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23. November 2007, 07:07 Uhr

Jugendamtsmitarbeiter angezeigt

Im Fall der verhungerten Lea-Sophie aus Schwerin ist gegen die Eltern des fünfjährigen Kindes Haftbefehl ergangen. Auch das Jugendamt gerät immer mehr unter Druck: Ein Bürger hat Mitarbeiter des Amtes wegen unterlassener Hilfeleistung angezeigt. Politiker diskutieren, wie sich solche Fälle in Zukunft vermeiden ließen.

Lea-Sophie lebte mit ihren Eltern in einer Plattenbau-Siedlung in Schwerin-Lankow© Jens Büttner/DPA

Nach dem qualvollen Tod der fünfjährigen Lea-Sophie geraten die Schweriner Behörden unter Druck. Oberbürgermeister Norbert Claussen (CDU) wehrte sich am Donnerstagabend gegen Kritik am Jugendamt. "Bisher gibt es keinen Ansatz dafür, dass irgendein Mitarbeiter schnuselig gearbeitet hätte oder seine Aufgaben nicht erfüllt hätte", sagte er im ARD-"Nachtmagazin". Dennoch werde überlegt, was künftig verbessert werden könne.

Das Mädchen war nach monatelangem Martyrium verhungert und verdurstet. Das ergab eine Obduktion der Leiche. Das Amtsgericht erließ am Donnerstag Haftbefehl gegen den 26-jährigen Vater und die 23-jährige Mutter wegen gemeinschaftlichen Totschlags. Die Eltern sollen das Mädchen mehrere Monate lang nicht ausreichend ernährt haben, wie Oberstaatsanwalt Hans-Christian Pick sagte. Zum Schluss habe Lea-Sophie nur noch 7,4 Kilogramm gewogen. Normal wären etwa 20 Kilogramm. Das Mädchen war am Dienstagabend ins Krankenhaus gebracht worden, wo es wenig später starb.

Anzeige gegen das Jugendamt

Ein Bürger aus Schleswig-Holstein habe gegen Mitarbeiter des Schweriner Jugendamtes Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung erstattet, sagte Pick. Die Staatsanwaltschaft habe aber keine Hinweise auf ein Verschulden der Behörde. Das Jugendamt soll durch einen anonymen Hinweis von der Vernachlässigung des Kindes gewusst haben. Ein Nachbar sagte der Deutschen Presse-Agentur DPA, zwei Mitarbeiter hätten die Familie Anfang November besucht und einen Blick in den Kinderwagen geworfen. In der Wohnung seien sie nicht gewesen.

Die Schweriner Jugendamtsleiterin Heike Seifert soll bereits vor einem Jahr im Sozialausschuss der Stadtvertretung erklärt haben, das Amt sei durch Mittelkürzungen völlig überlastet. Die Vize-Vorsitzende des Landeselternrates, Verena Riemer, zitierte Seifert mit den Worten: "Ich kann nicht garantieren, dass wir nicht auch in Schwerin ein totes Kind haben werden."

Ruf nach besseren Kontrollen

Auch in der Politik wird der Ruf nach besseren Kontrollen lauter. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen sagte im Fernsehsender n-tv: "Wir tun alles, um so etwas zu verhindern." Gesundheitswesen und Jugendhilfe müssten enger kooperieren. "Ich plädiere ganz massiv dafür, die Vorsorgeuntersuchungen zur Pflicht zu machen", sagte die Vorsitzende des Bundestags-Familienausschusses, Kerstin Griese (SPD), der "Berliner Zeitung". Notwendig sei eine bundesweit einheitliche gesetzliche Regelung.

Die Opposition im Bundestag beklagt vor allem ein Versagen der staatlichen Stellen. "Wenn jahrelang bei Jugendämtern und der Jugendhilfe gespart wird, braucht man sich nicht zu wundern, dass so etwas passiert", sagt der Familienexperte der Linken, Jörn Wunderlich. "Die Jugendämter müssen personell und finanziell besser ausgestattet werden", forderte Miriam Gruß von der FDP.

"Aufsuchende Hilfe"

Ekin Deligöz von den Grünen skeptisch zu zwangsweisen Vorsorgeuntersuchungen. Deligöz begrüßte aber, dass immer mehr Bundesländer Anstrengungen unternähmen, die Teilnahme an den Vorsorgeuntersuchungen zu erhöhen. Sie sprach sich zudem für eine frühe und regelmäßige Betreuung von Familien aus. "Hebammen könnten Familien weit über die Geburt hinaus beraten." Für die Vize-Fraktionschefin der Union, Ilse Falk, muss gewährleistet werden, dass es bei den Vorsorgeuntersuchungen nicht nur um den allgemeinen Entwicklungsstand der Kinder geht. Vielmehr müsse konkret auf Anzeichen von Misshandlungen geachtet werden. Falk plädierte dafür, die sogenannte aufsuchende Hilfe zu stärken. "Früher gab es die Gemeindeschwester, die sich regelmäßig um die Familien gekümmert hat."

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 39)
 
Bensil_Norm (24.11.2007, 00:36 Uhr)
NWO lässt grüßen!!!
Erst wird von der Politik ein Problem geschaffen!!!
Radikale Kürzungen von Etas der Jugendämter und vielen anderen staatlich geförderten Institutionen welche sich um Kinder und Jugendliche kümmern.Die daraus resultierenden Probleme wachsen!
H4 trägt noch zur Verelendung bei.
Dann kommt wieder die Politik und bietet die Lösung!!!
In diesem Fall wird dann angedacht und auch entschieden das Elternrecht zu beschneiden und die Eltern dazu zwingen Ihre Kinder dem Gesundheitsamt wegen heimlicher Impfungen vorzuführen,was natürlich unter dem Deckmantel eines Gesundheitschecks geschehen wird.
Genauso wie in New York der Staat die Türme sprengte um dann der Bevölkerrung das Problem"Terrorismus"
mittels Abbau der Menschenrechte und der totalen Überwachung zu lösen.
Na klingelts?
1933 ist heute,die Wege des Faschismus sind subtil aber führen zum Ziel!
Ulele
Bensil Norm
D_C_M (23.11.2007, 20:48 Uhr)
Überlegungen ??
Ich glaube ich lese nicht richtig. Was ist denn das dort für ein Personal. Überlegungen gibt es seit etlichen Jahren schon zu diesem Thema. Wie schwachsinnig muss man eigentlich sein um dort in solch ein behörde arbeiten zu dürfen. Aber kein Wunder, hochnäsige beleidigendes personal trifft man dort fast nur vor. Ach, wissen Sie was Sie widern mich einfach nur an.
kojambel (23.11.2007, 18:35 Uhr)
Schade eigentlich....
@Alex24
Schade eigentlich, dass Du nicht durchblickst. Deine Äusserungen erinnern mich zu sehr an schwarz-gelb und damit kann ich weiss Gott nichts mehr anfangen. Zu Deiner Information: Ich lese keine Bildzeitung und bin auch kein Stammtischmitglied. Wenn Du mich zum Proletariat zählst, ist es eine Ehre für mich. Denn dieses Proletariat hat alles das, was Du heute geniesst, mit seinem "Herzblut" erkämpft. Ausserdem, auch Du bist ein Proletarier, es sei denn, Du bist ein Arbeitgeber. Das Proletariat (vom lat. proletarius „der untersten Volksschicht angehörend“) bezeichnet die gesellschaftliche Schicht der Landlosen und Lohnabhängigen (Besitzlosen), welche aber nicht versklavt sind. Zur Sicherung ihrer materiellen Existenz sind die Mitglieder der Arbeiterklasse gezwungen ihre Arbeitskraft zu verkaufen. Na, dämmert's??
AlterZausel (23.11.2007, 17:23 Uhr)
Es ist nicht zu verstehen
Ein kleines Kind magert nicht in kurzer Zeit so erheblich ab, daß Lebensgefahr besteht. Wenn die Familie bereits unter Kontrolle des Jugendamtes gestanden hat, muß dafür ein begründeter Verdacht vorgelegen haben. Die Mitarbeiter des Amtes hätten auf Konkakt zu dem Kind bestehen müßen. Das hätte den Tod des Kindes verhindert. Die Anzeige gegen die zuständigen Mitarbeiter des Amtes ist gerechtfertigt.
maindelfin (23.11.2007, 14:58 Uhr)
nicht das letzte Kind
Wie alle Behörden werden auch die Jugendämter ständig dazu aufgefordert die Verwaltungskosten zu senken. Da der größte Posten die Personalkosten sind, muss also immer mehr Personal abgebaut werden. In einer Zeit, in der auf die Jugendämter immer mehr Arbeit zukommt, ist diese Entwicklung fatal. Hier muss unbedingt Personal aufgestockt werden (auch wenn dadurch die Verwaltungskosten wieder steigen)!!! Trotzdem ist es natürlich so, dass hier Fehler gemacht wurden. Wenn schon Leute vom Jugendamt kommen, dann MÜSSEN(!!!) diese das Kind auch sehen!! Aber hier ist von allen Beteiligten einiges schief gelaufen. In einem der ersten Berichte über diesen Fall habe ich gelesen, dass die Nachbarn im Haus schon öfter "Ärger" mit den Eltern von Lea hatten, und zwar weil das Treppenhaus nicht gereinigt wurde!!! Bei solchen Unwichtigkeiten haben die Nachbarn ganz genau aufgepasst aber sonst haben die nix mitgekriegt!! Ich bin froh, solche Nachbarn nicht zu haben. Leider, leider wird es nicht das letzte Kind gewesen sein, das auf diese Weise sterben muss.
Kleiner-Meister (23.11.2007, 14:50 Uhr)
War bestimmt nur ein Missverständnis
Vielleicht haben die netten Mitarbeiter des Jugendamtes gar nicht gewusst welches Kind sie im Kinderwagen gesehen haben. Ich denke mal eine 5-Jähriges Kind liegt nicht mehr im Kinderwagen. Das wird dann wohl der 8 Wochen alte Bruder gewesen sein. Kann mir schon folgendes Szenario vorstellen. Aufmerksamer Nachbar informiert Jugendamt über Vernachlässigung eines Kindes. Jugendamt geht nachschauen im besagten Kinderwagen, alles i.o. Vielleicht wusste das Jugendamt noch gar nichts von einem zweiten Kind und ging von dem Falschen aus. 8 Wochen seit Geburt sind eine verdammt kurze Zeit. Gerade für Beamte.
Erich_H (23.11.2007, 13:56 Uhr)
Wen wundert's?
Jeder der beruflich häufiger mit einem Jugendamt zu tun, wird sich bei aller Bestürzung, doch nicht allzu sehr wundern. Dass Familienministerinnen dennoch viel Applaus für ihre Politik bekommen, liegt wahrscheinlich an der fehlenden Information der Öffentlichkeit über die wahren Zustände....
ecom (23.11.2007, 13:29 Uhr)
nochmal @ Alex64
Ihrem Text nach prangere ich den Staat oder seine Einrichtungen an ?
Ja das tue ich, warum ?
Das kann ich Ihnen genau erklären, erstens bin ich der Meinung das niemand das perfekte Elternsein von Haus aus kann bzw. kennt.
Vater oder Mutter zu sein muss auch gelernt werden. Auch wenn vieles der Instinkt vorgibt. Aber da wo es Versagt müssen eben die angeblichen Profis vom Jugendamt ran. Und wenn diese Profis vom Jugendamt ihrer Pflicht das Kind zu besuchen und zu kontrollieren nicht nachkommen haben sie ihren Job nicht ordentlich ausgeführt.
Desweiteren ist Lea nicht das Erste Kind das durch solch tragische Umstände ums Leben kommt.
Zweitens: Im Zeitalter wo es in Deutschland immer weniger Geburten gibt sollte der Staat ein Auge auf den Nachwuchs werfen. Es wird über alles diskutiert in der Politik aber trotz mehrere solcher Fälle ist bisher nichts Unternommen worden.
Warum war Lea noch nicht im Kindergarten ? Wäre sie in einer Kita gewesen dann würde Sie leben. Eine Kita sollte ebenso wie Schule zur Pflicht werden.
Selbstverständlich gebe ich Ihnen Recht wenn sie sagen das die Reihenfolge Eltern > Verwandschaft > Nachbarschaft > Jugendamt sein muss.
Aber wenn es schon dazu gekommen ist das dass Jugendamt auf den Fall aufmerksam gemacht wurde und zwei Mitarbeiter das Kind besuchen wollen es jedoch nicht antreffen/nicht sehen oder einfach nur in den Kinderwagen schauen haben sie einen Fehler gemacht welcher der kleinen Lea zum Verhängnis wurde.
sportartmakler (23.11.2007, 13:20 Uhr)
@alex64....
das ist ja ein toller vergleich, gdl-streik und kindervernachlässigung. da hätte ich von jemandem der von oben auf das gemein proletariat schaut schon was sinnvolleres erwartet. im umkehrschluß kann ich ihrer these nach behauten SIE hätten ihre pflicht verletzt einzugreifen. wo waren sie alex als das kind sie brauchte? diese frage reiht sich bestimmt in ihr geliebtes stammtischgebrabbel ein? so ein schwachsinn, wir wissen nichts über die familienverhältnisse (herrscht überhaupt kontakt zu verwandten, die die umstände hätten mitbekommen können?). es ist auch nicht so dass in jeder wohngegend nachbarschaft etwas bedeutet. solche schweine von eltern werden auch schon vorkehrungen treffen damit solche zustände nicht sofort auffliegen.
ihre kette der verantwortung ist schon richtig, aber in letzter instanz, wenn alle glieder nicht gegriffen haben muß der staat stehen, wer denn sonst? und wenn dann knapp 2 wochen vor dem tod der kleinen noch ma des jugendamtes vor ort waren, diese sich nichtmal das kind anschauen (neben den wohnungszuständen muß doch auch das kind "besichtigt" werden, was bringt sonst solch ein kontrollbesuch??, bisl putzen, die gehen schon wieder..) was soll man denn davon halten?? ich kenn die vorschriften solcher kontrollbesuche nicht, aber das kind selbst anzutreffen muß doch oberste priorität sein! da waren die kontrollbesuche bei mir aus dem tierheim genauer. kurz nach dem kauf meines hundes und ca ein halbes jahr später. die wollten neben dem platz des hundes auch den hund selbt sehen. da scheinen härtere vorschriften zu existieren.
mupfeline (23.11.2007, 13:11 Uhr)
@Alex64
Also schlicht und einfach sind zuerst die Eltern und Verwandten in der Pflicht und die Vorsorgeuntersuchungen, Mütterberatungen, Arztbesuche im Kindergarten und Schulärztliche Untersuchungen brauchen nicht sein - weil das macht ja der "Staat" und auf den wollen wir die Verantwortung nicht abwälzen oder was?! Sehr merkwürdige Einstellung! Wenn ich deine Meinung fehlinterpretiere - dann sorry, erklär es mir, ich verstehe dich nicht!
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