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16. Dezember 2008, 16:05 Uhr

Schuhwerfer angeblich misshandelt

Menschen rund um den Globus kennen seit Sonntag seinen Namen - und seine Schuhe. Jetzt sitzt der Journalist Montassar al Saidi, der auf einer Pressekonferenz seine Schuhe auf US-Präsident George W. Bush geworfen hatte, in Haft - und wurde angeblich sogar misshandelt.

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George W. Bush (l.) schafft es gerade noch, vor dem fliegenden Schuh in Deckung zu gehen. Neben ihm Iraks Premierminister Nuri al Maliki© AP

Nach seinem spektakulären Schuhwurf soll der 28-jährige Montassar al Saidi mit einem Pistolenknauf ins Gesicht geschlagen worden sein, außerdem hätten ihm die Sicherheitskräfte den Arm gebrochen. Die offizielle irakische Seite bestreitet, dass der TV-Journalist misshandelt wurde. Doch seine Familie will das aus sicherer Quelle erfahren haben, wie internationale Medien berichten. Der Reporter des irakischen TV-Senders al Bagdadija war am Sonntag festgenommen worden, nachdem er bei einer Pressekonferenz in Bagdad seine Schuhe auf US-Präsident George W. Bush geworfen hatte. Journalisten, die ebenfalls auf der Pressekonferenz waren, berichten laut der Internet-Ausgabe der "New York Times" davon, dass sie al Saidis Schmerzenschreie aus dem Nebenzimmer gehört hätten, nachdem ihn Sicherheitskräfte abgeführt hatten.

Mittlerweile sei Montassar in ein Militärkrankenhaus eingeliefert worden, sagte sein Bruder Maitham al Saidi laut einem Bericht der Online-Ausgabe der "International Herald Tribune". Eine Person habe Kontakt zu der Familie aufgenommen und außerdem mitgeteilt, dass der 28-Jährige Verletzungen im Gesicht und einen Knochenbruch erlitten habe. Auch die Internet-Ausgabe der BBC meldet, dass al Saidi verletzt sei. Ein anderer Bruder, Dargham al Saidi, spricht sogar von inneren Blutungen.

Mehr als 100 Rechtsanwälte aus der ganzen Welt haben sich offenbar bei der Familie gemeldet und angeboten, Montassar al Saidi gratis zu verteidigen, berichtet die "New York Times". Doch davon hat al Saidi bisher nichts: Rechtlicher Beistand sei ihm verwehrt worden, so die BBC unter Berufung auf einen seiner Brüder.

Demonstranten fordern Freilassung

Während die Familie sich um den Inhaftierten sorgt, rollt durch die arabische Welt eine Welle der Solidarität mit dem Schuhwerfer. Von Mauretanien bis Syrien riefen am Dienstag Menschenrechtler, Politiker und Journalisten zur Freilassung von al Saidi auf. In Bagdads Amarija-Viertel demonstrierten Hunderte von Schülern und Lehrern für ihn. Sie riefen: "Dieser mutige Mann hat es nicht verdient, festgenommen und gefoltert zu werden." In der Stadt Bakuba nordöstlich von Bagdad gingen Stammesscheichs, Professoren und Schüler für al Saidi auf die Straße. Auch unter den irakischen Parlamentsabgeordneten fand der TV-Reporter Fürsprecher. Der irakische Journalistenverband nannte die Aktion zwar "seltsam und unprofessionell", bat den Ministerpräsidenten aber um Gnade für al Saidi.

Von offizieller Seite heißt es, al Saidi sei zunächst von der Leibgarde des Ministerpräsidenten Nuri al Maliki festgehalten und später den Streitkräften in Bagdad überstellt worden. Diese wiederum lieferten ihn an die Justiz aus. Einem solchen Schritt folgt in der Regel ein langwieriges Gerichtsverfahren. Ein Sprecher des Innenministeriums deutete an, dass al Saidi wegen Beleidigung eines ausländischen Staatsgastes sowie des neben ihm stehenden irakischen Ministerpräsidenten angeklagt werden könnte. Darauf stehen als Höchststrafe zwei Jahre Haft.

ukl/DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 20)
 
Pengolodh (18.12.2008, 12:24 Uhr)
@tetrapanax
Wie es aussieht, benutzen Sie "linke Gutmenschen" praktisch als Synonym für "Leute mit einem wahrgenommenen IQ über 60"... aber, aber, nur kein Neid!
Die Amis haben Saddam nicht eliminiert, sie haben ihn nur verhaftet und an das von ihnen ausgehaltene Regime überstellt, daß sie im Mißhandeln und in der Korruption sicher noch übertrifft. Der Mann, der bloß Schuhe geworfen hat, darf im Augenblick nicht mal Rechtsschutz erhalten, sie haben ihm anscheinend auch den Arm gebrochen. Dem Amerikaner, auf dessen Befehl nicht nur Schuhe geworfen wurden, ist nichts passiert, haben Sie wenigstens das mitbekommen?! Was mit Maliki passiert, wenn seine amerikanischen Beschützer abziehen, will ich nicht wissen. Daß dort in absehbarer Zeit ein Rechtsstaat existieren wird, der Menschenrechte respektiert, ist leider sehr unwahrscheinlich.
Gisella (17.12.2008, 18:52 Uhr)
Da
ja Bush den Sinn des "Angriffs" absolut nicht verstanden hat-wie sollte er auch??-sollte der "Born again-Christian" die Irakische -von ihm eingsetzte- Regierung aufforden, den "Schuhwerfer"zu begnadigen. Er "begnadigt"doch auch an Thanksgiving" die Turkys. (Truthähne)Wer kann , sollte mal die Interviews mit Bush an CNN ansehen- der ist ja sooooooo doof.!!!!!!!!!!
tetrapanax (17.12.2008, 18:44 Uhr)
Und alle linken Gutmenschen hier freuen sich,
dass ein Arschloch seine Schuhe auf einem Menschen wirft...
Nee, is klar: unter Saddam ging´s den Menschen im Irak richtig gut - wie konnten die Amis den nur eliminieren!
max67 (17.12.2008, 11:06 Uhr)
Danke
Alle auf der Welt haben sich gefreut.
@Gabeltier: Dank der westlichen Indu.... Danke der westlichen Bomben haben die Leute kein Dach über dem Kopf. Wie Ahnungslos bist du eigentlich!!
hjs1 (17.12.2008, 10:58 Uhr)
Bush Christ?
Wie wäre es eigentlich, wenn Herrn Bush folgender Vorschlag unterbreitet würde, und wer hat beim Stern den Mut, das zu tun?: „Lassen Sie doch bitte offiziell verlautbaren, dass Sie Verständnis für die Reaktion des Mannes haben, und dass Sie als Christ wünschen, dass man ihn vor Weihnachten freilasse, und dass man sich für den ihm entstandenen Schaden (Verletzungen etc.) entschuldigt.“ Würde Herr Bush das ablehnen wollen? Und wer würde Herrn Bush dafür kritisieren wollen?
sportartmakler (17.12.2008, 09:48 Uhr)
hätte er wenigstens getroffen
es wäre ein krönender abschluß abgewesen. wer sich im irak gegen seinen inoffiziellen präsidenten stellt wird mal eben schnell ausgeschlossen aus der demokratie und rechtsstaatlichkeit. was stellt sich der busch auch in die natürliche flugbahn von wildschuhen?
@gabeltier: wie naiv kann man eigentlich sein busch als befreier und retter zu sehen. sofern diese rolle ihm jemand aus der dortigen bevölkerung zugesteht ist das ein netter nebeneffekt, aber doch nicht seine motivation. und das ist einer der gründe warum busch ein a...loch ist und kein befreier.
Gabeltier (16.12.2008, 19:50 Uhr)
Da ist was dran
Dank der westlichen Industrialisierung haben die Leute dort wenigstens Schuhe.
Der Mann hätte mal um die Ecke denken sollen, sein schlechter Wurf ändert 0,0 und bringt ihm höchstens Ärger ein...
Goldfire (16.12.2008, 18:39 Uhr)
Der mächtigste Mann der Welt duckt sich vor Schuhen
Es ist doch so, alle fanden es mehr oder weniger als Genugtuung zu sehen, wie sich Herr Bush ducken musste, vor Schuhen. Allerdings sollte dem Angreifer wohl auch klar sein, wen man abwirft. In diesem Fall war es der mächtigste Mann der welt, wohl nicht der potenteste, aber dennoch der mächtigste, was auch gravierende Folgen beinhaltet. Habe natürlich gleich damit gerechnet, dass sie ihn auf den elektrischen Stuhl setzen. Sollte es dennoch wahr sein, dass er "nur" einen gebrochenen Arm hat, dann kann er doch eigentlich "froh" sein...
shine (16.12.2008, 18:20 Uhr)
Das doofe daran ist...
das in Zukunft alle Reporter ihre Schuhe ausziehen werden müssen, wenn Sie zu einer Pressekonferenz mit Bush zugelassen werden wollen. Naja, sind ja nur noch knapp 5 Wochen bis er -endlich- abtritt...
sachsenwini (16.12.2008, 18:18 Uhr)
Es ist eine Illusion,

dass sich im Irak etwas geändert haben soll,
Für den Schlächter Saddam ist nur der Kriegsverbrecher Bush eingesprungen.
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