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26. August 2010, 06:50 Uhr

Jetzt kennen sie die bittere Wahrheit

Bitterer Moment für die 33 Verschütteten in Chile: Die Bergleute haben erfahren, dass ihre Rettung Monate dauern wird. Die Ärzte befürchten, dass die Euphorie jetzt in Depression und Angst umschlägt.

Die in einem Bergwerk in Chile verschütteten 33 Bergleute haben erfahren, dass sie noch Monate auf ihre Rettung warten müssen. Den Männern sei mitgeteilt worden, dass eine Rettung vor dem chilenischen Nationalfeiertag am 18. September auf keinen Fall möglich sei und "dass wir hoffen, Weihnachten mit ihnen zusammen zu sein", sagte Gesundheitsminister Jaime Mañalich am Mittwoch (Ortszeit). Er erwarte, dass die Stimmung bei den seit dem 5. August eingeschlossenen Minenarbeitern nun schlechter werde.

Dass die für ihre Rettung notwendige Bohrung eines neuen Schachts voraussichtlich drei bis vier Monate dauern wird, wussten die Verschütteten bislang nicht. Mit der Bohrung des Rettungsschachts soll in den nächsten Tagen begonnen werden. Mañalich räumte ein, dass das Ziel einer Befreiung bis Weihnachten "immer noch ein großes Zeitfenster" sei, der aber nach und nach genauer bestimmt werden könne.

Die 33 Bergleute sitzen seit dem 5. August in knapp 700 Metern Tiefe fest. Damals stürzte die kleine Gold- und Kupfermine San José am Rand von Copiapo in der Atacama-Wüste, etwa 850 Kilometer nördlich der Hauptstadt Santiago, ein.

Therapeutisches Programm soll Eingeschlossenen helfen

Bislang sei bei den 33 Verschütteten keine Verschlechterung der Stimmung festzustellen, erklärte der Gesundheitsminister. "Es wäre jedoch naiv anzunehmen, dass sie fähig sein werden, ihren unglaublichen Lebensmut zu bewahren, den sie jetzt schon so lange gezeigt haben." Er erwarte, dass die nach dem ersten Kontakt am Sonntag unter den Männern entstandene Euphorie nun in "Depressionen, Angst und Niedergeschlagenheit" umschlage. Am Sonntag wurde der erste Kontakt zu den Verschütteten hergestellt, am Tag darauf wurden die Kumpel über ein acht Zentimeter dünnes Rohr erstmals mit Vorräten versorgt.

Die Regierung bereitet nun ein medizinisches und therapeutisches Programm vor, um die Bergleute zu unterstützen. Jeden Tag sollen Ärzte die Männer befragen, zudem sind Bewegungsspiele und andere Beschäftigungen wie Singen geplant, wie Mañalich erklärte. Neben Medikamenten, Nahrungsmitteln, Stiften und Spielkarten erhalten die Männer über das dünne Rohr auch Post von ihren Familien.

Bevor die Arbeiter über ihre langwierige Rettung informiert wurden, hatten sie in einem Telefonat mit Chiles Staatschef Sebastián Piñera um rasche Hilfe gefleht. "Wir hoffen, dass ganz Chile sich anstrengen wird, damit wir aus dieser Hölle herauskommen", sagte der Vorarbeiter Luis Urzua. "Sie werden nicht alleingelassen, und sie wurden nicht eine Sekunde alleingelassen", versicherte Piñera den Arbeitern. "Das ganze Land ist bei Ihnen und ich möchte Ihnen versichern, dass Ihre Familien begleitet und unterstützt werden." Piñera sprach vom Präsidentenpalast aus über Funktelefon mit dem Sprecher der Arbeiter, zu denen ein Kabel in die Tiefe führt.

mad/AFP
 
 
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