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12. September 2007, 15:26 Uhr

Neue Indizien im Fall Barschel

Vor fast genau 20 Jahren wurde Uwe Barschel tot in der Badewanne eines Hotels aufgefunden. Zwei stern-Redakteure haben nun vermutlich neue Indizien dafür gefunden, dass der ehemalige Ministerpräsident von Schleswig-Holstein doch ermordet wurde. Die Spur führt unter anderem nach Südafrika.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Uwe Barschel (CDU) bei einer Pressekonferenz in Mölln 1987© DPA

Im Fall des früheren schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel, der im September 1987 zurücktreten musste und am 11. Oktober 1987 tot in der Badewanne eines Genfer Hotels gefunden wurde, gibt es neue Spuren, die auf einen Mord hinweisen. Das berichtet der stern in seiner nächsten Ausgabe. Das Magazin stützt sich auf die Recherchen zweier ehemaliger stern-Redakteure, die sich seit Jahren mit dem Fall Barschel beschäftigen und die Ergebnisse ihrer Nachforschungen jetzt in einem Buch vorlegen. Hintergrund des mysteriösen Politiker-Todes in Genf war demnach die geplante Lieferung von U-Booten der HDW-Werft in Kiel nach Südafrika. Ministerpräsident Barschel hatte dieses Geschäft befürwortet, um den drohenden Konkurs der Werft abzuwenden. Barschel schickte sogar seinen Wirtschaftsminister Jürgen Westphal ans Kap, um den Einsatz der Landesregierung für das Geschäft zu demonstrieren.

In der Anbahnungsphase dieses U-Boot-Deals, so fanden die Buchautoren Rudolf Lambrecht und Leo Müller heraus, flossen hohe Schmiergeldzahlungen auf ausländische Konten, die der CDU gehörten. Der damalige Parteivorsitzende Helmut Kohl und sein Schatzmeister Walter Leisler Kiep verweigerten dazu auf Anfrage eine Stellungnahme. Doch die beiden Journalisten fanden Informanten, die damals auf südafrikanischer und deutscher Seite mit diesem Deal vertraut waren. Nach ihren Aussagen habe sich Uwe Barschel persönlich in das U-Boot-Geschäft eingeschaltet und sich für dessen korrekte Abwicklung verbürgt. Von den Geldzahlungen habe er in seinen Wahlkämpfe profitiert. Als das U-Boot-Geschäft, das gegen eine Uno-Resolution verstieß, schließlich doch platzte, sei Barschel dafür in Genf zur Verantwortung gezogen worden.

Barschel war ein Sicherheitsrisiko

Die Darstellung von Rudolf Lambrecht und Leo Müller ist mit einer Fülle von Daten und Details aus dem Leben des ehemaligen Ministerpräsidenten belegt, von denen viele bislang nicht bekannt waren. Erstmals, so stern-Chefredakteur Thomas Osterkorn, gebe es nun "eine plausible Erklärung dafür, warum Uwe Barschel nach seinem Sturz zu einem 'Sicherheitsrisiko' für hochrangige Waffenhändler wurde und deswegen höchstwahrscheinlich zum Schweigen gebracht werden musste". Auch die Lübecker Staatsanwaltschaft, die das "Todesermittlungsverfahren" im Fall Barschel führte, ist davon überzeugt, dass Barschel ermordet worden war. Da aber die Suche nach einem Motiv und einem Täter ergebnislos blieb, musste sie das Verfahren 1998 auf Anweisung des Kieler Generalstaatsanwaltes einstellen.

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