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Angriff auf die Ukraine Russen protestieren in Moskau gegen die Teilmobilisierung – und werden direkt in den Krieg geschickt

Polizisten tragen einen Demonstranten während einer Demonstration gegen die Mobilisierung weg
Ein Mann wird von russischen Polizisten verhaftet, weil er gegen die Teilmobilmachung demonstrierte
© Alexander Zemlianichenko / AP / DPA
Bei Protesten gegen die Teilmobilisierung wurden Hunderte Menschen in Moskau verhaftet. Sie sollen nun in den Krieg ziehen.

Die bei Anti-Mobilisierungs-Protesten in Russland festgenommenen Männer sollen direkt nach ihrer Verhaftung zum Krieg in der Ukraine einberufen worden sein. Die Männer hätten die entsprechenden Papiere erhalten, berichtet der "Spiegel" unter Berufung auf die Chefredakteurin des russischen Propagandasenders RT (früher Russia Today), Margarita Simonjan. Auf Twitter schreibt sie: "Alle Männer, die an der Anti-Mobilisierungs-Kundgebung auf dem Arabat teilnahmen, erhielten mehr als 200 Vorladungen zur Unterschrift."

Zuvor berichteten Bürgerrechtler, dass 200 Männer in Arabat, einer Straße im historischen Zentrum Moskaus, bei Protesten gegen die Teilmobilmachung festgenommen worden seien. Auch in anderen Städten haben Menschen demonstriert, wie Fotos und Videos in unabhängigen Medien zeigen. Die Menschen gingen unter anderem in der Stadt Chabarowsk im äußersten Osten des Landes sowie in Nowosibirsk, Irkutsk, Tomsk und Tschita in Sibirien auf die Straßen. Auf mehreren Aufnahmen ist zu sehen, wie sie von Polizisten abgeführt werden.

Russland rekrutiert Kämpfer in Gefängnissen

Medienberichten zufolge leidet die russische Armee unter mangelnder Ausbildung der Soldaten und massivem Personalmangel. Zuletzt kursierten Berichte, wonach Russland zunehmend Soldaten in Gefängnissen rekrutiert. Für Aufsehen sorgte insbesondere ein Video, das angeblich den kremlnahen Oligarchen Jewgeni Prigoschin beim Rekrutieren von Gefängnisinsassen zeigen soll.

In dem Video, das Anhänger des Kremlkritikers Alexej Nawalny und einige Medien verbreiteten, ist ein Mann zu sehen, der vor Gefangenen auftritt und ihnen die Freilassung verspricht, wenn sie sich für ein halbes Jahr als Söldner in der Ukraine verpflichten. Er warnt jedoch, dass der Krieg schwerer sei als in Tschetschenien. Zugleich gibt er bekannt, dass schon Häftlinge auf russischer Seite im Einsatz sind. "Die ersten Gefangenen, die mit mir gekämpft haben, waren am 1. Juni beim Sturm des Wärmekraftwerks Wuhlehirsk dabei. 40 Leute aus Piter (St. Petersburg), Schwerverbrecher, rückfällig", sagt er.

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Foto: n-tv.de

Eindeutig zur Echtheit des Videos äußern wollte sich Prigoschins Unternehmen Konkord am Donnerstag nicht, teilte laut staatlicher Nachrichtenagentur Ria Nowosti aber mit: "Wir können bestätigen, dass der Mann in dem Video Jewgeni Viktorowitsch verdammt ähnlich sieht." Der Mann unterstütze die russische "Spezialoperation" und sei ein hervorragender Redner, hieß es weiter. In der Vergangenheit hatten Medien immer wieder darüber berichtet, dass Prigoschin die berüchtigte Söldnereinheit "Wagner" finanzieren soll.

Teilmobilisierung löst größte Proteste seit Kriegsbeginn aus

Eine Generalmobilmachung in Russland hat der Kreml bislang ausgeschlossen – wohl auch aus Imagegründen. Nach der Verkündung der Teilmobilmachung kam es zu den ersten größeren Protesten seit Kriegsbeginn. Das Bürgerrechtsportal OVD-Info zählte am Mittwochabend über 1350 Festnahmen in 38 Städten des Landes. In Moskau wurden diesen Angaben zufolge mehr als 500 Demonstranten in Gewahrsam genommen.

cl DPA AFP

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