraus gesehn vielleicht noch ungewöhnlich, KÖNNTE es für das Mädchen ein kleines Paradies gewesen sein.
Wie gesagt, dies sind Spekulationen, denn aus dem text heraus kann ich das sicher nicht beurteilen.
iovialis (29.05.2009, 09:54 Uhr)
Und später dann...
So schlimm der Fall sein mag, das Mädchen wird der Wissenschaft einen großen Dienst erweisen. Wenn sie älter wird und "zivilisiert" ist, kann sie vielleicht über die "Sprache" der Hunde berichten.
Die Ergebnisse der menschenverachtenden Versuche in KZs flossen später in die moderne Medizin ein. Der unmoralischte Umgang mit Menschen ist im Endeffekt dann doch noch nützlich für die Menschheit.
Das soll nicht heißen, daß man solche Handlungen akzeptieren und tollerieren soll; vielmehr soll es aufzeigen, daß solche Fälle manchen durchaus gelegen kommen, da sie aufgrund der Unmoral anderer (welche sie nie tun würden) zu mehr Wissen und Erkenntnissen gelangen können.
Das ist unabhängig davon, ob der Stern (oder andere) darüber berichtet oder nicht.
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