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23. September 2008, 11:23 Uhr

Woran starb Knuts Ziehvater?

In ganz Deutschland sind die Menschen bestürzt über den plötzlichen Tod von Tierpfleger Thomas Dörflein, Ziehvater des Eisbären Knut. Nach wie vor herrscht Unklarheit über die Todesursache des 44-Jährigen. Seine Leiche soll jetzt obduziert werden.

So kannten und liebten ihn die Knut-Fans: Thomas Dörflein im März vergangenen Jahres mit dem berühmten Eisbären© Marcus Brandt/DDP

Nach dem überraschenden Tod des erst 44 Jahre alten Ziehvaters von Eisbär Knut, Thomas Dörflein, hat die Berliner Staatsanwaltschaft eine Obduktion der Leiche angeordnet. So soll die immer noch unbekannte Todesursache ermittelt werden, wie Staatsanwalt Michael Grunwald am Dienstag erklärte.

"Der Tierpfleger ist nach bisherigen Erkenntnissen völlig überraschend zusammengebrochen und verstorben." Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden oder gar einen Selbstmord lägen weiterhin nicht vor.

Grunwald berichtete, die Staatsanwaltschaft habe ein sogenanntes Todesermittlungsverfahren eingeleitet. Die Obduktion diene "zum völligen Ausschluss eines Fremdverschuldens und zur weiteren Klärung der Todesumstände". Sie werde voraussichtlich noch am Dienstag stattfinden. Mit ersten Ergebnissen wird am Abend gerechnet.

Der Ziehvater des weltberühmten Eisbärenbabys war am Montagmittag leblos in einer Wilmersdorfer Wohnung gefunden worden. Laut Medienberichten blieben sofortige Wiederbelebungsversuche eines Notarztes erfolglos.

Der Pfleger hatte mit seinem aufopferungsvollen Einsatz für das verstoßene Eisbärenbaby die Herzen von Tierfreunden in aller Welt erobert. Sein plötzlicher Tod hat überall in Deutschland große Trauer und Betroffenheit ausgelöst. "Die Gedanken aller Mitarbeiter und des Aufsichtsrates sind jetzt bei der Familie, den Angehörigen und Freunden unseres langjährigen Kollegen", sagte der Berliner Zoo- und Tierpark-Chef Bernhard Blaszkiewitz am Dienstag. Der 44-Jährige habe durch sein "einzigartiges Engagement" bei der Aufzucht des kleinen Eisbären Knut maßgeblich zum Besuchererfolg des Zoos beigetragen. Gemeinsam mit Knut habe Dörflein die Herzen der Berliner und Fans in aller Welt erobert. Zoo und Tierpark seien Dörflein deshalb zu bleibendem Dank verpflichtet.

Auch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, der Pate des Eisbären Knut, reagierte mit Bestürzung. "Ich habe Thomas Dörflein im vergangenen Jahr kennen gelernt und bewundert, wie intensiv und ausdauernd er sich um Knut und die anderen ihm anvertrauten Tiere kümmerte", sagte Gabriel der "Neuen Presse" in Hannover.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) äußerte sich ebenfalls bestürzt über den Tod Dörfleins. "Der Berliner Zoo hat einen Sympathieträger verloren", sagte Wowereit laut einer Mitteilung. "Thomas Dörflein wurde als "Pflegevater" von Knut weit über Berlin hinaus bekannt als eine sympathische, engagierte Persönlichkeit. Ich bin bestürzt über seinen plötzlichen Tod und hoffe, dass wir in den nächsten Tagen etwas mehr zu den Todesumständen erfahren."

Betroffenenheit herrschte auch im Nürnberger Tiergarten. Tiergartenchef Dag Encke sagte dem Radiosender "Antenne Bayern", er sei schockiert. Dörflein habe immer ein offenes Ohr für Fragen der Nürnberger Tierpfleger zu Knuts Artgenossin, der kleinen Eisbärin Flocke, gehabt. "Alle im Tiergarten haben die Nachricht mit Bestürzung aufgenommen", sagte Encke dem Radiosender. Das Verhältnis zwischen Dörflein und den Pflegern des Nürnberger Tiergartens sei immer sehr herzlich und freundschaftlich gewesen. Dörflein habe wertvolle Tipps zu Flockes Aufzucht gegeben, betonte Encke.

DPA/AP
 
 
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